Gab es dank Vermittlung des Politiker-Sohnes einen 40-Millionen-Auftrag für einen Mönchengladbacher Textilhersteller? Vieles deutet darauf hin. Ausgeplaudert hat den Deal ausgerechnet der Unternehmer selbst. Jetzt gerät Ministerpräsident Armin Laschet politisch massiv unter Druck.

Im Wettstreit mit Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus Söder liefert sich der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet (CDU), seit Beginn der Corona-Krise ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen um die richtigen Maßnahmen: Beide versuchen sich als selbstlose Krisenmanager zu profilieren – und beide gelten als aussichtsreiche Nachfolger Angela Merkels im Kanzleramt. Doch jetzt kriegt Laschets Saubermann-Image empfindliche Kratzer.

Sohn war Türöffner

Sein Sohn Johannes „Joe“ Laschet (31), laut Selbstbeschreibung „Influencer und Model“, fungierte anscheinend als „Türöffner“ für seinen Freund und Geschäftspartner Christian von Daniels, Inhaber des Mönchengladbacher Modeunternehmens „van Laack“. Joe Laschet hatte für Internet-Werbekampagnen des Unternehmens gemodelt. Wie von Daniels jetzt gegenüber Lokaljournalisten selbst freimütig bekannte, habe er seinen Kumpel Joe in der Anfangsphase der Pandemie gefragt, ob dieser seinem Vater vielleicht seine Telefonnummer weitergeben könne: Er könne dem Land bei der Beschaffung von Masken „behilflich sein.“

Treffen in der Staatskanzlei

Gesagt, getan: Wenig später hätte, so „Bild“, der Ministerpräsident persönlich bei ihm angerufen („an einem Sonntagabend, es lief im Fernsehen gerade ein James-Bond-Film“), und ihm mitgeteilt, er sei „hochwillkommen“. Wenig später traf man sich in der Staatskanzlei. Bald schon konnte sich van Laack über einen 38,5-Millionen-Auftrag freuen. Gänzlich ohne Ausschreibung, Bewerbung oder Vorprüfung, rein „freihändig“ vergeben, versteht sich (so wie man dies bereits von den skandalösen Masken-Massenbestellungen Gesundheitsministers Jens Spahns im Frühjahr kannte).

Verdoppelung des Jahresumsatzes

Für van Laack war der selbstlose Kontakt des „Netzwerkers“ Joe zum (Landes-)Vater jedenfalls wie ein Sechser im Lotto: Durch den Einstieg ins Masken-Geschäft verdoppelte das Textilunternehmen seinen Jahresumsatz. Die Firma stellte inzwischen ihre gesamte Produktion auf die Herstellung von medizinischer Ausrüstung um, vor allem von Kitteln und Masken. Das Land NRW ist inzwischen Hauptabnehmer. Alleine die Polizei nahm kürzlich 1,25 Millionen Alltagsmasken ab, das Gesundheitsministerium mehrere Millionen OP-Kittel.

Aufklärung gefordert

Nicht nur bei der Opposition im Düsseldorfer Landtag, auch außerhalb der Politik regt sich jetzt Unmut. Verständlich: Während überall in Deutschland die Firmen reihenweise pleite gehen, Millionen Existenzen auf dem Spiel stehen, die Staatsverschuldung explodiert und die Wirtschaft auf Grundlage diffuser PCR-Tests per Lockdown abgewürgt wird, da werfen Politiker mit Steuergeldern um sich und genießen anscheinend Narrenfreiheit. Die NRW-SPD fordert von Laschet jetzt eine „lückenlose Aufklärung“ der Vorwürfe. Man darf gespannt sein, ob und wie ihm diese gelingen wird. (DM)