Spätestens nach dem Umschwenken der „Kronen Zeitung“ wurde offensichtlich, dass den Freiheitlichen jene Mainstream-Medien ausgehen, die zumindest neutral über die Kernthemen der Partei berichten. Nach dem Wahldebakel muss die Partei nun auch ihre Medienpolitik überdenken.

Eine Analyse von Chefredakteur Christian Seibert

Nach der geschickt eingefädelten „Ibiza-Falle“ waren es nicht mehr allzu viele Medien, die ein gutes Haar an der FPÖ ließen. Vor allem die Kronen Zeitung änderte quasi „über Nacht“ ihre Berichterstattung fundamental.

Es spricht jedoch vieles dafür, dass die Änderung der Redaktionslinie keinesfalls so spontan und so planlos geschah, wie es nach außen hin erscheinen sollte.

Die Hintergründe dieses „Schwenks“ sind jedenfalls klar ersichtlich: Immobilien-Milliardär René Benko, enger Vertrauter von Sebastian Kurz, hatte sich erst kurz zuvor über die Funke Mediengruppe 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding GmbH gesichert.

Benko kaufte die „Krone“

Da diese an „Krone“ und „Kurier“ beteiligt ist, erwarb er somit 24,22 Prozent am „Kurier“ und 24,5 Prozent an der „Krone“. Gerade in den Wochen vor der Nationalratswahl wandelte sich die „Krone“ hin zum absoluten „Anti-FPÖ-Medium“ und machte über ihren einflussreichen Facebook-Kanal mit mehr als 320.000 „Fans“ sogar noch am Wahltag selbst Stimmung gegen die Partei.

Wenn man bedenkt, dass diese 235.000 potenzielle Stimmen an das Lager der Nichtwähler verloren hat, sollte man auch den Einfluss des „Boulevard-Königs“ auf diese Entwicklung nicht unterschätzen.

Strategie lief ins Leere

Vor allem deshalb, weil sich die „Krone“ und die FPÖ in einer jahrelangen Liaison befunden haben, was die Themensetzung insbesondere in der Migrationsproblematik betrifft.

Auf diese Entwicklung angesprochen sagte der FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer im exklusiven „Wochenblick“-Interview zum Wahlkampfstart, dass man dies „zur Kenntnis“ nehme, doch spätestens nach dem Aufpoppen des Strache-Spesenskandals wurde mehr als deutlich, dass den „Blauen“ der linken Einheitsberichterstattung nichts mehr entgegenzusetzen haben. War die „Krone“ noch der letzte Freund der FPÖ in den Mainstream-Medien, ist ihr dieser nun abhandengekommen.

Das muss natürlich auch in der Medienpolitik der Partei zu einem Umdenken führen. Norbert Hofer setzte stets darauf, den linken Medien-Mainstream davon überzeugen zu wollen, dass die FPÖ keinesfalls eine Partei am rechten Rand sei. Auch wenn sie das nach objektiven Kriterien auch tatsächlich nicht ist, lief diese Strategie trotzdem ins Leere.

Redakteure bleiben links

Der Grund hierfür liegt in der Zusammensetzung der Redaktionen von „Falter“, „Standard“, „Kurier“ und Co. Viele Redakteure dieser Blätter hängen einer links-grünen Ideologie an und bringen dies in ihrer Berichterstattung auch zum Ausdruck.

Wie sehr sich die FPÖ auch bemüht, sich von ihrer besten Seite zu zeigen, die „Anti-FPÖ-Haltung“ in der Berichterstattung ist in der DNA der Redaktionsstuben verankert. Davon konnte ich mich auch in meiner Zeit bei den „Oberösterreichischen Nachrichten“ (OÖN) überzeugen. Es wird also niemals eine objektive Berichterstattung über die Freiheitlichen oder anderen patriotischen Kräften in Österreich geben.

Angesichts des Wahldebakels von Sonntag muss es der Partei nun gelingen, im Zuge der Neuausrichtung auch die strategischen Fehler in der Medien- wie auch der Inseratenpolitik zu analysieren. Erfolgreiche Beispiele wie der Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump oder die „BREXIT“-Kampagne im Jahr 2016 zeigen auf, dass es durchaus Sinn macht, in der politischen Kommunikation auf Medien zu setzen, die den Kernthemen zumindest neutral gegenüberstehen. Der gemeine Mainstream-Redakteur versteht sich oftmals als linker „Haltungsjournalist“ und das ist auch legitim. Als Antwort darauf braucht es auch Menschen mit Haltung – in der Frage einer strikten Migrationspolitik zum Beispiel. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Geld.

Idealisten gesucht

Während man erfolglos versucht hat, sich eine genehme Berichterstattung vom Boulevard zu erkaufen, hätte man diese Millionenbeträge für Inserate vielmehr in die Unterstützung von Freien Medien pumpen sollen, um ein öffentliches Gegengewicht zur links-grünen Einheitsberichterstattung zu gewährleisten.

Am gezeichneten Beispiel mit der „Krone“ wird deutlich: Es kann partiell Schnittmengen zwischen der FPÖ und einem Mainstream-Medium geben. Die Gefahr, dass sich mit den Eigentumsverhältnissen mangels (r)echter Haltung auch die Blattlinie ändert, stellte sich spätestens seit der inszenierten „Ibiza-Falle“ als Realität dar.

Wenn sich rechts-konservative Kräfte darauf verlassen, dass ihre politischen Botschaften von Medien „verkauft“ werden, die ausschließlich Kapitalinteressen folgen oder deren Journalisten diese Botschaften ohnehin ablehnen, kann das nur im medienpolitischen Supergau enden. In Zukunft sollte die FPÖ daher auf überzeugte Idealisten setzen – so wie es die Linke auch tut.