Der Hype um den angeblich vom Menschen verursachten Klimawandel hat einige Frauen dazu veranlasst, keine Kinder haben zu wollen. Das Argument dieser „BirthStrikers“ ist, dass ein Kind um vieles mehr CO2 verursacht, als man durch sonstigen Konsumverzicht einsparen könnte. Verquickt wird dieses Motiv mit dem einer vermeintlichen Überbevölkerung.

Von Christoph Uhlmann

Seit den 1970er-Jahren wurde Kinderlosigkeit als eine Form der Befreiung und Emanzipation der modernen Frau verstanden. Bessere Bildung brachte viele Frauen in die Arbeitswelt. Die Konsequenzen waren ein eigenes Einkommen, stärkere Einbeziehung in die Familienplanung und durchschnittlich weniger Kinder, wie es in den „westlichen Ländern“ anhand der rückläufigen Geburtenraten durchgehend zu beobachten ist. Seit die Klimakrise ausgerufen wurde, hat sich die Argumentation dahingehend verschoben, dass die Bevölkerungsexplosion gestoppt werden müsse, um die „Klimaveränderung“ in Zaum zu halten. Es gäbe zu viele Menschen auf unserem blauen Planeten. Weniger Menschen, weniger CO2, so die Logik. „Es ist Bildung oder genauer gesagt Bildung für Mädchen […], die deutlich wahrscheinlicher Emissionen reduziert als ein Wechsel zu erneuerbaren Energien“, wird Homi Kharas, ein ehemaliger Ökonom der Weltbank, im GEO dazu zitiert.

Völlig irrationaler BirthStrike

Diese Einstellung hat sich zu einer breiteren Bewegung gegen das Kinderkriegen wegen des Klimas entwickelt, die zunehmend als fortschrittlich und im besten Interesse der Menschheit angesehen wird. Radikale Strömungen wie BirthStrike (Geburten-Streik) greifen dies auf. „Wir haben zu viel Angst, Kinder zu bekommen, weil wir das Gefühl haben, dass wir auf den Zusammenbruch der Zivilisation zusteuern“, erklärte Blythe Pepino auf dem US-Nachrichtensender Fox News. Die Sängerin und Liedermacherin ist die Gründerin der Bewegung BirthStrike. Sie erklärte, dass die Menschheit vor zwei Optionen stünde: Entweder wir schließen uns kollektiv zusammen, um zu handeln oder wir sterben aus. Die Panik vor dem ökologischen Armageddon brachte Blythe dazu, 2018 BirthStrike zu gründen, eine Organisation, die sich aufgrund der vermeintlichen Klimakrise dafür ausspricht, keine Kinder in die Welt zu setzen. „Jeder Tag ist für mich ein Kampf“, betonte Sprecherin Alice Brown gegenüber BBC News. „Ich bin so deprimiert und fühle mich so hoffnungslos.“ Brown beschrieb ihre Klimaangst als eine Angst, die sie noch nie zuvor verspürt hatte: Sie hat die Befürchtung, dass „der Zusammenbruch der Zivilisation daraus resultieren könnte.“ Im deutschsprachigen Raum ist die Soziologien Verena Brunschweiger mit ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ als Protagonistin dieser Geisteshaltung anzusehen.

Propaganda für Kinderlosigkeit

Sie beruft sich auf eine kanadische Studie, wonach ein Kind den Ausstoß von über 58 Tonnen CO2 verursachen würde. Die Entscheidung, mehr als ein Kind zu bekommen, sei rein egoistisch. In einem Interview mit dem Focus meinte sie, es sei wieder „en vogue“ sich fortzupflanzen. „Man bedenke, dass es den Eltern selten wirklich um die Kinder geht, sondern schlicht und ergreifend um mehr Geld“, führte sie aus. Sie sieht ihr Buch als „Kampf für ein längeres Existieren dieser Erde, samt der Tiere, Pflanzen und Menschen, die sich schon darauf befinden“. Sie betont, es sei das „nobelste Engagement“, das sie sich denken könne. Um diese Ideologie unter die Menschen zu bringen, wurden bereits Fernsehserien eingesetzt und auch ihre Wirkung untersucht, wie aus einer Studie des American Economic Journal hervorgeht: In Brasilien hatte der Fernsehproduzent „Globo“ ein Familienideal mit 0 bis 1 Kindern anstelle der durchschnittlichen 4,4 Kinder pro Frau propagiert. In denjenigen Regionen, in denen Globo seine Telenovelas ausstrahlte, sank die Geburtenrate. Für die westliche Welt kann wohl die US-Serie „Sex and the City“ als Pendant herangezogen werden. Auch diese propagierte den kinderlosen Single-Lebensstil als allein selig machend und gehörte zu den beliebtesten TV-Serien.

Keine Kinder wegen Emission

Ein Bericht aus dem Jahr 2020 von Founders Pledge, einem Zusammenschluss von Unternehmern, die Lösungen für die dringendsten Probleme der Welt finden wollen, zeigt das Problem bei den meisten Studien über die Auswirkungen verschiedener Lebensstilentscheidungen auf. Fortschritte in sauberer Technologie und grüner Energie würden vernachlässigt. Diese verringern jedoch den CO2-Ausstoß, den unsere Nachkommen verursachen könnten. Die Emissionen pro Person in den meisten reichen Ländern sind schon jetzt tendenziell rückläufig. Selbst in den USA sind die Pro-Kopf-Emissionen seit 2005 im Sinken. Zusätzlich haben viele Länder inzwischen zwar heftig umstrittene, aber rechtlich verbindliche Klimaziele und CO2-Bepreisung eingeführt, die dazu führen werden, dass die Emissionen in den nächsten Jahrzehnten zusätzlich reduziert werden.

Argumentation hinkt gewaltig

Die Forscher von Founders Pledge erklären hierzu: „In einem System mit einer festen, verbindlichen Emissionsobergrenze würde ein Kind, das umweltschädlichen Strom verbraucht, die Nachfrage nach Emissionszertifikaten erhöhen, was aber zwangsläufig zu Emissionsreduktionen an anderer Stelle führen würde, sodass die Gesamtemissionen unberührt blieben. In der Fachliteratur wird dies als ‚Wasserbetteffekt‘ bezeichnet: Wenn man die Emissionen an einem Ort senkt, steigen sie an anderer Stelle wieder an und umgekehrt.“ Also selbst dann, wenn man den menschengemachten Klimawandel als gegeben annimmt, hinkt die Argumentation der BirthStriker gewaltig.

Das könnte Sie auch interessieren: