Der neue britische Premier heißt Boris Johnson. Bei der internen Parteiabstimmung der konservativen Torys siegte er mit überragender Mehrheit gegen seinen Konkurrenten Jeremy Hunt. Johnson folgt der glücklosen Theresa May, die an den EU-Austrittsverhandlungen scheiterte. Der neue Premier ist ein deklarierter Brexit-Befürworter und will diesen notfalls auch „hart“, also ohne weitere Verhandlungen, durchziehen.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

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Brexit soll bis 31. Oktober „geliefert“ werden

Am Tag seines Wahlsieges twitterte Johnson: Es ist Zeit, zu arbeiten und den Brexit bis 31. Oktober zu „liefern“, die Partei zu vereinen, Jeremy Corbyn (Anm. Red.: Parteichef der linken Labour-Partei) zu schlagen – und unserem Land Energie zu geben. Das sei sein Mantra, sagte er später in einer Ansprache vor den Torys. Der Brexit bringe einen neuen Geist des „wir können das“. Großbritannien werde wieder Selbstvertrauen haben: wie ein schlafender Riese werde man die Fesseln der Selbstzweifel und Negativität abwerfen. Mit besserer Bildung, besserer Infrastruktur, mehr Polizei, Breitbandnetz für alle Haushalten. Man werde dieses tolle Land vereinen und es voranbringen, sagte er.

Linker Labour-Chef wütet gegen Johnson

Labour-Chef Jeremy Corbyn fand keine guten Worte für Johnson: er sei ja eigentlich nicht repräsentativ gewählt worden, er habe die Wahl mit Versprechen wie Steuersenkungen für die Reichsten gewonnen, sich als Freund der Banken präsentiert und er treibe einen vernichtenden Brexit ohne Verhandlungen voran. Der „kalte“ Brexit bedeute Jobverluste, höhere Preise in den Geschäften und den Ausverkauf britischen Eigentums an US-Konzerne im Deal mit seinem Busenfreund Donald Trump. Labour werde einen harten Brexit keinesfalls unterstützen, sagte er. 

Londoner Bürgermeister, Außenminister, Premier

Der neue, britische Premier blickt auf ein buntes Leben und eine abwechslungsreiche Karriere zurück. Er wurde 1964 in New York geboren, sein voller Name ist Alexander Boris de Pfeffel Johnson. Er stammt aus reichem Haus, absolvierte Top-Schulen, ist zum zweiten Mal verheiratet und hat vier Kinder. Er war Journalist, scharfsinniger Politikkommentator und ging dann in die Politik zu den konservativen Torys. Von 2008 – 2016 war er Bürgermeister von London, von 2016-2018 britischer Außenminister. Dieses Amt legte er 2018 zurück – aus Protest gegen die Art, wie Theresa May die Brexit-Verhandlungen führte. Johnson war prominenter Vertreter der Brexit-Kampagne.

„Britischer Trump“

Häufig wird Johnson als „britischer Trump“ bezeichnet. Seine Freunde lieben ihn als humorvollen Intellektuellen. Für seine Feinde ist er ein rotes Tuch. Sie lehnen seine direkte Art zu sprechen ab. Johnson hat wenig übrig für politische Korrektheit. Er wurde deshalb schon als Rassist, frauenfeindlich und homophob beschimpft.