Textilien und Nachhaltigkeit – das sind zwei Themen, die für viele Menschen mit einem sozialen Gewissen wohl eine Baustelle darstellen. Dass Nobelmarken in Billiglohn-Ländern produzieren und zu fürchterlichen Arbeitsbedingungen und Hohn-Löhnen die Arbeiterinnen ausbeuten, ehe sie die Fabrik in ein noch billigeres Land verlegen, ist lange kein Geheimnis mehr. Aber darum geht es bei der „Fashion Week“ nicht. Sondern um die Umsetzung jener zehn Prioritäten, die UN-Generalsekretär Antonio Guterres als Teil der Agenda 2030 für dieses Jahr auserkoren hat. Und schaut man ins Detail, kommt man ins Staunen, wie wenig das eigentlich wirklich mit „Nachhaltigkeit“ zu tun hat – und welche gefährlichen Pläne man unter schönen Worthülsen schmiedet und verkauft. 

von Alfons Kluibenschädl

„SDG Summit“ soll Modewelt angeblich verändern

Es hört sich zu gut an, um wahr zu sein: Der „SDG Summit“ am Mittwoch, den 7. Juli war laut Ankündigung ein zentrales Element der fünftägigen Veranstaltung, mit dem Ziel eine „zukunftsorientierte, nachhaltigere Fashion- und Textilbranche aktiv voranzutreiben und diesen Wandel mitzugestalten. Es gehe darum „sinnvoll wirtschaftend, im Einklang mit der Natur, verantwortungsvoll gegenüber den Menschen“ vorzugehen. So könne eine „neue Mode-Ära entstehen“ – freilich alles in einer „globalisierten Welt“.

Hier ist die Marschrichtung klar: „Während sich die Fashion-Industrie sich auf ihren Wiederaufbau aus der Pandemie begibt, ist es unabdingbar, dass Nachhaltigkeit auf der gesamten, globalen Lieferkette priorisiert werde“. Nun sei die Zeit gekommen, um „seinen Frieden mit der Natur zu finden, soziale Ungleichheiten abzuschaffen und die Möglichkeiten digitaler Technologie zu ergreifen“. Dabei handelt es sich exakt um einige der Worthülsen, mit denen Guterres bei seinen Zielsetzungen voranging. 

Multilateralismus im Schlagwort-Dschungel

Es sind nicht die einzigen Ziele, die er ausgab. So möchte er eine weltweit gemeinsame Strategie gegen Corona oder eine „inklusivere und nachhaltige Rückkehr der Wirtschaft“. Und neben der „Ergreifung der Möglichkeiten digitaler Technologien unter Berücksichtigung wachsender Gefahren“ sei es eben auch nötig, einen „Reset für das 21. Jahrhundert auf den Weg zu bringen“. Ja, dieser Umbruch ist Teil des Fahrplans genau jener Agenda 2030, für welche sogar die ÖVP im österreichischen Parlament wirbt, als wäre es eine harmlose Liste von Öko-Zielen und nicht etwa ein heimlicher Versuch der globalen Umverteilung und sozialen Umkrempelung – mit Macht- und Geldzuwachs der Eliten. 

Gobal Governance: Soll so die Weltregierung kommen?

Wie sich die Vereinten Nationen (UNO) einen solchen Umbruch vorstellen? Es brauche etwa einen Fokus auf die „Stärkung internationaler Rahmen um globale Gemeingüter zu vermitteln“ (Global Governance). Die Herausforderungen hierfür seien etwa die Schaffung eines „inklusiveren“ und „vernetzteren“ Multilateralismus oder ein „Neuer Globaler Deal“ zur Umverteilung der Macht zwischen den Ländern. Für den Umbau in der globalen Entscheidungsfindung will man insbesondere auf die „Rolle junger Menschen bei der Gestaltung der Zukunft“ bauen.

Kampf gegen „Hassrede“ als Hebel gegen Ausbeutung?

Neben dieser ziemlich deutlichen Ansage bergen auch einige der übrigen Worthülsen ziemlich üble Stolpersteine für die Freiheit. Denn betrachtet man die Ideen der UN für den „Schutz digitaler Technologien vor Gefahr“, findet man eine „Notwendigkeit, sich gegen die digitale Verbreitung von Hass, Ausbeutung und Desinformation“ zu stemmen. Was die Vermeidung von „Hass im Netz“ mit der Lebenssituation armer Näherinnen in der dritten Welt zu tun hat, ist mutmaßlich nicht nur meiner Wenigkeit ein Rätsel.

Lohnsklavinnen durch Maschinen ersetzt?

Zwar bekennt sich Guterres offiziell zum Schutz der Privatsphäre und Menschenwürde – aber er verweist hier auf die „UN Roadmap für digitale Zusammenarbeit“ hin. Und da wird es erst so richtig spannend, denn der 8-Punkte-Plan der UN lässt alle Alarmglocken schrillen. Man möchte etwa die Idee von „digitalem Gemeingut für eine gerechtere Welt“ forcieren. Man müsse „digitale Inklusion für alle, einschließlich der am meisten Gefährdeten“ erreichen, es brauche weiters eine „weltweite Kooperation bei künstlicher Intelligenz“. Soll bald auch die Sweatshop-Mitarbeiterin ihren Job an einen Roboter verlieren?

Gläserner Bürger ist klar Teil der „Agenda 2030“

Auch die „effektivere Architektur digitaler Kooperation“ sei aufzubauen – damit meine man insbesondere den Ausbau der „Digital Governance“. Unter letzterem Fachbegriff versteht man die Digitalisierung von administrativen Aufgaben – sei es innerhalb eines Unternehmens, oder eben innerhalb eines Staates. Sprich: Eine verklausulierte Straßenkarte Richtung gläsernem Bürger. Kleine Erinnerung: Ein anderer UN-Bericht empfahl erst kürzlich den Aufbau eines globalen Überwachungssystems im Namen des „Gesundheitsschutzes“.

Und auch der geforderte Ausbau der Propaganda für das „Vertrauen und Sicherheitsgefühl in die digitale Umgebung“ versteht man dezidiert einen „globalen Dialog“, um die Ziele der Agenda 2030, die 17 „nachhaltigen Entwicklungsziele“ voranzutreiben. Auch hier also wieder eine Mischung zwischen alarmierenden Ideen und wohlklingenden Worthülsen. Und wieder versteckt man sich hinter einem Querverweis, bei dem einem die Kinnlade herunter fällt.

Einmal Gates noch: Immer wieder Bill und Melinda

Denn diesmal führt die Reise zum „High-level Panel on Digital Cooperation“. Dieses Gremium erteilt wiederum in einem Bericht mit dem Namen „Das Zeitalter der digitalen Verflechtung“ diverse Empfehlungen, etwa zur „Steuerung“ des digitalen Kooperationsprozesses. Eine der beiden Vorsitzenden dieses Panels ist Melinda Gates, die mit ihrem Noch-Gatten Bill eine mächtige Stiftung betreibt.

Der IT-Mogul selbst gilt als treibende Kraft des Projekts „ID2020“, das jedem Menschen weltweit eine digitale Identität verpassen will. Der andere Vorsitzende ist Jack Ma, der Gründer der chinesischen Alibaba Group. Und wie es der Zufall so will, ist ausgerechnet der CEO eben dieser Gruppe, Daniel Zhang, ein Dauergast beim Weltwirtschaftsforum in Davos. 

Auch Alibaba-Duo bei „Great Reset“ mittendrin

Und zwar nicht irgendein Dauergast, sondern einer, der auch in Verbindung just mit dem Treffen Erwähnung fand, als es im Vorjahr um den „Great Reset“ ging; WEF-Gründer Klaus Schwab gilt als Architekt dieses radikalen Umbaus der Welt zugunsten der Eliten, aber unter dem Deckmantel der „Nachhaltigkeit“. Zhang wiederum machte beim WEF 2019 schon keinen Hehl daraus, wie man kleine Selbständige ins Boot der großen globalistischen Multis holen will: „Ja, wir wollen die Gesellschaft verbessern, aber wir müssen es über eine – das ist mein Schlagwort – marktwirtschaftlich betriebenen Zugang erreichen“.

Kryptische Worte, aber natürlich verkauft man dies als „Hilfe zur Selbsthilfe“. Dies tut auch sein Chef Ma, indem er als reicher Schirmherr für viele kleine, unbekannte Händler fungiert. Noch ein gönnerhafter Milliardär, der angeblich völlig selbstlos Menschen hilft, während er einen Posten im Stiftungsrat des Weltwirtschaftsforums besetzt und UN-Botschafter für die „nachhaltigen Entwicklungsziele“ (SDG) ist. Eine fachliche Qualifikation hat Ma übrigens nicht: Er ist studierter Englischlehrer. Auf der WEF-Homepage zählt Ma als „Agenda Contributor“. Auch er ist bei Schwabs Plänen also mittendrin statt nur dabei. 

Ständig die gleichen globalistischen Worthülsen

Es ist ein Exkurs, den man beliebig weiterspinnen könnte. So könnte man etwa darauf verweisen, dass es immer dieselben Schlagworte sind, mit denen dieselben Akteure, die über verschiedenste Plattformen und Hinterzimmer vernetzt sind, verwenden. Das Plädoyer für ein Mehr an globalem „Multilateralismus“ schickten auch Merkel, Macron und einige EU-Granden schon im Februar in einem Gastbeitrag für mehrere europäische Zeitungen voraus. Wochenblick dekonstruierte damals die verklausulierten Chiffres dieser globalistischen Akteure.

Auch bei diesem Fashion Summit ist die zarte Bande, die man längst geknüpft hat, ganz offensichtlich. Man bringe „international führende Vertreter aus Politik, Forschung, der Mode- und Textilindustrie, von NGOs sowie Designer, Künstler und UN Advocates“ hierfür zusammen. Ob sich am Ende durch solche ominösen Gipfel- und Vernetzungstreffen der Globalisten die Lebenssituation auch nur einer einzigen Näherin in Bangladesch geändert hat, darf offen bezweifelt werden. 

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