Der griechische Migrations- und Asylminister, Giorgos Koumoutsakos befürchtet, die Türkei könnte bald wieder Massen von Migranten über den Landweg nach Griechenland schicken. In den letzten zwei Wochen gab es deutliche Anzeichen dafür.

von Kornelia Kirchweger

Über Land und die Inseln

Die Zeichen stehen auf Sturm, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan könnte die Schleusen für illegale Migranten nach Griechenland erneut öffnen, sollten beim kommenden EU-Gipfel am 24. und 25. September Sanktionen gegen die Türkei beschlossen werden, sagte der Minister. Erdogan könnte sich dann nicht mehr damit begnügen, Migranten in Massen an die Grenze am Evros zu schicken, sondern auch über die griechischen Inseln. Wie bekannt, sind die dortigen Asyl-Camps heillos überfüllt. Auf Lesbos, im Camp Moria, fackelten Migranten ihre Unterkünfte ab, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung und der Polizei. Rund 12.000 Migranten sollen nun auf Schiffen „zwischengeparkt“ werden, weil sie, aber auch die Bevölkerung, eine Unterbringung in Zeltstädten ablehnen.

Mehr Grenzbeamte, längerer Zaun

Zur Sicherung entlang der Evros-Grenze erwartet Griechenland 400 neue Grenzwachen der EU-Grenzschutzbehörde Frontex. Zudem soll der aktuell 8 Meilen lange Grenzzaun entlang des Evros bis März 2021 expandiert werden. Das würde an die 63 Mio Euro kosten. Der Zaun sei wichtig für die Grenzverteidigung und den Schutz des Landes, sagte der zuständige Minister. Im Februar/März 2020 stürmten zehntausende illegale Migranten die Grenze zu Griechenland. Sie wurden von der Türkei in Massen dorthin gekarrt. Laut  griechischer Regierung konnten 50.000 Invasoren gestoppt werden.

Säbelrasseln wegen Öl und Gas

Auch im Hinblick auf die Konflikte mit der Türkei wegen der Förderung von Öl und Gas in zypriotischen bzw. griechischen Gewässern, will Griechenland seine Armee aufrüsten: mit neuen Waffen, mehr Personal und einer intensiveren Verteidigungsindustrie. Beide Seiten haben bereits Marine und Luftkräfte im östlichen Mittelmeer in Stellung gebracht. Die Türkei machte bereits unmissverständlich klar, dass es keine Einmischung von außen, insbesondere der EU dulde.