Nicht nur mit einem eigenen Weg beim ehemaligen Bezirksgefängnis erinnert man in der Stadt Braunau heute dauerhaft an die einstmals enge Verbindung der Gemeinde und des Bezirks mit der damaligen Gendarmerie, sondern auch mit einer durchaus interessanten Ausstellung in der Herzogsburg, die dort noch bis zu Kaiser Franz Josefs Geburtstag am 18. August zu sehen ist.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

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Zwischen 1808 und 1827 ging in der Braunauer Gegend ein Feuerteufel um: Vor allem in den Dörfern Geinberg und Mining brannte es plötzlich oft und aus unerklärlichen Gründen und es dauerte lange, bis der Verdacht auf die 49-jährige, verheiratete Magdalena Schönauer fiel, eine gebürtige Aspacherin.

Als man schließlich ihr Haus durchsuchte und dort Brandmaterialien wie Flachs und Hanf fand sowie mehrere in Pech und Schwefel getauchte Holzbündel, wurde sie verhaftet. Mit den Beweisen konfrontiert versuchte Schönauer zunächst die ihr zur Last gelegten Brandstiftungen abzustreiten, legte aber – als sie die Aussichtslosigkeit ihrer Lage erkannte – ein umfassendes Geständnis ab.

Sie gab zu, 34 Brände gelegt zu haben, um dabei ungestört stehlen zu können. Ihre erste Brandstiftung verübte Magdalena bereits als 30-Jährige am 13. Oktober 1808, indem sie die Stadl-Ecke eines Bauernhofs anzündete. Der Umstand, dass diese Tat unentdeckt blieb, hat die Frau zu weiteren Brandstiftungen ermutigt.

Vor Gericht wurde die Schönauerin ihrer Verbrechen für schuldig befunden und zum Tod durch Erhängen verurteilt. Am 19. August 1828 wurde die Täterin in Braunau am Galgen öffentlich hingerichtet und die erst seit dem Jahr 1805 existierende Braunauer Gendarmerie konnte eines ihrer ersten spektakulären Fälle zu den Akten legen.

Frühere Militärpolizei

Nachzulesen ist dieses Verbrechen nun in der gerade laufenden Ausstellung über die „Geschichte der Gendarmerie Braunau am Inn“ in der Herzogsburg, wo interessierte Besucher durchaus auch Neues über einen Sicherheitswachekörper erfahren können, der in Österreich seit nun schon 14 Jahren Geschichte ist.

Heute gibt es in Österreich und auch in der Bezirksstadt am Inn nur noch eine Bundespolizei. Doch bis zum Jahr 2005 existierte neben den Polizeien für die Städte nur die Gendarmerie, die für die restlichen Landesteile der Republik (davor Kaiserreich) zuständig war.

Dass die Anfänge der Gendarmerie in Braunau zu suchen sind, vermittelt diese Schau ebenso wie die Tatsache, dass die österreichische Gendarmerie eine übernommene Einrichtung aus den Franzosenkriegen war.

„Das war ursprünglich französische Militärpolizei“, erklärt mir der ehemalige Gendarmerie-Kontrollinspektor Hubert Esterbauer (62), mit dem ich die Ausstellung besuche. Sie sei 1609 als eine reine Bewachungstruppe für den französischen Thronfolger gegründet worden und hätte ausschließlich militärische Aufgaben gehabt.

Überall wurde gespart

Doch nach dem Einmarsch Kaiser Napoleons im Jahr 1805 in Österreich kam es auch hier zur Aufstellung einer österreichischen Gendarmentruppe. Die einfachen Soldaten dieser Truppe waren Österreicher, ihre Kommandeure Franzosen.

Bereits ab dem Jahr 1806 soll ein französischer Artillerieleutnant mit einer Mannschaft ständig in Braunau stationiert gewesen sein. In Wien residierte als höchster Vorgesetzter der „Escadrons-Chef“ und zwischengeschaltet in Linz ein „Capitän“ der Gendarmerie.

Nach den revolutionären Ereignissen der Jahre 1848/1849 wurde dieses funktionierende französische Gendarmerie-System auch von Kaiser Franz Josef übernommen. Damit war die Gendarmerie ab 1880 ein Bestandteil des k.u.k. Heeres, aber mit der Aufgabe, die öffentliche Ordnung und Sicherheit im Kaiserreich aufrechtzuerhalten, was schon damals keine ganz leichte Aufgabe war, weil es ständig an Budgetmitteln mangelte und daran hat sich auch bis in die letzten heutigen Tage der Gendarmerie nichts geändert.

Hubert Esterbauer kann ein Lied davon singen. „Es wurde überall gespart“, sinniert der Ex-Kontrollinspektor bei unserem Museumsbesuch. Der pensionierte Gendarm, der viele Jahre lang am Gendarmerie-Posten Braunau Dienst verrichtet hatte, weiß, wovon er spricht.

„Wir haben nur Dienstfahrzeuge ohne Radios und ohne Spiegel in den Sonnenblenden bekommen, weil diese im Ankauf weniger gekostet haben“, erinnert er sich. Auf die Spiegel habe man zwar leicht verzichten können, auf die Radios aber wegen der Informationen schon weniger.

So habe man eben die privaten Kofferradios in die Dienstwagen mitgenommen. Auch beim Papier, auf denen die Anzeigen geschrieben wurden, ist gespart worden. „So durfte dafür das teure, weiße Papier nicht verwendet werden“, berichtet Esterbauer und auch der Sprit für die Autos war vielfach kontingentiert.

Ein Weg zur Erinnerung

„Manche Posten haben pro Monat nur 50 Liter bekommen.“ Trotzdem hätte jeder sein Bestes gegeben. Das dürfte schon 1850 so gewesen sein, als Kaiser Franz Josef mit der Bezirkshauptmannschaft einen der ersten Gendarmerieposten seines Reiches in Braunau einrichten ließ.

Dort waren zunächst nur 20 Mann stationiert, die für die Überwachung eines 6.719 Hektar großen Gebiets mit den Gemeinden Braunau, St. Peter und Mining für insgesamt 8.468 Einwohner zuständig waren.

Zehn Mann dieses Postens absolvierten ihren Dienst hoch zu Ross, der Rest ging zu Fuß. Elf Mal wurde dieser Braunauer Posten in seiner Geschichte übersiedelt, zuletzt residierte er an der Adresse der heutigen Braunauer Polizeiinspektion, Laber Holzweg 50.

Neben der Ausstellung erinnert seit einiger Zeit auch ein Gendarmerieweg im Stadtgebiet an die enge Verbindung zwischen dem einstigen Sicherheitswachekörper in seinen blaugrauen Uniformen und der Stadt Braunau, für dessen Benennung sich der frühere Gendarm und nunmehrige Verkehrsstadtrat Hubert Esterbauer eingesetzt hat: „Ich habe auch lange dafür gekämpft.“