Ich interessiere mich nicht für die angebliche Reue, die der mutmaßliche IS-Terrorist Azad G. nun, da er von kurdischen Kämpfern in Syrien in Gefangenschaft genommen wurde, zeigen will. Irgendwann zwischen 2012 und 2013 sei er durch „falsche Versprechungen“ von einem islamischen Verein in Wien mit dem IS in Kontakt gekommen und „verführt“ worden.

Ein Kommentar von René Rabeder

Im bunten Wien radikalisiert

Das interessiert mich allerdings schon. In der lebenswertesten Stadt der Welt, dem rot-grün bunten Wien ist es also möglich, sich so zu radikalisieren, dass man lieber in den Dschihad ziehen, Menschen in Käfigen ertränken oder ihre Köpfe aufspießen möchte, als einmal noch von einem Lastenfahrrad auf der Mariahilfer Straße fast über den Haufen gefahren zu werden? Oder waren es die bis Ende 2019 erwarteten sieben Milliarden Euro Schulden der Stadt, die den „Österreicher mit türkischen Wurzeln“ in die Wüste trieben? Die medizinische Versorgung auf Kosten der Steuerzahler in unseren Krankenhäusern war es offenbar nicht. Die wusste der Fanatiker so sehr zu schätzen, dass er eine im Krieg gegen die Ungläubigen zugezogene Schusswunde offenbar kurzerhand in einem Wiener Krankenhaus behandeln ließ. Natürlich fiel der bärtige „Österreicher“ mit der Kriegsverletzung dort ein bisschen auf. Doch für eine Anklage fehlten die Beweise.

Noch 100 IS-Kämpfer im Orient

Also durfte er sich hier gut erholen und vielleicht an der alten Donau auch einfach mal die Seele baumeln lassen, bevor er sich wieder ins Kalifat aufmachte, um dort mutmaßlich für Allah zu töten. Ob er in Wien auch noch Mindestsicherung bezogen hat, ist derzeit noch nicht bestätigt. Wundern würde es aber wohl kaum noch jemanden. An die 100 IS-Kämpfer aus Österreich dürften sich laut Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung derzeit noch in Syrien und dem Irak befinden. Für keinen dieser 100 Beweise dafür, dass in Österreich geboren zu sein nicht automatisch heißt, auch Österreicher zu sein, sollte hier jemals wieder Platz sein.

Reisepass soll entzogen werden

Die Ankündigung, dem türkisch-österreichischen Doppelstaatsbürger Azad G. den rot-weiß-roten Reisepass zu entziehen ist zumindest ein richtiger Schritt auf dem langen Marsch, der da noch vor uns liegt.