Barbara Seidl aus Bad Ischl war eigentlich immer eine fröhliche und lebensbejahende Frau. Nunmehr aber befürchtet sie, an der Zeit und an den derzeitigen Lebensumständen zu verzweifeln. Aufrecht erhält sie nur ein spezielles Projekt, für dessen Realisierung sie schon seit Jahren kämpft.

Von Kurt Guggenbichler

Nie sei die Verwirklichung ihres Vorhabens, das schon seit Jahren in ihrer Vorstellung existiert, dringlicher gewesen als heute. In diesen unsicheren Zeiten wäre ein engeres Zusammenrücken der Menschen notwendiger denn je, findet Barbara.
Unter Zusammenrücken versteht die 76-Jährige einen Zusammenschluss von gleichgesinnten Männern und Frauen, die sich in einem aussterbenden Dorf zusammenfinden und dieses nicht nur wiederbeleben und am Leben erhalten, sondern dort auch als Selbstversorger nach ihrer eigenen Fasson selig werden.
Solle nur niemand sagen, dass sie zu alt dafür sei. Unlängst erst wäre im Fernsehen ein Bericht von einer 96-jährigen Frau aus Bad Ischl zu sehen gewesen, die als eine schon seit Jahrzehnten passionierte Bergsteigerin noch immer die Gipfel erstürmt.
Auch Barbara Seidls Vorhaben gleicht einem Gipfelsturm, für den sie nicht nur nach Gleichgesinnten Ausschau hält, sondern auch nach einem geeigneten Dorf, das „bevölkert“ werden könnte.

Echte Werte zählen

Der Ort Lauffen bei Bad Ischl könnte der naturverbundenen Frau als Lebensraum für ihre Dorfgemeinschaftsgruppe schon gefallen, wie sie ihr Projekt überhaupt gern im Salzkammergut realisieren würde. Doch viel Hoffnung, dass es hier auch wirklich klappen könnte, hat sie nicht. Hier sei alles viel teurer als beispielsweise im Waldviertel, wo es vereinzelt schon autarke Hof- und Lebensgemeinschaften gibt. Eine Hofgemeinschaft wäre ein Anfang für ihr Dorfvorhaben. Sie könnte sich vorstellen, dass sie Zulauf durch die vielen Corona-Arbeitslose bekäme, mit denen sie gemeinsam ihren Traum vom eigenen Dorf verwirklichen könnte. „Wir könnten dort ein freies, gesundes und harmonisches Leben in Eigenverantwortung führen“, schwärmt die 76-Jährige. „Es könnte dort auch eine Art kleiner, sanfter Tourismus betrieben werden.“

In der Gemeinschaft leben

Barbara Seidl ist nicht nur Vegetarierin, sie hat auch ihren Internetverkehr, welchen sie braucht, um damit den Kontakt zur Außenwelt zu halten, auf das Allernötigste beschränkt. „Ich brauche nicht viel, um glücklich und zufrieden zu sein“, sagt sie und verweist darauf, dass sie gern liest.
In Steyr, betont Barbara, die in ihrem Leben viel herumgekommen ist, sei sie viele Jahre als sogenannte Lese-Oma in den Volksschulen tätig gewesen. Dies würde sie auch in einer künftigen Dorfgemeinschaft gern wieder tun, auch gemeinsame Tanz- und Musikabende schweben ihr vor. Die Rückbesinnung auf die wahren und echten Werte des Lebens sind Barbara wichtig.

Ein heimatliches Umfeld

Auch das Handwerk sollte wieder mehr Bedeutung bekommen und den biologischen Anbau von Obst und Gemüse würde man in der Dorfgemeinschaft ihrer Vorstellung nach ebenfalls pflegen. „Als in Linz die ersten Bioläden aufgekommen sind, war ich dort eine der ersten Verkäuferinnen“, erzählt Seidl.
Auch um die Kinder und die alten Menschen würde man sich in ihrer Dorfgemeinschaft verstärkt annehmen, weil es um das Wohl aller ginge. Barbara ist davon überzeugt, dass viele Menschen heute wieder verstärkt „Sicherheit und Geborgenheit in einem heimatlichen Umfeld suchen“, dennoch seien diese Leute schwer zu finden. Die Suche verliefe schon zäh, gibt Barbara zu und manchmal sei sie schon sehr am Verzweifeln. Dennoch übt sie sich in Zweckoptimismus: Solange sie lebe, werde sie für ihr Projekt auch kämpfen!

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