Auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios und Samos leben knapp 40.000 Migranten in völlig überfüllten Camps. Am Mittwoch streikten die Einheimischen und protestierten auf der Straße. Die Situation sei unerträglich, hieß es. „Auch wir haben Menschenrechte“, beklagte ein Bürgermeister auf Samos. Seit fünf Jahren dienen die Inseln als „Gefängnisse“ beklagen die Einheimischen. Die Migranten sollen endlich gehen, man wolle sie nicht mehr, das Leben auf den Inseln sei unsicher geworden.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Tatenlose Regierung

Die neue konservative Regierung Griechenlands kündigte zwar strengere Asylgesetze und eine rasche Ausweisung der abgewiesenen Asylwerber an. Geändert hat sich bisher nichts. Allein in diesem Jahr kamen schon wieder 3.000 Migranten illegal ins Land ein. 2019 waren es fast 60.000 Personen – auf dem Seeweg, über 14.000 kamen auf dem Landweg über die türkische Grenze. Mindestens gibt es jetzt wieder ein Migrationsministerium (es wurde vor sechs Monaten aufgelöst). Der neue Migrationsminister Notis Mirarachi gab zu: der Zorn der Insulaner sei berechtigt. Sie tragen zum größten Teil die Migrations-Belastung.

Klagen: …bald sind wir Minderheit

Am Tag des Generalstreiks marschierten die Einheimischen auf öffentliche Plätze, viele schwangen die griechische Flagge, sie riefen: „Unsere Inseln sind keine Gefängnisse, schließt endlich die Lager“. Bald werde man eine Minderheit auf den eigenen Inseln sein, sagte ein Demonstrant auf Lesbos. „Sie sollen gehen, wir wollen sie nicht. Sie leben unter schlimmen Bedingungen, aber für uns ist es auch schwierig“, sagen sie. Die Migranten sollten auf ganz Griechenland und Europa verteilt werden, forderte ein Pensionist auf Lesbos. Man sei hier nicht mehr sicher, man könnte erstochen werden, beklagte er.

Unhaltbare Zustände in Camps

In den überfüllten Lagern wächst die Aggression. Migranten geraten aneinander, es gab bereits Todesfälle und immer wieder Brandstiftung. Das größte Camp, Moria, befindet sich auf der Insel Lesbos. Es ist für 3.000 Personen ausgerichtet. Tatsächlich leben dort 19.000 Asylwerber. Teile des Lagers kontrolliert der Islamische Staat (IS). Auf Samos leben 7.500 Asylwerber (Kapazität: 650) in Camps, auf Chios 5.000 (Kapazität: 1.000 Personen). Täglich kommen Dutzende weitere aus der Türkei. Statt endlich die Grenzen zu schließen und illegal ins Land Kommende sofort zurückzuweisen, kündigte die Regierung letzten November an, größere Camps auf Lesbos, Chios, Samos, Kos und Leros zu errichten. Es folgte ein Aufschrei der Inselbewohner.

Kaum Rückführungen in die Türkei

Trotz EU-Milliarden und zusätzlichem Personal für eine effizientere Abwicklung der Asylverfahren, bekommt Athen das Migrationsproblem nicht in den Griff. Die Rückführung in die Türkei funktioniert nur schleppend. Die EU hat 2016 mit der türkischen Regierung vereinbart, dass die Türkei alle Migranten zurück nimmt die auf diesen Inseln ankommen und kein Asyl in Griechenland erhalten. Dafür muss die EU genauso vielen Syrern Asyl in den Mitgliedstaaten gewähren. Menschenrechtsgruppen warnen die griechische Regierung nun vor einem „Klima zunehmender Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit“ gegenüber Asylwerbern.