Gespenstisch waren meine Wirtshausbesuche in den vergangenen Monaten. In der einen Gaststube herrscht gähnende Leere, in einer anderen sitzen großflächig verteilt drei Gäste. Ein trauriges Bild. Ich frage die Wirte bewusst naiv, ob es denn immer so ruhig bei ihnen zugehe.

Kommentar von Elsa Mittmansgruber

Die Antwort ist ein klares Nein. Erst seit dem Frühjahr. Schuld sei Corona. Wo die einen ihre Wut gegen die Regierung nicht mehr verbergen können, macht sich bei den anderen Resignation breit. Die Schein-Pandemie gibt vielen ohnehin schon schwer gebeutelten Wirtsleuten den Gnadenstoß.

Politische Gängelungen wie die Registrierkassenpflicht, die Allergenverordnung oder Umbauvorschriften für Nichtraucher bis hin zum totalen Rauchverbot mischten sich bereits vor Corona mit gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen wie Landflucht, Personalmangel und einer Verlagerung der Sozialkontakte ins Private oder ins Netz.

Traditionsgasthäuser, die über viele Generationen ihren Betrieb allen Widrigkeiten zum Trotz erhalten konnten, schließen nach der Reihe ihre Pforten. Genug ist genug. Doch berührt dies keine Eliten, Großstadt-Bobos und auch nicht Kulturfremde, sondern hauptsächlich die einfachen, anständigen und bodenständigen Österreicher, die ohnehin zunehmend zur Minderheit werden.

Für sie steht der Wirt im Ort noch für Sicherheit, Geborgenheit, Zuflucht, Ansprache und Auskunft. Hier will man ungezwungen sein, mit anderen Menschen zusammenkommen, reden, spielen, essen, trinken und musizieren.

Immer mehr klingen diese Worte wie aus einer anderen Welt. Und jetzt kommt asoziales Verhalten endgültig in Mode. Denn asozial sei ja das „neue Sozial“. Diese Haltung wird Corona überdauern.

Zunehmend verlagert sich das Leben in die eigenen vier Wände, ein Gewöhnungseffekt stellt sich ein. Unternehmen finden bereits zahlreiche darauf abgestimmte Geschäftsmodelle. Das Haus muss man nicht mehr verlassen und will es womöglich auch gar nicht mehr. Um aber einem Wirtesterben entgegenzuwirken, darf man dieser Tristesse nicht anheimfallen. Also: Ab ins Gasthaus!