Jetzt reicht es auch den Bewohnern der „sensiblen Zonen“ in Paris und anderen Städten: weil dort Gewalt und Kriminalität seitens lokaler Jugend-Gangs unerträglich werden, forderten sie die Regierung, mehrmals auf, einzugreifen. Lokale Selbsthilfegruppen klagten schließlich den Staat und erhielten einen „Ausgleich“ von 10.000 Euro.  

Polizei rät zur Selbsthilfe

Die Bürgergruppen, die sich gegen Gewalt und Kriminalität in ihren Vierteln wehren, müssen sich nach eigenen Angaben als „Linke“ ausgeben, um nicht als Faschisten oder Reaktionäre angefeindet zu werden.
In Lyon formierte sich vor etwa einem Jahr die Facebook-Gruppe „wütende Bewohner“. Sie dokumentiert seither seither akribisch das Gesamtausmaß der Kriminalität in ihren Vierteln für die lokalen Behörden. Ein Präfekt kritisierte den aktuellen Zustand als Ausdruck eines Staates, der sich im Verfall befindet.

Die Polizei ist zumeist unterbesetzt und durch Menschenrechts-Vorgaben derart eingeschränkt, dass sie keine wirksamen Maßnahmen setzen kann. Kürzlich forderten Polizisten Bewohner solcher Zonen auf, die Sache entweder selbst in die Hand zu nehmen, wie es in Korsika üblich sei, oder wegzuziehen. Die „korsische Methode“ umschreibt die früher übliche Selbstjustiz auf der Heimatinsel von Napoleon Bonaparte.

Schweige-Abkommen mit Drogenhändlern

Im Juli ging fand eine Gruppe von Leuten in einem Wohnkomplex im Pariser No-Go-Viertel Saint-Ouen eine „innovative Lösung“: sie handelten mit lokalen Drogenhändlern ein „Schweige-Abkommen“ aus: wenn diese ihre Geschäfte abseits des Wohnviertels erledigen, würden sie im Gegenzug dafür nicht bei der Polizei angezeigt.

Denn in der Wohnanlage war es wegen des Drogenhandels oft bis spät in die Nacht hinein laut, das Stiegenhaus diente als Müllhalde. Der Deal kam nach massiven Beschwerden von Anrainern zustande, die der Regierung Untätigkeit vorwarfen.

Auch die Bewohner des 18. Pariser Bezirkes, in dem viele Migranten wohnen, beklagen sich regelmäßig über steigende Kriminalität und dass die Regierung sie im Stich lasse.
Immer öfter geben Bewohner deshalb ihre Geschäfte oder Lokale auf und ziehen weg, wenn sie können.