Auch Nina Proll gab sich zum wiederholten Mal kritisch gegenüber den Maßnahmen.

Schauspieler und andere Künstler und Kulturschaffende sind die Träger jedes Systems. Wenn sie einmal die Erzählung der Obrigkeit nicht mehr mittragen, ist dies ein Zeichen, dass die Glaubwürdigkeit der Mächtigen vor dem Kollaps steht. Und sie werden immer zahlreicher: Nicht weniger als 53 Mut-Mimen beteiligten sich an einer Video-Aktion, die mit scharfer Satire mit den Maßnahmen der deutschen und österreichischen Regierungen abrechnet. 

Was diesmal besonders beeindruckend ist: Neben bekannten Kritikern wie Nina Proll oder Roland Düringer ergriffen auch einige Schauspieler das Wort, denen das wohl viele nicht zugetraut hätten. Von Jan Josef Liefers über Wotan Wilke Möhring und Volker Bruch bis hin zu Heike Makatsch zeigte das Who-Is-Who der deutschen Theater- und Film-Branche Gesicht. Und die Aktion schlug ein wie eine Bombe – auf Twitter trendete das Thema und zahlreiche Mainstream-Journalisten arbeiteten sich mit Schaum vor dem Mund an den widerständigen Künstlern ab. Auffällig war, dass sich darunter besonders viele Tatort-Darsteller befanden – die öffentlich-rechtliche Krimiserie war in den vergangenen Jahren mehrmals durch stark zeitgeistlastige Fälle aufgefallen. 51 der 53 Videos können derzeit noch auf YouTube angesehen werden.

Liefers‘ satirische Kritik an den Systemmedien

Als besonders eindrucksvoll empfand das Publikum dabei das Video von Liefers, der sich nicht zum ersten Mal gegen totalitäre Anwandlungen einsetzt. Der sehr beliebte Tatort-Kommissar sprach nämlich bereits vor dem Berliner Mauerfall als Redner bei der großen Demonstration am 4. November 1989. Nun nahm er die Rolle gleichgeschalteter Medien in der Corona-Krise aufs Korn.

Ironisch bedankt er sich für den „unermüdlich, verantwortungsvoll und mit klarer Haltung“ vorangetriebenen Alarmismus, der den „unnötigen kritischen Disput“ ausbremse. Er bezog sich auch auf die Ausgrenzung von renommierten Wissenschaftlern, die zu einem anderen Schluss kämen, als die Experten der Regierung. Mehr als 250.000 Mal wurde sein Video bis Freitagmorgen angesehen.

Abrechnung mit Blockwart-Mentalität und Angstmache

Für großen Applaus sorgte auch der Clip von Nadine Dubois, die mit der Blockwart-Mentalität vieler Zeitgenossen abrechnete, die selbst aus einer behüteten Warte leicht reden haben, aber auf den Freiheitswillen der einfachen Bevölkerung schimpfen.

In eine ähnliche Kerbe schlug Martin Brambach, der einen Maßnahmen-Fanatiker mimte, der seine Mitmenschen stets pedantisch auf deren Einhaltung hinweist.

Ein Kunstwerk in sich war auch die Darbietung von Volker Bruch, der die befohlene Angst karikierte. Ohne Angst würden die Menschen Angst haben, die Regierung solle also quasi, so sein ironisches Plädoyer, den Menschen „mehr Angst machen“.

Verrückte Maßnahmen ohne jegliche Logik

Mehrere Mimen überzeichneten die Sinnlosigkeit bestimmter Maßnahmen. Miriam Stein plädierte sarkastisch für ein noch radikaleres Test-Regime, bis in den Mutterleib hinein. Und ganz wichtig: „Seien Sie solidarisch! Zum PCR-Test nur noch mit negativem PCR-Test!“

Familienleben auf den Kopf gestellt

Herrlich dystopisch war auch der Beitrag von Kathrin Osterode, die eine Mutter mimte, die ihren Kindern je nach 7-Tages-Inzidenz Sachen erlaubt oder verbietet. Falle der Wert auf 30, stehe eine Fahrradtour als Belohnung an, ab 200 hingegen Isolation und ab 250 die Freigabe zur Adoption.

Autoritärer Charakter im Zentrum der Kritik

Einige Schauspieler persiflierten den totalitären Charakter entweder direkt oder indirekt. Felix Klare fühlte sich an die Tagebücher seines Urgroßvaters erinnert und mimt jemanden, der sich die Bestrafungen und den Hang zu „Disziplin und Hygiene“ daraus abschauen möchte.

Ähnlich Nina Proll: „Früher dachte ich, ich könne frei und selbstbestimmt Karriere machen. Doch das war naiv, die Pandemie hat mir gezeigt, wo mein Platz ist […] Aber nicht nur Frauen sind zu dumm um zu wissen, was gut für sie ist. Auch Männer brauchen eine starke Hand die ihnen freitags sagt, was sie montags machen dürfen: Wen sie treffen, wohin sie gehen und welchen Beruf sie ausüben dürfen.

Getroffene Hunde bellen: Journaille dreht frei

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten – denn nicht nur einige Kollegen wie Nora Tschirner, Christian Ulmen oder Elyas M’Barek zeigten sich gegenüber der Kampagne abwartend. Diverse Mainstream-Journalisten rückten sofort aus, um sich über die Aktion der Schauspieler zu ereifern. Ein „Tagesspiegel“-Kommentator titelte etwa: „‚Alles dicht machen‘ ist so schäbig, dass es weh tut“. Andernorts war sogar  von einer „Verhöhnung der Coronatoten“ die Rede.

Auf Twitter ließen einige journalistische Akteure dann noch deutlicher die Masken fallen. Das heißt, nicht die von der Regierung vorgeschriebenen, sondern jene der angeblichen Toleranz für andere Meinungen. Ein „Digitalexperte in der ARD“ sprach etwa von einer „grässlichen Idee“ und einer „ekelhaften Ironie“.

In ein ähnliches Horn stieß ein bekannter ehemaliger SZ- und FAZ-Journalist, der inzwischen – kein Witz – mehrere „medienkritische“ Blogs betreibt. Er kann den Aufstand der Mut-Mimen „gar nicht glauben“.

Scherbengericht für kritische Künstler gefordert

Wer dachte, es bleibe bei untergriffiger Kritik, wurde eines Besseren belehrt. Denn ein WDR-Rundfunkrat forderte überhaupt gleich, die aufmüpfigen Künstler zu schassen und ihnen in öffentlich-rechtlichen Produktionen keine Bühne mehr zu geben.  Der breite öffentliche Druck führte übrigens bereits zu erstem Aderlass: Makatsch zog ihr Video nämlich mittlerweile offiziell zurück…

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