Den Maulkorb haben wir schon lange – jetzt kommt auch noch das Corona-Erziehungshalsband: Ein globaler Großkonzern verlangt von seinen Mitarbeitern, in Zukunft ein Gerät um den Hals zu tragen, das die Einhaltung der Abstandsregeln kontrolliert. Stehen Mitarbeiter zu eng beieinander, wird ein lauter Alarm ausgelöst. 

Der Alarmton soll 85 Dezibel erreichen – das entspricht in etwa der Lautstärke eines Rasenmähers. Er soll sofort erklingen, wenn der Träger sich einem Kollegen zu weit nähert.

Testlauf in Frankreich

Bei dem fraglichen Unternehmen handelt es sich um Essity, einen Hersteller von Hygieneprodukten. Bekannte Marken des Konzerns sind etwa Tork oder Tena. Essity hat seinen Hauptsitz in Stockholm, besitzt aber weltweit etliche Werke – auch in Deutschland und Österreich. Von der Halsband-Regel sollen zunächst rund 2.500 Mitarbeiter in Frankreich betroffen sein: als Testlauf. Danach könnte das Konzept auch andernorts in europäischen Essity-Werken eingeführt werden.

Massiver Protest

In Frankreich stellt man sich allerdings schon jetzt entschieden quer. Die Gewerkschaft „Confédération française démocratique du travail“ (CFDT) vergleicht das Gerät mit Antibell-Halsbändern für Hunde und kritisiert es als belastend und infantilisierend für die Mitarbeiter. 

Ein Sprecher von Essity wiegelte gegenüber der französischen Presseagentur ab, es handele sich lediglich um einen Testlauf und das Alarmsystem sei „zur eigenen Sicherheit“ der Mitarbeiter. Angeblich sollen die Geräte in der Kantine, den Toiletten und auf der Krankenstation gnädigerweise deaktiviert werden. Auch seien die Sensoren nicht personalisiert und würden die Mitarbeiter nicht lokalisieren, hob man hervor.

Dennoch: In den französischen Werken ist man nicht überzeugt. Der „Angriff auf die persönliche Freiheit“ wird nicht akzeptiert: Die Mitarbeiter selbst drohten bereits, dass die Halsbänder dasselbe Ende finden würden wie die Einweg-Hygieneprodukte, die Essity verkauft. Und auch Christine Duguet, Gewerkschaftsdelegierte der CFDT, warnte, die Bänder würden im Müll landen oder im Schrank verbleiben. Sie bezeichnete das Konzept als Unsinn.