Obwohl die Index-Affäre, wie der „Handel“ mit Diplomen an der Juristischen Fakultät in Kragujevac aus dem Jahr 2007 genannt wurde, noch immer keine gerichtliche Aufarbeitung erhalten hat, ist in diesen Tagen bereits eine neue Affäre ans Licht gekommen.

Von Milan Timotic

Auch diesmal stand die Universität Kragujevac (Serbien) im Rampenlicht der Öffentlichkeit, weil die Fakultät für Medizinische Wissenschaften in Kooperation mit dem nicht akkreditierten European Center for Peace and Development (ECPD) im Zeitraum von 2014 bis 2016 rund 61 Diplome an Personen aus der ehemaligen Volksrepublik Jugoslawien ausstellte, die nicht legal erworben worden waren. Zwar hat die Medizinische Fakultät im März diesen Jahres bereits 22 gefälschte bzw. unrechtmäßig erworbene Diplome annulliert, 23 weitere werden noch überprüft, dennoch ist die Frage der Korruption im serbischen Bildungswesen und auch die Frage nach der Verantwortung für die Missstände nach wie vor offen. Denn für Krankenschwestern aus Kroatien dienten die gefälschten Diplome höchstwahrscheinlich als „Ticket“ für Jobs in westeuropäischen Ländern, hauptsächlich Österreich und Deutschland.

In ein Wespennest gestochen

Die Affäre um 61 gefälschte Diplome, davon 45 auf den Namen kroatischer Staatsbürger, 14 auf Kosovo-Albaner und eine Doktorarbeit auf BiH- und Kosovo-Bürger, wurde von der aktuellen Universitätsleitung aufgedeckt, nachdem „verdächtige Doktorarbeiten“ aufgefunden worden waren.
Die Polizei und die Abteilung für Korruptionsbekämpfung der Oberstaatsanwaltschaft Kraljevo ermitteln seitdem intensiv in der Causa um gefälschte Diplome an der Universität Kragujevac und sind laut serbischen Medien einem „Wespennest“ in Kragujevac auf der Spur. Aber nicht nur das Thema eines Fehlverhaltens seitens der Universitätsangestellten muss natürlich von der Ethikkommission behandelt werden, sondern auch die Tatsache, dass Behandlungen durch Personen mit gefälschten Diplomen ein großes Risiko für die Patienten birgt und schwerwiegende Folgen für deren Gesundheit haben kann.

Skandal reicht bis Kroatien

Die bisherige Untersuchung hat ergeben, dass 22 Personen, denen gefälschte Diplome ausgestellt wurden, zuvor Teilnehmer des Studienprogramms für Krankenschwestern in Pula (Republik Kroatien) waren, das von der Universität Zenica (BiH-Föderation) und dem Europäischen Zentrum für Frieden und Entwicklung (European Center for Peace and Development – ECPD) veranstaltet wurde. Das Bildungsprogramm wurde schließlich von Kroatien untersagt. Anscheinend wurden illegale kroatische Studenten nach diesem Verbot illegal an der Medizinischen Fakultät in Kragujevac eingeschrieben, wo sie das dritte und vierte Jahr der beruflichen Grundausbildung „erfolgreich“ absolvierten, obwohl sie nach gesicherten Fakten nie nach Kragujevac kamen. Zudem durften nach den geltenden Vorschriften ausländische Staatsbürger an keiner Fakultät in Serbien eingeschrieben werden, schon gar nicht an der staatlichen.

Das Geschäft mit dem Titel

Unter öffentlichem Druck betonte der derzeitige Rektor der Universität Kragujevac, Nenad Filipovic, dass Krankenschwestern aus Kroatien, nachdem die Arbeit der Fakultät von Zenica und dem Europäischen Zentrum für Frieden und Entwicklung verboten worden war, an der Fakultät für medizinische Wissenschaften in Kragujevac immatrikuliert wurden, ohne Nostrifizierung bestandener Prüfungen. Ebenso gibt es keine Nachweise oder Rechnungen, die belegen würden, dass sie Studiengebühren an die serbische Fakultät bezahlt haben.
Es wird daher vermutet, dass ausländischen Studenten Diplome der Universität Kragujevac zu einem Preis von 2.000 bis 10.000 Euro ausgestellt wurden. Die Organisatoren des Betrugs kassierten das Geld und sorgten für die Ausstellung der „gefälschten“ Diplome. Den niedrigsten Preis zahlten Personen, die zuvor einige Prüfungen bestanden hatten und nur noch eine „Abschlussarbeit“ schreiben mussten. Tausende Euro mussten von Leuten bezahlt werden, die nicht an der „Defensio“ teilnehmen oder Lehrveranstaltungen besuchen wollten. Zudem wurde der Name des Käufers des Diploms regelmäßig in die Anwesenheitslisten von Vorlesungen, Übungen, Wissenstests und anderen studentischen Verpflichtungen eingetragen, um den Eindruck einer regelmäßigen Anwesenheit dieser Person zu erwecken, obwohl er nie in Kragujevac war oder auch nur einen Fuß in die Universität gesetzt hatte. Der Ablauf des Betrugs erweckte also den Anschein eines regulären Erwerbs eines Titels an der staatlichen Fakultät.

Aufarbeitung läuft noch

Der derzeitige Generalsekretär der Universität Kragujevac, Marko Lukić, sagte gegenüber Reportern, dass die Fakultät für Medizin in Kragujevac durch die Ausgabe von gefälschten Diplomen einen Verlust von etwa 10 Millionen Dinar (eine Million Euro) erlitten habe und dass man bereits einige mutmaßlich Verantwortliche in der Leitung der Universität und der Medizinischen Fakultät feststellen konnte, allerdings weitere Ermittlungen und die Feststellung des individuellen Tatbeitrags und der möglichen Schuld noch nicht abgeschlossen seien.

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