„Kriegst eh alles was du willst Face Blowing A Kiss Emoji (U+1F618)Face Blowing A Kiss Emoji (U+1F618)Face Blowing A Kiss Emoji (U+1F618)“ – das antwortete Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dem späteren ÖBAG-Chef Thomas Schmid, nachdem dieser – erneut – mit Nachdruck seinen späteren Top-Job samt Wunsch-Aufsichtsrat einforderte. „Ich liebe meinen Kanzler“, antwortete er dem Kanzler vertraut. Kurz hatte im Untersuchungsausschuss geleugnet, mit dem vermeintlichen Postenschacher etwas zu tun zu haben. Der Fall erschüttert ganz Österreich, immer mehr fordern den Rücktritt der „türkisen Partie“. FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl verglich Schmid gar mit der Ibiza-Oligarchin, die immerhin Heinz-Christian Strache den Vizekanzler und der türkis-blauen Regierung das Fortbestehen kostete.

Im Zuge einer Hausdurchsuchung im Auftrag der WKStA wurde auch das Handy von ÖBAG-Chef Thomas Schmid beschlagnahmt.  Ganze 320 Seiten umfasst der Amtsvermerk zu den Schmid-SMS, der am 18. März fertiggestellt wurde. Er offenbart nicht nur das enge Verhältnis zwischen Sebastian Kurz, Gernot Blümel und dem Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger sondern auch deren Zutun zur Schaffung eines eigenen Postens für Thomas Schmid. In der ÖVP rumort es, zumal auch viele parteiinterne Intrigen und Lästereien durch die Kurznachrichten offenbart werden. Doch vor allem der Bundeskanzler, der noch jede Beteiligung an der Postenschaffung und -besetzung durch Thomas Schmid im Untersuchungsausschuss leugnete, befindet sich nun in einer misslichen Lage. So ist die WKStA offenbar der Auffassung, dass die SMS das Gegenteil beweisen würden. Brisant: Für Falschaussagen im parlamentarischen U-Ausschuss drohen bis zu drei Jahre Haft!

„Etwas ähnliches wie die russische Oligarchin für Strache und Gudenus…“

Herbert Kickl (FPÖ) fragt auf seiner Facebook-Seite: „Wie passt das mit den Erinnerungslücken von Kurz und Blümel im Ibiza-Untersuchungsausschuss zusammen? Es scheint, als wäre Thomas Schmid für die ÖVP-Spitzen so etwas ähnliches gewesen wie die russische Oligarchin für Strache und Gudenus – nur dürfte die Korruption bei der ÖVP leider echt gewesen sein.“

ÖVP-Krise

Seit Bekanntwerden der brisanten SMS rumort es in der ÖVP. Immer mehr „schwarze“ Alt-ÖVP-ler bezweifeln die Führungsqualitäten der „türkisen Truppe“, bestätigt uns ein Insider, der nicht namentlich genannt werden will. Doch vor allem abseits der ÖVP erwarten sich immer mehr den Rücktritt der Regierung. Auf Twitter trenden die Suchwörter #OEVPkrise und #ÖBAG bereits seit gestern. Doch die „türkise Truppe“ scheint gar nicht daran zu denken, abzutreten: „Wer soll sie deswegen zum Abdanken zwingen?“, antwortet uns ein weiterer Insider auf Nachfrage.

Angst vor kritischer Berichterstattung: Anruf bei Kurier brachte Entschärfung

Die SMS sind in mehrerlei Hinsicht brisant. Sie zeigen, wie sehr Schmid vor allem bei Finanzminister Gernot Blümel und Sebastian Kurz auf seinen eigens auf ihn zugeschriebenen Top-Job als ÖBAG-Chef drängte und dass es ein langer Weg der Intrigen dort hin war. So ist die ständige Sorge Schmids, es könne ihm jemand Steine in den Weg legen, wohl dokumentiert. Schmid fürchtete zum Beispiel, dass sein damaliger Chef, Ex-Finanzminister Hartwig Löger, ihm den ÖBAG-Posten nicht vergönnen würde. Weiters hatte er Angst, ein Kurier-Artikel, der noch im Auftrag des damaligen Chefredakteurs und nunmehrigen NEOS-Politikers, Helmut Brandstätter, erarbeitet wurde, könnte seine geheimen ÖBAG-Machtpläne zu früh offenbaren und damit durchkreuzen. Auch in diesem Fall bat Schmid den Kanzler, für den er laut den Kurznachrichten sehr starke Liebesgefühle hegt, um Hilfe. Doch dieser entgegnete in Bezug auf Brandstätter: „Naja, der hasst mich. Was ist wenn ihn Löger anruft, oder du selbst? Ich ruf ihn gern an, bin nur nicht sicher ob das nützt?!“ Schmid intervenierte nun eigenständig beim Kurier – mit Erfolg. Und so wurde nunmehr berichtet, dass es drei Bewerber für den ÖBAG-Posten gebe. Und Schmid war damit durch die scheinbaren Mitbewerber vorerst aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wie die SMS belegen, brachte der Erfolg Schmid viel Lob von Ex-Ministersprecher Jim L. ein, der sich mittlerweile in der Corona-Test-Branche verdingt.

Blümel: „Devote Liebe kann auch nett sein“

Viel ist von Liebe unter den türkisen Männern die Rede. Nicht nur „liebt“ Schmid „seinen“ Bundeskanzler. Auch mit Gernot Blümel spricht Schmid über die Liebe. Dieser erklärt ihm, nachdem Schmid feststellt, dass er seine Vorstellungen zum Umbau des Bundesministeriengesetzes erfüllt habe: „Devote Liebe kann auch nett sein :-)“. Für Schmid sei diese jedoch laut seiner Antwort eine „Neue Erfahrung :-)“. Blümel darauf: „Ja lieber bei dir als beim Esterl und Schramböck 😬“ (Anm. Esterl ist mittlerweile Generalsekretär des von Ministerin Schramböck geführten Wirtschaftsministeriums).

Interessante Personalentscheidungen

Haarsträubend sind Lästereien, die sogar zu Grundlagen für Personalentscheidungen der türkisen und türkis-protegierten entsprechend der Kurznachrichten werden können. So weiß Schmid auch über die frühere Vize-Kabinettschefin im Finanzministerium, die mittlerweile in der Medienwelt Fuß fassen will, Eva Hieblinger-Schütz, wenig positives zu sagen: „Ich muss sie echt rauswerfen“, nachdem ihm eine vertraute Mitarbeiterin mitteilt: „Das sind alles Ratschen“. Dabei ist ihr Mann – wie ebenso aus dem Akt hervorgeht – ein Großspender der ÖVP. Letztlich fällt Schmid jedoch noch eine – wie aus den Nachrichten hervorgeht – bewährte Lösungsperspektive ein: „Ich werde mit Eva einmal saufen gehen.“ So rät Schmid besagter Mitarbeiterin auch dazu, mit einem Kollegen namens M. etwas trinken zu gehen, als sie mit diesem ein Problem hat: „Und mit M. gehst am Abend was trinken. Das ist ganz wichtig“

Blümel vertröstete Schmid nur einmal: „Bin morgen zu“

Schmid scheint Sebastian Kurz und Gernot Blümel gut in der Hand zu haben. Bis hin zum Aufsichtsrat der ÖBAG – der heute keinen Handlungsbedarf in Bezug auf Schmids Position sieht -konnte er seinen Werdegang über die mächtigen Männer offenbar gut steuern. Und auch Michael Spindelegger stand einmal bei und empfahl auf Zuruf Schmid beim damaligen Finanzminister Löger. 

Nur einmal musste Blümel seinen Intimus Thomas Schmid vertrösten. Schmid am 24. Juli 2018: „Hi Gernot, trotz Festspielen und vor Urlaub. Hast du 45 Minuten für mich und die ÖIAG Themen Zeit? Bin im Büro. Lg Thomas“. Blümel darauf: „Bitte nach dem Urlaub. Bin morgen zu und Donnerstag ab Mittag am Weg nach sbg.“ Doch auch dadurch ist die Liebe zwischen Gernot Blümel und Thomas Schmid nicht gebrochen. Am 21. August 2018 erklärt Blümel: „Hab dir heute deine öbib
gerettet“. Schmid darauf: „Du bist mein Held“ und „Mein Riesen Held!!!!“. Letztlich wurde Schmid im März 2019 vom Aufsichtsrat zum Alleinvorstand der früheren ÖBIB und nunmehrigen ÖBAG gewählt.