Manchmal kann man gar nicht so viel essen, wie man speiben möchte. Und bei den Sondereinladungen, die sich die Vertreter der türkis-grünen Gestalten regelmäßig gönnen, muss man sich da selber an der Nase nehmen, um nicht vor lauter Grant eine Bulimie im übertragenen Sinne zu entwickeln. Aber was sich Grüne im Hinblick auf zweierlei Maß und Doppelmoral gerade in meiner Wiege Tirol erlauben, schlägt dem Fass den Boden aus. Sie zeigen mit den Fingern, die sie gerade im Kuchen hatten, auf andere.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Mit welchem Eifer sich der grüne Klubchef Gebi Mair sich noch in der Vorwoche über einen Busunternehmer aufregte, der mit dem Bus voller Testnegativer zur regierungskritischen Demo in Wien aufbrach! Weil dessen Firma am Gemeindegebiet von Arzl im Pitztal liegt, wo – übrigens rund um die Volksschule – ein Corona-Cluster entstand, war die Sache für ihn klar. Mit aller ihm möglichen Öffentlichkeit schob er dem sympathischen Oberländer entgegen jeder Faktenlage den schwarzen Peter zu. Eine Entschuldigung steht bis heute aus. Die gibt’s dafür für eine unlängst begangene Grünen-„Corona-Party“.

Scheinheilige Grüne pfeifen auf eigene Regeln

Im Bildungshaus St. Michael, einer kirchlichen Einrichtung in Pfons im idyllischen Wipptal, versammelte man sich nämlich zu einer „Arbeitsklausur“. Aber wie das eben so ist: Während der Gesundheitsminister aus eigenen Reihen braven Bürgerlein anschafft, um 20 Uhr zuhause zu sein – für die grüne Hautevollée gelten andere Regeln. Stundenlang, bis in gar unchristliche Uhrzeiten, saßen sie beisammen und genossen die Geselligkeit. Jede Abstandsregel war vergessen, auch die ach so heilige Maskenpflicht war ihnen einerlei.

Bitte, lieber Leser, verstehen Sie mich hier nicht falsch. Ich habe jedes Verständnis dafür, wenn Menschen sich den absolut abstrusen Regeln widersetzen und jede Gelegenheit am Schopf packen, das gesellschaftliche Leben auszukosten. Persönliche Beziehungen zu pflegen ist gerade in dieser Zeit wichtig: Es stärkt die Seele und das Immunsystem und gibt uns ein wenig von jener „alten Normalität“, die uns die Regierung seit über einem Jahr vorenthält. Aber: Von jenen Riegen, die ebendiese Regeln verbrochen haben, ist es eine ziemlich scheinheilige Aktion.

Es folgt die billige Rechtfertigungsmasche

Scheinheilig ist daran auch der untaugliche Rechtfertigungsversuch auf Facebook. Man traf sich in Präsenz, weil der „persönliche Austausch digital nicht völlig kompensiert werden kann“. Man sei ja nur „in einem Moment unaufmerksam und inkonsequent“ gewesen. Ja, man habe die Vorbildfunktion vermissen lassen. Das tue ihnen so unendlich Leid. Mag alles sein und verstehe ich auch. Ich würde auch gerne wieder einmal beim Dorfwirten mit meinen Freunden ordentlich einen heben und kann es nicht, weil eure Leute die Gastronomie seit bald fünf Monaten geschlossen halten.

Aber ihr zieht’s das ganze durch, während eure Vertreter sich fragen, warum die Polizei in Wien nicht mit voller Härte auf friedliche Demonstranten losknüppelt. Während ihr dazu schweigt, wenn Jugendliche für kleine Zusammenkünfte drakonische Geldstrafen ausfassen. Und ihr bittet um Verständnis für euer Treffen, während eure Leute beim Volk für Verständnis dafür werben, dass man in Teilen des Landes ungetestet bald nicht mehr in die Arbeit oder in den Blumenladen kommt.

Hauptsache grüne Häme nach Storchenfeier in OÖ

„Nur eine Stunde“ wollen die Grünen die von ihnen mitbeschlossenen, absurden Regeln nicht eingehalten haben. Das sind vierzig Minuten mehr als der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner bei der Storchenfeier in seinem Heimatort war. Diese war zwar legbar nicht die Quelle seiner Ansteckung, die mittlerweile leider zu einem schweren Verlauf führte.

Für den Chefredakteur im grün-affinen Bildungsbürgertum gerne gelesenen „Falter“ trotzdem ein Grund, darüber im Fernsehen Witze zu machen. Und wenn man FPÖ-Tirol-Chef Markus Abwerzger glauben darf, war auch in der grünen Bubble die eine oder andere hämische Bemerkung zu lesen. Zur Geburt gratulieren, eindeutig leichter zu verschieben als ein grünes Arbeitstreffen, wie wir alle wissen.

Verbots- und Vernaderungspartei heuchelt Reue

Und ja, liebe Grüne: Erzählen könnt ihr eure Reumütigkeit ja vielen. Am Besten ihr fangt bei denen an, die ihre Familien in Bayern oder Südtirol wegen eurer abstrusen Regeln nicht mehr oder nur mehr äußerst erschwert sehen können. Oder bei den Kindern, die sich inzwischen drei mal die Woche ein Staberl in die Nase rammen müssen, um überhaupt ihr Recht auf Bildung in der Schule wahrnehmen zu können. All diesen Leute, die ihr dazu zwingt, euch diesem Diktat unterzuordnen, schlagt ihr ins Gesicht.

Nicht, dass diese Überheblichkeit neu wäre. Die Grünen galten schon lange als Partei der Verbote, der Vernaderungen und des Glaubens, man sei etwas Besseres. Mit dieser recht überheblichen Tour flogen sie vor dreieinhalb Jahren aus dem Parlament, auch regional fiel eine Hochburg nach der anderen. Nur durch die glückliche Fügung der Klima-Proteste und der folgenden Neuwahl kamen sie überhaupt wieder ins Hohe Haus, anschließend in die Regierung. Dort stinkt man seit einem Jahr jetzt mit wohlig warmen, vollen Hosen. 

Sie richten es sich einfach, wie sie es brauchen…

Dass es die gnädigen Damen und Herren der Regierungsparteien nicht so genau nehmen, sich nicht als Teil des Volkes sehen, verwundert kaum. Immerhin lebt es ja der türkise Kanzler mit den Seinen vor. Vom Kleinwalsertal bis zum geselligen Klubtreffen in der Parlamentskantine gilt stets „quod licet Iovi, non licet bovi“ (was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindvieh nicht erlaubt).

Da kann man sich ja schon ein bisserl Staatsmännlichkeit abschauen? Und man lernte schnell: Schon im vergangenen Frühjahr trafen sich die Grünen hintenrum schamlos zum Corona-Brunch. Dem Volk machte man damals zwischen Ostern und Muttertag freilich Vorschriften, wie man sich zu treffen hatte – und wie nicht.

Gefährlich oder übertrieben: Entscheidet euch endlich!

Wie schon gesagt: Mir ist es ja herzlich wurscht, wenn’s ein Glaserl z’samm trinkt’s und vielleicht bei der Klausur noch spät der Schmäh rennt. Aber entscheidet euch: entweder es ist eine ungemein gefährliche Seuche, die man nur mit dem Hammer bekämpfen kann. Dann kennt sie keinen sozialen oder politischen Unterschied, denn „intelligente Viren“, die nach Gesinnung selektieren, gibt es nicht. Auch wenn ihr das gerne hättet.

Oder ihr hört mit euren totalitären Regeln auf und schaut euch endlich von den Schweden oder den Weißrussen ab, dass man mit sanften Empfehlungen an die Bürger und ohne Dauerlockdown mindestens genauso gut durchkommt. Aber mit Fingern voller Krümel und Sahne auf den vermeintlichen Kuchendieb namens Volk zu zeigen – das steht euch wirklich nicht.