Es vergeht kaum ein Tag, ohne dass nicht eine willkürliche neue Maßnahme in Kraft tritt. Besonders anfällig dafür sind Instanzen, in denen türkis-grüne Akteure die Fäden ziehen. Weil das in Tirol bekanntlich für Land und Bund zutrifft, hat man sich im Heiligen Land jetzt eine besondere Faschingsaktion überlegt. Denn künftig darf man dort nur mehr mit einem negativen Corona-Test Skifahren gehen. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

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Normalerweise finden in meiner alten Heimat Tirol um diese Jahreszeit in vielen Dörfern farbenfrohe Fasnachtsumzüge statt. Aber weil Pandemie ist, säumen nicht Spiegeltuxer und Halbweiße die Dorfplätze, sondern die Politnarren in ihrem ständigen Bestreben, die Bevölkerung zu pflanzen. Die trotz der bundesweit niedrigsten 7-Tages-Inzidenz in ihrem Bundesland eingesperrten Tiroler brauchen nun nämlich auch für das Ausüben des obersten Volkssportes einen amtlichen Wisch.

Leere Pisten nur mit negativem Test betreten

Es ist ein sonniger Morgen im Land im Gebirge. Der Schulalltag hat mit Nasenbohrer-Tests für alle, die am Unterricht teilnehmen wollen, wieder begonnen und so mancher Elternteil kann sich dank Rekordarbeitslosigkeit in der Region einen Montag einteilen, um ein bisserl ins üppige Weiß einzutauchen, irgendwann muss man das vor dem Lockdown gekaufte Saisonticket ja auch nützen. Jetzt, wo die Pisten traumhaft leer sind, weil die Regierung ja eh keine bundesdeutschen Touristen ins Land lässt. Frische Spuren ziehen, ja das wär doch was!

Es ist kurz nach neun Uhr irgendwo am Lift. Ein Parkplatz ist schnell gefunden und die Schlange an der Kassa ist kurz. Mit kräftigen Schritten hüpft unser Protagonist Richtung Gondel, wirft seine Pistengeräte schwungvoll in die Halterung an deren Außenseite. Da springt ihm ein Liftwart entgegen und schreit: „Halt! Sein’s lappat! Ohne Tescht kimmb an mir goar koana vorbei! Sie woar’n awoll eh bein Khongress in Innschprugg und hom sich a Reahrdl ins G’friß steckn lass’n?“

Humor ist, wenn der Adler trotzdem fliegt

Unser Skifahrer versucht sich zu erklären: Er hätte sich ja für einen Test anmelden wollen – aber er bekam keinen Termin mehr. Denn weil die Regierung nach sechs Wochen an geschlossenen Friseuren verlangte, dass sich Leute ins Haarstudio „reintesten“, rennt jeder, der nicht auf gut Tirolerisch wie eine „Zottlfack“ rumlaufen will den Teststraßen die Türen ein. Die Kapazitäten fehlen entsprechend für andere Zwecke…

„Na, da gibt’s koa Pardon! Der Platter hat’s gsagt“, kommt erbarmungslos retour, „aber brauchen’s nit moanen, I hun a Freid‘ damit. Mia stiahn ins herunten a in ganz Tag d Fiaß in Bauch. Und mei Frau hacklt seit 10 Joahr bein Gipfelreschtaro, de homs scho vor drei Monat kündigg, weil woasch eh: Khorona isch und des isch zach.“ Es dämmert dem Skifahrer endlich: Hier geht nichts, und der Liftwart ist auch nur Überbringer der Botschaft. 

Mit Tourenski steht Pistengaudi nichts im Weg

Da fällt ihm aber ein: Da war doch etwas. Stimmt! Wie praktisch ist es, wenn man sich „für alle Fälle“ irgendwann einmal ein Paar Tourenski zugelegt hat. Also schnell nach Hause gedüst – das heißt, so schnell wie es der Lufthunderter auf der Inntalautobahn zulässt. Und fünfzig Minuten später steht er wieder am gleichen Parkplatz. Die Felle an die Ski und der Aufstieg kann beginnen. So eine Skitour: Das ist eben gesund! Und ein Augenschmaus ist die Tiroler Bergwelt ja ohnehin!

An dieser Stelle sollte man der Gerechtigkeit halber sagen: Ja, unser Skifahrer aus der Geschichte ist frei erfunden. Aber nein – diese Verrücktheit ist tatsächlich Realität und die Situation wohl greifbar. Denn in Tirol darf man nur mehr mit negativem Corona-Test auf die Piste – außer man ist Tourengeher. Dann wird das angeblich Killervirus auf einmal doch wieder ungefährlich und es darf bedenkenlos gewedelt werden. Die mit großem Pomp angekündigten Gratis-Tests für daheim reichen dafür übrigens nicht aus.

Keine Corona-Cluster an Skiliften

Wer auf solche Absurditäten kommt, sei dahingestellt. Die fängt aber eigentlich bereits dabei an, dass man in Bewegung an der frischen Luft irgendein Infektionsrisiko versteht. Bislang ist kein einziges Cluster bekannt, das irgendwo an einem Skilift entstand. Aber irgendwelche Sesselfurzer aus der warmen Stube in Wien mäkeln schon seit Wochen und Monaten darüber, dass das böse Volk sich auf die Pisten begibt: „Ja dürfen’s denn das?“ Und die Häuptlinge im „Hottentoten-Staat“ (Seilbahn-Chef und ÖVP-Mandatar Hörl sprach so einst) folgen artig und erlassen eine Testpflicht für Liftanlagen.

Wie sogar der „Standard“ düster berichtete, entstand nämlich eine veritable dritte Welle am Skilift. Nein, warte: Ein Autor schrieb vor etwas mehr als zwei Wochen, dass sich in den ersten vier Wochen geöffneter Skilifte eine einzige sagenhafte Person in diesem Setting ansteckte. Eine völlige Missgunst-Suderei also, die ohne jede Evidenz dank Blockwart-Mentalität dazu führte, dass Skifahren jetzt irgendwie eine üble Seuchentätigkeit ist. Schleunigst unterbinden, damit Hintertux nicht das nächste Ischgl wird.

Bei so viel Willkür vergeht einem die Freude

Wer dem Skifahren also frönen will, für den gibt es – neben dem schnellen Kauf eines Tourenskis – nur zwei Möglichkeiten: Entweder er unterwirft sich dem auch so „freiwilligen“ Test-Regime unserer auf ganzer Linie unfähigen Regierung und hält bei jeder Liftwart bei zweistelligen Minusgraden dem Liftwart einen zerknitterten Wisch über sein negatives Testresultat unter die Nase, samt all dem Retroflair der gelochten Zehnerblocks der 90er-Jahre.

Oder er zieht seine Pistenmontur wieder aus und begibt sich auf die heimelige Couch und schaut sich dort die Ski-WM an. Die findet im heutigen Cortina d’Ampezzo statt und das war ja irgendwo bis vor hundert Jahren auch ein Stück Tirols. Mit Kräutertee statt Jagatee und mit kaputt gedrückten Daumen statt eines hochroten Kopfes vom Schreiduell mit dem Liftwart lebt sich’s eben einfacher. Wir sind ja immerhin eine Skination, es lebe der ewige Passivsport! Der „stets um Neutralität bemühte“ Zwangsbgeühren-ORF bedankt sich für Ihre hohen Einschaltquoten.

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