Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Firma Wirecard, Markus Braun, wurde gestern Abend auf Betreiben der Staatsanwaltschaft München I festgenommen. Er stellte sich freiwillig den Behörden. Braun wird Bilanzfälschung und Marktmanipulation vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass ein behauptetes Bankguthaben der Firma in Höhe von 1,9 Milliarden Euro nicht existiert. Braun ist über die Denkfabrik „Think Austria“ Berater von Sebastian Kurz.

Nachdem sich jüngst bereits Finanzminister Blümel um sechs Nullen verrechnet hatte, verrechnete sich nun mutmaßlich Wirecard-Chef Markus Braun gleich um 10 Stellen. 1.900.000.000 Euro, die angeblich auf Treuhandkonten gebunkert wären, existieren gar nicht. Papiere, welche deren Existenz beweisen sollten, wären Fälschungen, so Andreas Schnauder in derStandard. Antonella Mei-Pochtler erklärte noch zu Beginn des Jahres: „Markus Braun habe einen fundierten Blick für die Zukunft“. Deshalb solle er seine Expertise in „Think Austria“ einbringen.

Mitglied in wichtigem Thinktank der Kurz-ÖVP

Gehässige Stimmen im von Peter Pilz herausgegebenen Magazin „ZackZack“ bezeichnen Antonella Mei-Pochtler, die Leiterin von „Think Austria“ als Schattenkanzlerin. In dieser Denkfabrik sitzt angeblich bis heute der ehemalige Chef von Wirecard, Markus Braun. Mei-Pochtler war durch ihren Wunsch nach einer „Diktokratie“ aufgefallen, im Rahmen der Corona-Krise propagierte sie eine Corona-App als Teil der „neuen Normalität“ am Rande des demokratischen Modells. Ein Sittenbild aus dem unmittelbaren Umfeld des Bundeskanzlers.

Haftstrafen drohen

Die Staatsanwaltschaft ist nun auf der Suche nach Mitwissern. Die Festnahme weiterer Manager wurde in Aussicht gestellt. Man ermittle bereits seit Wochen gegen Braun. Auf den Tatbestand der Manipulation des Börsenkurses stehen in Deutschland bis zu fünf Jahre Haft, auf Bilanzfälschung bis zu drei Jahre. Teil der öffentlichen Diskussion ist auch die Frage, ob die Finanzmarktaufsicht im Falle von Wirecard völlig versagt habe und wer konkret dafür verantwortlich ist.

Bundeskanzler Kurz für Aufstig Brauns mitverantwortlich?

Finanzexperten gehen nun davon aus, dass das Unternehmen Wirecard seine Anleger betrogen hat. Die Aktien fielen nach Bekanntwerden des Skandals ins Bodenlose. Alleine damit wurde ein großer finanzieller Schaden angerichtet. Die SPÖ kündigte an, mittels einer parlamentarischen Anfrage den Verflechtungen zwischen Wirecard-Gründer Braun und Bundeskanzler Kurz auf den Grund gehen zu wollen. „Der Aufstieg von Braun erklärt sich meiner Meinung nach auch aus seinem Status als Berater von Sebastian Kurz, als der er in deutschen Medien geführt wurde,“ schreibt die SPÖ-Abgeordnete Ruth Becher.

Hohe Spende an ÖVP

Angeblich habe Braun im Jahr 2017, so die SPÖ, in zwei Tranchen insgesamt 70.000 Euro an die ÖVP gespendet. Sebastian Kurz habe in dieser Sache Erklärungsbedarf. Der Bundeskanzler kommt aufgrund seiner Bekannt- und Freundschaften in den letzten Wochen und Monaten immer wieder in Erklärungsnotstand.