Kinder, die Anfang 2020 geboren wurden, wachsen wie unter einer Kuppel auf, in der eine andere Realität existiert. Es droht eine neue Gesellschaftsform in der Zukunft, die einst als Science Fiction Kinokassen füllte und die heute vielleicht noch unmöglich erscheint, für einige jedoch bereits jetzt schon Alltag ist.

Ein Kommentar von Alina Adair

Im Jahr 1976 veröffentlichte der amerikanische Regisseur Michael Anderson den Science-Fiction-Film „Flucht ins 23. Jahrhundert“, dessen Drehbuch auf dem Roman „Logan’s Run“ von William F. Nolan und George Clayton Johnson basiert. Der Film spielt in der Zukunft und zeigt Menschen im 23. Jahrhundert, die in einer Wohlstandsgesellschaft in Städten unter der Erde leben. Alle tragen gleiche Kleidung, haben genug Nahrung und kennen keine Ängste und Sorgen, dabei wird niemand älter als 30 Jahre. Jeder Bewohner hat dafür einen Kristallchip in der Handfläche, der anfängt rot zu leuchten, wenn sich der 30. Geburtstag nähert. Nicht jeder will sich damit jedoch nicht abfinden, dass seine Zeit abläuft und Verschwörungstheoretiker behaupten, es gäbe eine Zuflucht. Ein scheinbar allwissender Computer manipuliert die Lebensuhr von Hauptdarsteller Logan 5, gespielt von Michael York, so dass seine Zeit fast abgelaufen ist. Folglich erhält er die Aufgabe, die sogenannte Zuflucht zu finden und zu zerstören.

Der Film zeigt eine Gesellschaft, die innerhalb riesiger Kuppeln existiert. Ein Computer teilt den Bewohnern stets mit, dass die Außenwelt unbewohnbar und das abgeschottete Leben von der Außenwelt daher zwingend erforderlich sei. Der Computer gaukelt vor, draußen würde der Tod lauern und ein Organismus könne dort nicht überleben. Die Menschen leben in einer futuristischen Wohlstandsgesellschaft, in der alle gleich sind und jeder bis zum 30. Geburtstag ein sorgloses Leben führen kann. Dabei wird alles streng durch ein Kontrollsystem überwacht, das ein vermeintlich allwissender Großcomputer steuert. Individualität ist abgeschafft. Direkt nach der Geburt erhält jeder Einwohner einen Kristallchip in die Handfläche implantiert, der als Lebensuhr dient und die verbleibende Lebenszeit anzeigt. Wenn die Lebenszeit von 30 Jahren abgelaufen ist, begeben sich die Bewohner freiwillig in eine Maschine, von der sie sich „Erneuerung“ versprechen. In Wahrheit jedoch werden alle Geburtstagskinder unter Jubel der Bevölkerung im „Karussell“ getötet.

Wer am System zweifelt und versucht, der „Erneuerung“ zu entgehen, wird als Läufer deklariert und von Sandmännern gejagt und getötet. Logan 5 ist eigentlich einer der Sandmänner, der Personen, die sich nicht im Alter von 30 Jahren von der Maschine töten lassen wollen, selbst zur Strecke bringt. Als der Computer seine eine eigene Lebenszeit jedoch manipuliert und fälscht, sieht er sich gezwungen, den Gerüchten um eine Zuflucht nachzugehen. Nach einer aufregenden Reise mit der Läuferin Jessica 6 (Jenny Agutter) gelingt es ihm schließlich, die Kuppelstadt zu verlassen und die Zuflucht zu finden. Draußen angekommen, erfährt er von einem alten Mann, gespielt von Sir Peter Ustinov, dass das Leben außerhalb der Kuppeln sehr wohl möglich ist. Logan wird bewusst, dass niemand im Alter von 30 Jahren sterben muss und dass die Menschen grundlos wie Sklaven leben.

Parallelen zur Realität?

Im Jahr 2021 sind Kinder auf dieser Welt, die ähnlich wie in der Kuppelstadt aufwachsen. Wer Anfang 2020 geboren wurde, kennt bisher nur Masken. Abstand halten, Distanz, keine körperliche Nähe, Mundnasenbedeckung, ständige Kontrolle, all das gehört für diese Kinder zur Normalität. Sie kennen es nicht anders. Momentan gibt es Kinder, die am Fenster stehen und anfangen zu weinen, wenn sie auf der Straße einen Fremden vorbei gehen sehen, der keine Maske trägt. Diese Kinder waren bisher kaum unter Menschen und manche haben regelrecht Angst vor anderen Menschen. Ihr Immunsystem hatte bisher kaum Chancen, sich zu entwickeln, da kaum Kontakt mit Bakterien und Viren stattfindet. Diese Kinder werden mit der absurden Behauptung aufwachsen, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, dass sie sich ihres je nach Lust und Laune aussuchen können und dass es keine Unterschiede zwischen Menschen und Kulturen gibt. Sie wachsen in einer Welt auf, in der Politik und Medien ein Schreckensszenario nach dem anderen an die Wand malen und stets mit düsteren Prognosen kommen. Ihnen wird gesagt, dass sie ihre Großeltern töten könnten, wenn sie sie umarmen. Sie wachsen damit auf, dass Menschen eine Gefahr darstellen. Ihnen werden Schuldgefühle für das Wetter eingeredet und sie sollen lernen, dass nur sie dazu berufen sind, den Planeten zu retten – allerdings von zuhause aus im Lockdown.

Freiheit durch selbständiges Denken

Kinder, die Anfang 2020 geboren wurden, wachsen seither in einer Pseudorealität auf, die mit der Realität nichts mehr zu tun hat. Die Kuppel unter der sie leben, ist allerdings nicht sichtbar, sie ist in ihrem Kopf sein und sie werden dazu gedrillt, keine Regeln in Frage zu stellen. Im Film lernt Logan auf seinem Weg aus der Kuppelstadt eigenständig zu denken. Draußen angekommen erkennt er, dass nichts so war, wie es schien. Die Realität in der Kuppelstadt war von einem übermächtigen Computer künstlich geschaffen worden, um die Menschen abhängig zu halten und um sie vollständig zu beherrschen. Logan trifft am Ende auf einen alten Mann und sieht zum ersten Mal Katzen. Er kannte bisher weder Alter noch Tiere. Während die Menschen in der Kuppelstadt regelrecht gezüchtet wurden und nicht in Familien lebten, lernen Logan und Jessica außerhalb der Kuppelstadt, was Familie bedeutet. Gemeinsam mit dem alten Mann gehen Logan und Jessica dann zurück, um alle anderen Menschen in der Kuppelstadt zu befreien, obwohl keiner in der Kuppelstadt auch nur den Funken einer Ahnung hat, dass ihre Realität nicht echt ist.

Wer unter der Maske/Kuppel lebt, für den existiert eine andere Realität, die künstlich geschaffen wurde. Die Maskenmenschen werden durch Angst dazu gebracht, dem System und allen Anweisung der Herrschenden bedingungslos zu folgen. Die Kuppelmenschen werden in dieser Pseudorealität geboren, sie kennen es nicht anders. Die Kinder, die 2020 geboren wurden, sind daher ähnlich wie die Kinder in der Kuppelstadt. Sie beginnen ihr Leben in einer künstlich erzeugten, kontrollierten Welt, die sie von Beginn an einschränkt und ihr Leben bestimmt, während die Realität weiterhin existiert, jedoch für sie nicht sichtbar ist. Es wäre daher an der Zeit, dass wir endlich zurückkehren zur Normalität, die überall existiert, wo Medien und Politik keine Horrorszenarien verbreiten. Wir sind es den Kindern schuldig, die jetzt isoliert wie unter Kuppeln leben müssen, dass sie frei und unbeschwert aufwachsen können. Wir müssen aufhören, uns ständig mit dem Tod Angst machen zu lassen und endlich wieder anfangen zu leben. Letztlich dürfen wir nicht vergessen, bisher war die Menschheit stärker als jedes Virus. (AA)