Eigentlich müsste sich Gramastettens Bürgermeister Andreas Fazeni über den geplanten Ausbau eines bestehenden Supermarktes im Ortszentrum freuen. Tut er aber nicht, weiß der Grundstückeigentümer Kurt Gielge, und rätselt über die Gründe.

Von Kurt Guggenbichler

„Mir geht es bei meinem Projekt nicht ums Geld“, betont Kurt Gielge, „ich möchte aber nicht, dass das Zentrum meines Heimatortes Gramastetten verödet.“
Aus diesem Grund plant er auf seinem Grundstück Markstraße 39 den Bau eines neuen Hauses mit Tiefgarage, Lebensmittelmarkt und Wohnungen, wenn das dort noch befindliche Spar-Geschäft Ende Juni ausgezogen sein wird. Dem Unternehmen wurde wegen Eigenbedarf gekündigt.

Einkaufsmarkt statt Sportplatz

Das Vorhaben Gielges wird nach Wochenblick-Recherchen nicht nur von der Bevölkerung Gramastettens goutiert, sondern auch von Thomas Rockenschaub, der sich beim Land OÖ um die Raumordnungsfragen kümmert, weil es dann zu keinem neuen Flächenverbau käme. Auch für Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner haben die Nutzung und der Ausbau bestehender Einrichtungen Vorrang vor dem Bauen auf der grünen Wiese.

Das scheint sein Parteikollege, Gramastettens Bürgermeister Andreas Fazeni (ÖVP), nicht unbedingt so zu sehen. Der liebäugelt schon längere Zeit mit der Idee eines großen Spar-Supermarktes bei der Hauptschule an der Linzerstraße. Dort könnte auf dem Gelände des Sportplatzes der große Einkaufsmarkt mit vielen Freiparkplätzen entstehen. Noch existiert der Plan nur als Idee des Bürgermeisters und einiger weniger Vertrauter, doch in Gramastetten pfeifen es schon länger die Spatzen von den Dächern und sorgen damit für Unruhe in der Gemeinde. Gespräche mit Spar soll es schon gegeben haben und würde der Bau realisiert, sollte der neue Sportplatz dann auf dem Dach des halb in die Erde gebauten Supermarktes errichtet werden.

Wozu brauchen wir einen neuen Supermarkt?

„Wir prüfen aber auch noch andere Standorte“, erklärt Fazeni auf Wochenblick-Nachfrage.
„Wozu aber brauchen wir hier überhaupt einen neuen Einkaufsmarkt, wenn es im Ort weiterhin eine Einkaufsmöglichkeit geben wird?“, fragen Bewohner. Zudem gibt es auch noch den Winkler-Markt, der allerdings im Fall eines Spar-Neubaus um seine Existenz fürchten muss.

„Es herrscht hier ein brutaler Vernichtungswettbewerb“, hatte Winkler-Markt-Geschäftsführer Josef Struz schon beizeiten geklagt: „Wenn bei der Raumordnung nicht bald was passiert, bleiben nur noch die Großen über.“

Mittlerweile wurde die Raumordnung zwar novelliert. Doch der schon davor beschlossene Bau des 6000 Quadratmeter großen Euro-Spar-Marktes mit 1300 Quadratmetern Verkaufsfläche und 79 Parkplätzen am Pöstlingberg und auf Gramastettner Gemeindegrund wird noch realisiert. Dafür wird sogar ein idyllischer Obstgarten und ein siebzig Jahre altes Holzhaus geopfert. Der Bürgermeister könnte sich auch einen Fortbestand des alten kleinen Spar-Marktes im Ortszentrum vorstellen, weil er ohnehin glaubt, dass Gielge mit seiner Kündigung nicht durchkommen wird. Auf Sicht würde es dort aber ohne den Bau einer Tiefgarage zu schlimmen Verkehrsproblemen im Ortszentrum kommen. Dass die Gemeinde dort selbst eine Garage bauen würde, glaubt Gielge allerdings nicht.