Unter dem Lockdown leiden auch Oberösterreichs Feuerwehren. „Die derzeitige Situation macht mir schon Kopfzerbrechen“, betont Landesbranddirektor Robert Mayer, denn die Pandemie blockiert nicht nur die Ausbildung, sondern bremst auch die Neuzugänge und die Nachwuchsarbeit.

Von Kurt Guggenbichler

„Denn 2019 gab es bei unserem Nachwuchs noch 3000 Neuzugänge, im Vorjahr waren es nurmehr 1234 gewesen“, erläutert Mayer. Leider hätte es Jugendarbeit im letzten Sommer nur per Online-Tools gegeben und dies sei bei Weitem nicht so reizvoll wie eine Begegnung mit echten Feuerwehrleuten und ihrem Equipment. Gerade bei Feuerwehren sei die Gemeinschaft wichtig.

Wegen der Verordnungen der Regierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie musste auch die Aus- und Weiterbildung im letzten Jahr um 50 Prozent zurückgefahren werden, erläutert der oberste Landesfeuerwehrchef: Sechs Monate hätte es überhaupt keinen Trainingsbetrieb gegeben. Trotzdem wurden von den oberösterreichischen Feuerwehren im abgelaufenen Jahr fast 50.000 Einsätze gefahren – unter erschwerten Bedingungen.

Gratwanderung

„Denn auch dabei haben wir Maske getragen, so gut es ging auch Abstand gehalten und alle Desinfektionsmaßnahmen beachtet“, betont Mayer, „und alles in allem noch 2,7 Millionen Arbeitsstunden geleistet.“

An dieser Zahl sieht man aber, dass auch dieser Bereich durch Corona beeinträchtigt wurde, denn im Jahr davor (2019) seien es noch 6,9 Millionen Arbeitsstunden gewesen.
„Die Bewältigung des Feuerwehrdienstes in Verbindung mit den COVID-Maßnahmen stellt für die Feuerwehren eine extreme Gratwanderung zwischen Hilfeleistungs- und Schutzmaßnahmen dar“, gibt Mayer zu bedenken.

Mit 20.828 Mitgliedern waren im Vorjahr mehr als ein Fünftel der knapp 94.000 Feuerwehrmitglieder zur Unterstützung der Pandemieeindämmung eingesetzt. Mayer verweist auf logistische Tätigkeiten bei der Abwicklung der Corona-Tests, auf personelle Unterstützung bei den Test-Drive-In-Stationen und bei „den Vor-Triagen an den Krankenhauseingängen“.

Einahmeverlust

Dies gehörte zwar nicht zu den Kernaufgaben der Feuerwehren, gibt er zu, war aber dennoch ein wesentlicher Beitrag zur Bewältigung der Situation. Große Sorge bereitet dem Landesfeuerwehrchef auch die Feuerwehrfinanzierung, weil diese zu einem wesentlichen Teil aus Eigenmitteln bestünde, die mit Festen oder Haussammlungen hereingebracht werden.

„Der Einnahmenausfall durch die fehlenden Veranstaltungen gefährdet die Eigenmittelbeschaffung massiv“, betont Mayer, „und hat damit auch Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen.“ Deshalb fordert er eine Ausdehnung des von der Bundesregierung eingerichteten NPO-Fonds, um den Einnahmenverlust zu lindern. „Wir leben zurzeit in einem Land der Hoffnungen“, sagt Mayer, der nun auch darauf setzt, dass die auch bei den Feuerwehren zurückgefahrenen Aufgaben bald wieder uneingeschränkt ausgeübt werden können.