Weil sich Klima-Greta mit den anhaltenden Bauernprotesten in Indien solidarisierte und ein Strategiepapier für Proteste verbreitete, wird dort jetzt wegen Volksverhetzung ermittelt. Der Urheber des Papieres soll ausfindig gemacht werden.

von Kornelia Kirchweger

Greta wird nicht direkt als Beschuldigte angeführt. Die Regierung unter Narendra Modi, betrachtet den Bauernaufstand aber jedenfalls als Teil einer „internationalen Verschwörung“ zur Verleumdung Indiens, an der Greta & Co beteiligt seien.

Volksverhetzung und Verschwörung

Die Polizei von New Delhi, wo die Bauernproteste mit einem Traktoraufmarsch und von der Polizei aufgelösten Randalen am 26. Jänner (Nationalfeiertag) ihren Höhepunkt erreichten, ermittelt nun wegen Volksverhetzung, Verschwörung in Übersee und des Versuchs, die Feindschaft – unter Beteiligung von Greta Thunberg – zu fördern.

Das Papier, das Greta ursprünglich verbreitete (später löschte und „aktualisierte“), unterstützt explizit die Proteste in der Hauptstadt, mit allen Details über das „wo und wann“ der Aufmärsche und einem Aufruf zu „wichtigen Aktionen im Februar“. Darunter befanden sich ein Twitter-Sturm am 4. Februar von 11 bis 14 Uhr und Proteste im Umfeld von Botschaften und Medienhäusern am 13. Februar.

Auch die Sängerin Rihanna mischte mit, postete einen kritischen Indien-Bericht des linken US-TV-Senders CNN und schrieb: „Warum reden wir nicht darüber?“ Wütende Inder verbrannten daraufhin öffentlich Poster von ihr und Greta. Diese solidarisierte sich erneut via Twitter mit den Bauern: Daran würde auch kein Hass und keine Drohungen etwas ändern.

Bauernführer droht mit Jugendrevolte

Der Sprecher der national-konservativen Hindu-Regierungspartei (BJP), Gaurav Bhatia, bezeichnete die Bauernproteste als Deckmantel für eine vom Ausland gesteuerte, Verschwörung. Doch „unsere Demokratie steht über Rihanna, Greta und Mia Khalifa“ (US-libanesisches Cam-Modell und bekannter Ex-Pornostar). Indiens Demokratie brauche kein ausländisches Zertifikat, sagte er.

Der Aufstand entzündete sich an einem Gesetz, zur Modernisierung des sozialistisch geprägten und stark gestützten Agrarwesens. Indiens Wirtschaft besteht zu 15% aus Landwirtschaft, 50% aller Arbeitskräfte sind hier tätig. Mit der Reform sollte der Sektor, vor allem der Handel, flexibilisiert werden. Dies geschehe nicht zum Nachteil der Bauern, betonte Modi.

Bauernführer Rakesh Tikait spielte das Thema „Mindest-Preisstützungen für Agrarprodukte“ hoch, die Modi ohnehin garantierte. Mit dem Schlachtruf „Geschäft darf nicht über Hunger stehen“ verlangte Tikait die Zurücknahme aller Gesetze und drohte dem Premier, ihn mit Hilfe einer Jugendrevolte zu stürzen. 

George Soros gegen Modi

Rasch formierten sich auf Twitter Hunderte von Hass-Accounts gegen Modi, u.a., #ModiPlanningFarmerGenocide“. Die Regierung verlangte von Twitter, diese zu sperren, andernfalls Twitter-Mitarbeiter in Indien geklagt werden. Der national-patriotische Modi ist den linken Globalisten, ebenso wie Donald Trump oder Viktor Orban, ein Dorn im Auge. Modi regiert seit 2014 und wurde 2019 erneut gewählt.

Zu seiner Hass-Community gehört auch US-Investor George-Soros, der seit 1999 mit zahlreichen NGOs in Indien aktiv ist. Seine Open Society Indien wurde von Modi Anfang 2020 auf eine „Watch-Liste“ gesetzt, weil sie „NGOs und Verbände im Land finanziert“, die nicht gesetzlich registriert seien. Soros klagte und ging bis zum indischen Höchstgericht.  Einige Tage später attackierte er Modi frontal beim Treffen des Weltwirtschaftsforums in Davos.