In der südwestfranzösischen Gemeinde Angoulême gab sich kürzlich ein Afrikaner bei der Polizei als „unbegleiteter Minderjähriger“ von 16 Jahren aus. Damit hoffte er, vom raschen Aufnahmeverfahren für Minderjährige profitieren zu können. Kontrollen ergaben, dass er tatsächlich 47 Jahre alt ist. 

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

Spanische Behörden entlarven Alterslüge

Er präsentierte der Behörde ein Ersatzdokument für eine Geburtsurkunde, in der sein Geburtsjahr mit 2002, sein Geburtsland mit Guinea angegeben war. Weil die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen überall in Frankreich und speziell auch im zuständigen Distrikt akut anstieg, verschärfte die Polizei ihre Kontrollen und fragte bei den spanischen Behörden nach. Sie erfuhr, dass der Mann 2017 mit seinem Pass in Spanien ein Visum beantragte. Dort war sein Alter mit 47 Jahren angegeben. Über den Mann wurde ein Aufenthaltsverbot verhängt. Einige Tage davor kam es zu einem ähnlichen Fall: ein Mann aus Mali behauptete, 16 Jahre alt zu sein. Laut spanischen Behörden war er 21 Jahre.

Behörden wurde Zugriff auf Datenbank verwehrt

Französische Departments beklagen sich seit Jahren über den steigenden Aufwand, der durch die Zuwanderung unbegleiteter Minderjährige entstehe. Die falschen Altersangaben nehmen zu, um damit das Fremdenrecht zu umgehen. Zudem sind die Kosten für die Betreuung minderjähriger Migranten immens hoch. Die Pariser Zentralregierung hat die Behörden in den Departments mit diesem Problem alleingelassen. Sie hatten nicht einmal Zugang zum Zentralregister, in dem Migranten mit Fotos, persönlichen Details, Fingerprints und der Angabe „Großjährig“ registriert sind. Der zunehmende Druck aus der Peripherie zwang das Innenministerium nun, den Behörden dort Einsicht zu gewähren.

Chaotische Zustände

Die Zahl der in Frankreich zugewanderten unbegleiteten Minderjährigen stieg seit 2015 rasant an. 2018 waren es bereits 40.000 Personen. Kosten: 2 Milliarden Euro. Die Empfangszentren sind heillos überlastet. Erschwerend kommt dazu, dass die „Antragsteller“ von einem Ort zum anderen ziehen und gleich mehrere Anträge stellen, um ihre Chancen zu maximieren. Wer sie dabei berät und ihnen hilft, ist unklar.

UNO kritisiert verschärfte Kontrollen

Das UNO Kinderhilfswerk UNICEF kritisierte die neuen Maßnahme als „repressiv“. Der Schutz von Kindern sei nicht mit verschärfter Migrationskontrolle zu vereinbaren. Man lehne es ab, dass alleinstehende Minderjährige zuallererst als Migranten und nicht als gefährdete Kinder eingestuft werden, hieß es.