Illegale Migranten werden jetzt vor allem über Spanien in die EU geschleppt. Insbesondere aus Marokko und Algerien. Laut EU-Grenzschutzagentur hat sich die Zahl dieser „Einwanderer“ im Vorjahr mehr als verdoppelt.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

Denn die Routen nach Griechenland und Italien wurden infolge des EU-Türkei-Deals und des EU-Libyen-Abkommens für Schlepper komplizierter und daher weniger lukrativ.

Spanien: EU muss Meeresgrenzen besser absichern

Wie die EU-Grenzschutzagentur Frontex berichtete, machten sich im Vorjahr fast 23.000 Illegale auf den Weg zur iberischen Halbinsel. 2016 waren es lediglich 8.000. Rund 40 Prozent stammen aus Algerien und Marokko, der Rest aus westafrikanischen Staaten. Die nordafrikanischen Staaten gelten zwar als enge europäische Verbündete – der Westen rüstete sogar Armee, Grenzschutz und Küstenwache dieser Länder auf.

In beiden Ländern grassieren aber Willkür und Korruption, dies macht sich auch bei der Grenzsicherung bemerkbar. Zudem setzen Schlepper jetzt große Boote ein, mit denen man weitaus mehr Migranten transportieren kann.

Spanien ruft um Hilfe

Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy appellierte an die EU, sein Land nicht mit dieser Herausforderung alleine zu lassen. Die Absicherung der Meeresgrenzen benötige eine Verbesserung. „Unsere fundamentale Rolle beim Grenzschutz muss von der EU anerkannt werden“, sagte Rajoy auf dem Gipfel der südlichen EU-Länder in Rom.

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Italien: Immer noch Rekordzahl

In Italien ging die Zahl der Illegalen im Vorjahr zwar um 62.000 Personen auf 119.000 zurück. Das ist aber trotzdem noch eine Rekordzahl. 15 Prozent kamen aus Nigeria gefolgt von Guinea und der Elfenbeinküste Der Rückgang dürfte an der EU-Kooperation mit Libyen liegen. Für die Schlepper ist es jetzt viel komplizierter, Illegale von dort über das Mittelmeer zu bringen.

In Griechenland dürfte der EU-Türkei-Deal endlich greifen: Im Vorjahr wurden fast 42.000 Illegale auf dem See- und Landweg aufgegriffen. 2016 lag diese Zahl bei rund 170.000. Hier sind es vor allem Syrer und Iraker, die über Griechenland in die EU wollen. In Summe stellte Frontex mehr als 200.000 versuchte Grenzübertritte in die EU fest.