Auf Facebook gibt es eine Seite namens @BlickWechsel, die sachlich und mit großem Feingefühl seit langen Monaten alle Aspekte der Corona-Krise beschreibt und begleitet. Wir haben die Autorin gefragt, ob wir diesen berührenden Text als Gastbeitrag übernehmen dürfen:

Von @BlickWechsel

„Es ist doch nur Abstand halten und Maske tragen!“

Gesunde Menschen mit negativem Testergebnis sitzen als Kontaktperson 1 für 10 Tage in Quarantäne. Sie dürfen die Wohnung nicht verlassen. Darunter auch zwei-, drei- und vierjährige Kinder, die kein Zeitgefühl haben und deren verzweifelte Mütter, die sie alle 3 bis 4 Stunden von der Türklinke wegholen müssen, weil die Kinder hinaus gehen wollen. Die Kinder weinen, viele Eltern sind am Ende ihrer Kräfte. Ihre Kinder wollen auf den Spielplatz oder einfach nur spazieren gehen. Sie können ihren Kindern nicht erklären, warum die eigene Wohnung für 10 Tage nun zum Gefängnis wird. Eine Mutter erzählt unter Tränen, dass ihr Kind jeden Tag in der Früh nach dem Anziehen in die Schuhe schlüpft und sich mit der Kindergartentasche zur Türe stellt. Sie will in den Kindergarten. Die Türe bleibt verschlossen. Das Kind weint. Sie sagte: ich weine mit. Ich kann nicht mehr.

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Gesunde Menschen, symptomlos aber auf SarsCov2 positiv getestet, sitzen für 10 Tage in Quarantäne. Sie dürfen ihre Wohnung nicht verlassen. Wenn sie selbstständig sind und keine Mitarbeiter haben, müssen sie ihre Geschäfte schließen. Wenn sie selbstständig sind und Mitarbeiter haben, müssen kleine Geschäfte trotzdem schließen, weil die Mitarbeiter als Kontaktperson 1 (auch mit negativen Test) in Quarantäne gehen müssen. Die Kontrollen durch das Gesundheitsamt fürchten sie. Die Angst vor Stigmatisierung ist groß. Die Kontrollen kommen. Die Stigmatisierung ebenso. Der positiv getestete und sich in Quarantäne befindliche Besitzer eines Gemüseladens in Wien erzählt, dass sein Nachbar ihn auf das „Wochenendbier“ abholen wollte. Er musste wohl oder übel mit der Wahrheit ‚herausrücken‘. In der Siedlung verbreitete sich diese Meldung in weniger als ein paar Stunden wie ein Lauffeuer. Nach 10 Tagen verlässt er das erste Mal wieder seine Wohnung. Er wurde zwei Mal kontrolliert. Von Männern in ‚Raumanzügen‘, wie er schildert. Die Menschen in seinem Haus machen nun einen großen Bogen um ihn. Auch der Nachbar. Sein Geschäft, dass in der Nähe seines Wohnortes liegt, sperrt er wieder auf. Er hat Umsatzeinbußen von 70%.

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Ein neunjähriges Mädchen wird mit einer akuten Blinddarmentzündung ins Spital eingeliefert. Sie wird auf SarsCov2 positiv getestet. Sie kommt auf die Covid19 Isolierstation. Ihre Mutter sagt, sie liege im Spitalsbett und zittere vor Angst. Angst davor, dass sie jetzt sterben muss. Sie hat in der Schule gelernt, dass das Virus töten kann.

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Ach ja … und bitte nicht vergessen, es ist ja nur Abstand halten und Maske tragen.