Wie kein zweiter Ort in Oberösterreich besticht die „K. K. landesfürstliche Stadt Freystadt“ durch ihre nahezu vollständig erhaltene Altstadt, die das Mittelalter wieder lebendig werden lässt. Bei einem Rundgang kann der Besucher viele reizvolle Sehenswürdigkeiten entdecken.

Ein Gastbeitrag von Dr. Siegfried Pichl

Die Gründung Freistadts geht ins 13. Jahrhundert zurück, als die Babenberger am wichtigen Handelsweg nach Böhmen – dem sogenannten Goldenen Steig – eine befestigte Siedlung errichteten.

Wuchtiger vierkantiger Wehrturm

Als Umschlagplatz für Hallstätter Salz und für Eisenwaren kam der Stadt große Bedeutung zu, und durch die von den Babenbergern verliehenen Handelsprivilegien stieg sie rasch zu einer blühenden und reichen Kommune auf. Der noch heute fast zur Gänze erhaltene Befestigungsring um die Altstadt mit Stadtgraben, Wehrmauer und Türmen entstand im 14. Jahrhundert.

Besondere Erwähnung verdient das Linzer Tor, durch das man die Altstadt vom Süden kommend betritt. Es schmückt neben der oben erwähnten Inschrift und dem Habsburgischen Doppeladler auch ein Bildnis der Stadtpatronin, der Heiligen Katharina. Als Pendant dazu befindet sich an der nördlichen Stadtseite das Böhmertor in Gestalt eines wuchtigen vierkantigen Wehrturmes.

Babenberger Gründung

Das Zentrum Freistadts wird von dem großzügig angelegten Marktplatz gebildet, in dessen Mitte sich ein Brunnen mit barocker Mariensäule befindet. Der Platz beeindruckt mit seinen historischen Bürgerhäusern, die zum großen Teil noch in die Zeit der Gotik datieren.

Charakteristisch dafür sind die auf Bögen über Kragsteinen errichteten vorspringenden Obergeschoße. Die Fassaden wurden in den nachfolgenden Jahrhunderten nach dem jeweiligen Geschmack der Zeit erneuert, so finden wir hier Renaissance, Barock und Klassizismus vertreten. Auf der Südseite des Platzes lenkt die der Heiligen Katharina gewidmete Stadtpfarrkirche die Blicke auf sich.

Die Katharinenkirche

Sie wurde bereits im 13. Jahrhundert, also zur Zeit der Stadtgründung, als frühgotische Basilika errichtet und erfuhr im 15. Jahrhundert Erweiterungen und Veränderungen. Wie auch an dem 67 Meter hohen Turm mit seiner Welschen Haube erkennbar, wurde die Kirche im 17. Jahrhundert barockisiert. Dass der Kirchenraum selbst heute wieder sein gotisches Erscheinungsbild aufweist, ist einer Restaurierung und Wiederherstellung in den 1960er-Jahren zu verdanken.

Ein weiterer bedeutender Sakralbau befindet sich gegenüber dem Böhmertor, bereits außerhalb der Stadtmauer: die gotische Liebfrauenkirche. 1345 erstmals als Spitalskirche erwähnt, stammt der heutige Bau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Im Gegensatz zur Katharinenkirche blieb die Liebfrauenkirche über die Jahrhunderte weitgehend unverändert und bietet somit ein schönes Beispiel für einen gotischen Kirchenbau.

Mächtiger Schlossturm

Besonders zu erwähnen sind ein noch erhaltenes gotisches Marienfenster im Chor, sowie die schöne gotische Lichtsäule, die ursprünglich als Friedhofsleuchte diente, seit dem 19. Jahrhundert aber im Chor der Kirche aufgestellt ist. Ältester Kirchenbau der Stadt ist die im Süden außerhalb der Altstadt gelegene Johanneskirche. Sie stammt noch aus dem 12. Jahrhundert, ist aber leider für Besucher nicht zugänglich.

Die Silhouette Freistadts wird neben dem Turm der Katharinenkirche auch von dem mächtigen Bergfried des Schlosses an der nordöstlichen Ecke des Stadtplatzes dominiert. Der neunstöckige Turm stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er beherbergt heute gemeinsam mit dem Südtrakt des im Kern mittelalterlichen Schlosses das sehenswerte Mühlviertler Heimatmuseum, das seit vielen Jahren vom Kustos Fritz Fellner vorbildlich betreut wird.

Tipp: Heimatmuseum

Das Museum besitzt über 20.000 vorwiegend volkskundliche Exponate und Objekte aus der Stadtgeschichte, sowie eine einzigartige Sammlung von Hinterglasbildern. Vom Türmerstübchen gelangt man auf den Umgang des Schlossturmes, von wo man einen herrlichen Ausblick über die Altstadt genießen kann.

Für Liebhaber des Gerstensaftes sei zuletzt noch die Freistädter Brauerei genannt – bis heute ist jeder Freistädter Bürger, der ein Haus innerhalb der alten Stadtmauern besitzt, Miteigner an Oberösterreichs ältester Kommunalbrauerei. Im schönen Gastgarten der Brauerei kann sich jeder Besucher selbst von der Qualität der Freistädter Brauerzeugnisse überzeugen lassen.