Die Idee von SPÖ-Chefin Gerstorfer, mit gekündigten technische Facharbeitern den Personal-Mangel in der Pflege auszugleichen, sorgt für Aufregung. Scharfe Kritik äußerten insbesondere mehrere Politiker der Freiheitlichen. 

So manche Realsatire scheint sich selbst zu schreiben – so auch im Fall der jüngsten Idee von Oberösterreichs SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer. Nachdem der Innviertler Flugzeugbau-Teile-Hersteller FACC etwa 650 seiner über 3.000 Mitarbeiter wegen der Corona-Wirtschaftsfolgen kündigen muss, schlägt die rote Politikerin diesen doch tatsächlich eine Karriere in der „krisensicheren Pflege“ vor. Die Kündigungen sollen den Standort Ried betreffen – und weniger die Niederlassungen in St. Martin im Innkreis und Reichersberg.

Steinkellner: Gerstorfer „verhöhnt beide Berufszweige“

Für Kopfschütteln sorgt dieser Vorschlag bei den Freiheitlichen. Landesrat Günther Steinkellner zeigte sich verwundert: „Wer den Luftfahrtingenieuren und technisch spezialisierten Facharbeitern von FACC eine kostenlose Pflegeausbildung in Aussicht stellen will, verhöhnt in Wahrheit beide Berufszweige“. Gerade der Zielberuf sei für viele darin arbeitende nicht nur Beruf, sondern Berufung.

Wenn die SPÖ-Politikerin an eine einfache Umschichtung technischer Fachkräfte in den Pflegebereich glaube, verkenne sie die Realität, so Steinkellner weiter. Diese sollte sich lieber in ihrem eigenen Sozialbereich um konstruktive Maßnahmen bemühen: „‚Schuster, bleib‘ bei deinem Leisten‘, heißt es im Volksmund und das sollte auch für Sozialreferentin Birgit Gerstorfer gelten“.

FP-Deimek fordert „weitsichtige Entscheidungen“

Ähnlich der Tenor von FPÖ-Innovationssprecher Gerhard Deimek, der den Stellenabbau in Ried „mit großen Bedauern“ zur Kenntnis nimmt. Die Überlegung, das gekündigte Personal als Pfleger einzusetzen, hält er „für völlig falsch.“ Eine Umschulung sei langwierig, teuer und ziele an den Bedürfnisse beider Seite vorbei. Die Landesregierung müssen vielmehr die Betroffenen so unterstützen, dass diese ihr Potenzial an einem neuen Arbeitsplatz „voll ausschöpfen können“. Die „Luftschlösser“ von Gerstorfer seien dabei nicht zuträglich.

Kritik übte Deimek auch an der türkis-grünen Bundesregierung. Diese habe die wirtschaftlichen Turbulenzen im Land mitversursacht und gerade den Industrie-Standort Oberösterreich hart getroffen. Er selbst habe allerdings bereits Vorarbeit geleistet und mit Innovationsbetrieben im Bundesland Kontakt aufgenommen, um den Einsatz für möglichst viele FACC-Mitarbeiter auszuloten. Die Verantwortlichen in Land und Bund müssten „weitsichtige und nachhaltige Entscheidungen“ treffen, um bestmöglich zu helfen.