Nach intensiver Fahndung gelang es Einsatzbeamten der Landespolizeidirektion Steiermark, einen seit Wochen abgängigen, kranken Mann aus den Händen von Kriminellen zu befreien. Die Ermittlungen führten ins Rotlichtmilieu der Sinti und Roma. Ein Quartett aus drei Damen aus dem horizontalen Gewerbe und ihrem mutmaßlichen Zuhälter soll den Grazer gefangen gehalten und zur Herausgabe großer Geldsummen genötigt haben.

„Vier Personen aus Rumänien“ heißt es in der Presseaussendung der Polizei Steiermark. Gut informierte Kreise wissen mehr. Damen aus dem Rotlichtmilieu im Alter von 24, 25 und 48 Jahren machten sich Anfang August an einen 66-jährigen Grazer heran. Der begüterte Mann leidet an Parkinson mit allen damit verbundenen Schwierigkeiten. Nach einiger Zeit fiel Verwandten auf, dass der Mann nicht mehr erreichbar war und sich auch nicht in seiner Wohnung aufhielt. Außerdem fehlten am Konto mehrere zehntausend Euro. Eine Vermisstenanzeige wurde erstattet.

Wollten Geld direkt von der Bank holen

Die letzten Lebenszeichen in der Öffentlichkeit wurden aus einem Bankinstitut ermittelt, wo der Mann mit zwei der Damen auftauchte und einen größeren Betrag abheben wollte. Nachdem sein Kundenbetreuer nicht anwesend war, musste man unverrichteter Dinge wieder abziehen. Dann verlor sich die Spur. Wochenblick erhielt früh von der Sache Kenntnis, entschied sich aber nach Rücksprache mit der Landespolizeidirektion Steiermark, die Ermittlungen und damit das Leben des Abgängigen nicht zu gefährden und verzichtete auf Berichterstattung. 

Verwahrlost und alkoholisiert aus Privatwohnung befreit

Offenbar hielten die Personen, die der Volksgruppe der Sinti und Roma zugeschrieben werden, den kranken Grazer in einer Wohnung im Stadtteil Gries gefangen. Dort wurde er zwar versorgt, durfte aber nicht mehr hinaus. Die Polizei fand ihn am Donnerstag in körperlich sehr schlechtem Zustand. Er war verängstigt und stand unter Alkoholeinfluss. Er konnte beschreiben, wie er von den Tatverdächtigen in die Wohnung gelockt wurde. Dort habe man ihm seine persönlichen Gegenstände und die Geldbörse abgenommen.

Rumänen streiten Vorwürfe ab

Mit der Bankomatkarte des Mannes gingen die Rumänen dann regelmäßig Bargeld abheben. Mehrere tausend Euro der Beute konnten sichergestellt werden, ein größerer Betrag fehlt. Bei der Einvernahme verwickelten sich die Fremden in Widersprüche. Sie hätten den Mann nur versorgen wollen, der sie dafür bezahlt habe. Polizei und Staatsanwalt schenkten dieser Version keinen Glauben. Das Gaunerquartett wurde in die Justizanstalt eingeliefert.