Bernard Rougier ist Professor für Orientalistik an der berühmten Sorbonne-Uni in Paris – und jetzt auch Autor eines Aufdeckerbuches, das Aufsehen erregt, weil es aufzeigt wie weit Islamisten bereits die Vorherrschaft über ganze Wohnviertel übernommen haben.

Denn auf über 350 Seiten zeigt der renommierte Wissenschaftler die Wege auf, mit welchen sich radikale Salafisten ganze Stadtviertel unter den Nagel reißen. Erschreckend ist dabei nicht nur das Ausmaß der Übernahmen – sondern auch, dass linke Parteien bei diesem Treiben aus eigenen Vorteielen auch noch mitmachen!

Abgeschottete Parallelwelt mit strengen Vorschriften

Für seine Recherche musste Rougier zu einem abenteuerlichen Kniff greifen – denn ‚Bio-Franzosen‘ wie ihm bleibt das Tor zu den Parallelgesellschaften zumeist verschlossen. Also schickte er Studenten mit arabischem Migrationshintergrund in soziale Brennpunktviertel, mit dem Auftrag, sich dort am sozialen Leben zu beteiligen. Sie nahmen am Freitagsgebet und an Koranlesungen teil, besuchten Cafés, Büchereien und Sportplätze.

Am Ende trugen sie einen reichen Schatz an Erfahrungen zusammen, welche den Schluss zulassen, dass sich in der Banlieue richtige Gegengesellschaften bilden. Rougier berichtet laut der FAZ von Imamen, welchen Eltern von öffentlichen Kindergärten abraten, damit die Kinder nicht „verdorben“ werden. Musik hören ist verboten, nacktes Duschen beim Sport ebenso und Männer und Frauen dürfen nicht Hände schütteln, letztere faktisch ohne Kopftuch das Haus nicht verlassen – die übliche Leier also.

Tabu aus Angst vor rechten Wahlsiegen

Es wäre aber nicht das gegenwärtige Frankreich, in dem sich alle sozialen Gegensätze zuspitzen, wenn die Sache nicht auch ein gewisses politisches „Geschmäckle“ hätten. Denn jahrelang galt es als Tabu über diese Themen zu sprechen. Zu groß war die Angst davor, die Thematisierung dieser Parallelwelten könnte dem rechten Front National (mittlerweile: Rassemblement National) einen Zuwachs an Stimmen bringen.

Linke Parteien paktieren offenbar mit Salafisten

Stattdessen gingen, wenn man Rougiers Schilderungen glauben darf, linke Parteien sogar einen unfassbaren Pakt ein. Am Beispiel der 80.000-Einwohner-Vorstadt Arbervilliers, in der eine Muslima mit algerischen Wurzeln als kommunistische Bürgermeisterin agiert, zeigt er auf, welche Verbindungen es zwischen linken Parteien und Salafisten-Vereinen gibt.

Es ist ein Handel zwischen Posten und Mitsprache auf der einen Seite und Wählerstimmen auf der anderen. Aber auch dieses Thema findet in der öffentlichen Diskussion nicht wirklich statt, wie Rougier betont: „Die französische Gesellschaft ist krank. Sie ist so zerrissen, dass wir uns nicht einmal auf die Diagnose verständigen können“.

Widerspruch innerhalb des Milieus kaum möglich

Dabei weist der Wissenschaftler nach, dass in den betroffenen Viertel ein Widerspruch kaum möglich ist. In den meisten Buchhandlungen überwiegt fundamentalistische Literatur, wer an der Positionierung von Muslimen als Opfer von Ungerechtigkeit zweifelt, dem wird Islamophobie unterstellt. Damit unterdrücken sie offenbar gezielt jede Form von Kritik an ihren Vorstellungen: „Es entsteht der Eindruck, dass es keine Alternative zur salafistischen Vision gibt“, so Rougier.

Die genannten Schilderungen decken sich mit einem Papier des französischen Inlandsgeheimdienstes DGSI, wonach es im ganzen Land bereits 150 No-Go-Zonen gäbe. Der Wochenblick berichtete bereits in der Vorwoche in der Printausgabe über dieses brisante Dokument – lernen Sie diese jetzt kennen und sichern Sie sich in unserem Webshop ein Test-Abo.