Nach dem Wahldebakel der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) bei den vergangenen Nationalratswahlen gab es vor allem innerhalb des rechten Milieus ein großes Raunen. Mit den ständigen Distanzierungen der FPÖ von „bösen“ Patrioten hat sich die Partei auch nicht viel Gutes getan …

Eine Analyse von Julian Utz

Rechts-konservative YouTuber und Internetportale aus dem deutschsprachigen Raum konstatierten mehrere Fehler, die sich auf das schwache Wahlergebnis der „Blauen“ ausgewirkt haben sollen.

Oft war von einer unsinnigen Anbiederung an die Österreichische Volkspartei (ÖVP), übertriebenen Distanzierungen, einer notwendigen weißen Weste und dem Fördern von alternativen, freien Medien die Rede.

Typisch rechte „Krankheit“

Die genannten Aspekte müssen natürlich parteiintern beleuchtet, analysiert und umgesetzt werden. Einen Punkt, von dem man sich kommunikativ sofort verabschieden könne, wäre die in rechten Kreisen sogenannte Krankheit der „Distanzeritis“.

Denn: Gewinner distanzieren sich nicht, Verlierer schon! Dieses Ritual unterscheidet auch unsere politische Szene von anderen. Die FPÖ distanzierte sich im Wahlkampf unter anderem von der Identitären Bewegung oder dem Verfasser eines harmlosen „Rattengedichtes“.

Man distanziert sich in vorauseilendem Gehorsam so gut es eben geht von Hinz und Kunz. Die Distanzeritis scheint für Rechte genauso typisch zu sein wie Verlogenheit für Linke. Man hört jedoch nie davon, dass sich Sebastian Kurz von der der SPÖ oder den Grünen distanziert oder die österreichischen Linksparteien von der linksextremistischen und gewaltbereiten Antifa.

Wer sich distanziert, verliert

Man distanziert sich bestenfalls von einzelnen Aussagen der konkurrierenden Organisationen, was jedoch nur sehr selten vorkommt. Distanzieren ist taktisch unklug, unnötig und überflüssig. Denn wer sich distanziert, gerät sofort unweigerlich und automatisch in eine defensive Position, untergräbt seine eigenen politischen Inhalte und verschiebt den Diskurs auf eine andere Ebene.

Teile-und-herrsche-Prinzip

Anstatt über den Bevölkerungsaustausch, Masseneinwanderung und Islamisierung oder die Eurokrise zu diskutieren, bei denen Linksliberale in die Defensive gehen würden, stellt sich nur noch die Frage: Distanziert sich Herr Hofer von den Identitären, der AfD, Le Pen oder wem auch immer?

Der politische Gegner wird immer etwas finden, von dem sich ein Rechter zu distanzieren hat, denn der linksliberale Mainstream folgt nach der lateinischen Redewendung Divide et impera (teile und herrsche) und der Salamitaktik (große Ziele durch kleine Schritte erzielen).

Es werden stets Argumente ausgegraben, um den „bösen“ Patriotisch-Konservativen in die Ecke zu drängen und ihn dort auf ewig zu verbannen. Das Opfer kann sich von Gott und der Welt distanzieren – es wird ihm aber nichts nützen! Das erfolgreichste Gegenbeispiel ist Donald Trump.Im Wahlkampf reagierte er beraten vom Top-Strategen Stephen Bannon auf alle Versuche, ihn in die Verteidigungshaltung zu drängen, mit Offensive.

Angriff ist die beste Verteidigung. Er ging auf die medialen Attacken seiner Gegner nicht ein und bezeichnete das Propagandamedium CNN schlicht als „very fake news“. Auch Matteo Salvini ließ sich trotz Beschimpfungen seiner Gegner als „Rassist“ nichts nehmen und steuerte weiter bis zuletzt ins Innenministerium. Patrioten müssen sich endlich von den weinerlichen Distanzierungen distanzieren, um politisch handlungsfähig zu werden und den Diskurs zu bestimmen.