Gelten als Galionsfiguren von "Fridays for Future": Luisa Neubauer (li.) und Greta Thunberg (mi.)

Die öffentliche Debatte um eine angebliche Klimakrise dominierte das Vorjahr. Um sich im Gespräch zu halten, kommen Galionsfiguren der Klimabewegung aber auf immer verrücktere Vorschläge – und zerstören den eigentlichen Naturschutzgedanken immer weiter. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Greta Thunberg und Luisa Neubauer sind zurück: Und haben eine weltfremde Forderung im Gepäck. Jedes Kind könne erkennen, dass die Klimakrise nicht „innerhalb des heutigen Systems“ zu lösen sei. Dieses sei irreparabel, aber auch nicht kaputt, sondern täte genau, was es tun soll. Die einzige Lösung dafür sei: „Wir brauchen ein neues System!“

Greta und ein absurder Katalog an Forderungen

Neben der Standortbestimmung bieten sie gleich die vermeintliche Lösung an – die aus den üblichen Worthülsen besteht. Begrenzte CO2-Budgets, ein Ende fossiler Brennstoffe und die Anerkennung der sogenannten Klimakrise als Krise. Weiters Maßnahmen, die „ökonomische, rassistische und geschlechtsspezifische Ungleichheit verringern“. Der internationale Gerichtshof solle Ökozid als Straftatbestand anerkennen, damit endlich keine Ausbeutung der Natur auf der Welt mehr…

Warte mal kurz: Haben die schwedische Klimaheilige und ihre in der Welt umher jettende grüne Adjutantin aus Deutschland gerade ernsthaft das Bedürfnis nach einer intakten Natur mit Themen vermischt, die sonst nur aus dem Mund linksradikaler Weltverbesserer auf der ewigen Suche nach dem „neuen Menschen“? Ja, sie haben. Überraschend ist das freilich nicht mehr, nachdem sie sich bereits mit Fäkalien werfenden Baumbesetzern ablichten ließen und Teile ihrer Bewegung längst auf anderen linken Demos selbstverständlich mitmischen.

Das Spielfeld wurde den Linken überlassen

Ich habe in meinem Leben schon viel Unfug gehört – aber der Glaube, dass irgendwelche Umstürze nach neo-marxistischem Modell dafür sorgen, dass unsere Kinder noch saubere Luft zum Atmen und klares Wasser zum Trinken haben, ist schon besonders hanebüchen. Aber sie kommen damit durch, weil linke Weltverbesserer seit Jahren das Umweltthema  für ihre Zwecke monopolisieren. 

Ganz egal, wie unrealistisch ihre Pläne, wie undurchführbar und schädlich ihre Lösungen sind: Sie bleiben unwidersprochen. Egal wie viele tausend Tonnen Stahlbeton pro Windrad anfallen – und egal wie sehr man die halbe Welt zur Gewinnung der Rohstoffe für E-Autos ausbeuten muss. Konservative und Rechte ließen sich beim ehemaligen Kernthema von Linken auf der Suche nach einem neuen Spielfeld die Butter vom Brot nehmen – und sind auf diesem heute maximal Zaungast.

Die grüne Ökologie-Lebenslüge

Der Erhalt des unmittelbaren Umfeldes als Lebensquelle heimatverbundener Gesinnung – dieser Gedanke stammt ganz offensichtlich aus der wertkonservativen Gedankenwelt. Und wer seine Heimat liebt, der schützt sie auch tagtäglich. Ich verbringe den Urlaub in der Nähe, pendle mit dem Zug zur Arbeit und kaufe Lebensmittel beim regionalen Bauer, Metzger und Bäcker. Die Limonade kommt wie in der Kindheit aus der Pfand-Glasflasche – es scheint als logische Konsequenz.

Auch Klimabewegte predigen diese Alltagsökologie heute – und spielen nicht zufällig mit dem Bedürfnis der Menschen, einer hektischen und aus den Fugen geratenden Welt eine Art Rückbesinnung anzubieten, die sie gleichzeitig als dynamischen Fortschritt anpreisen. Dabei verfehlen sie selbst die eigenen Ansprüche – gerade grüne Politiker und ihre Wähler sind statistisch etwa die größten Vielflieger. Ihr Lebensstil ist weltbürgerlich und auf Konsum ausgerichtet – eine schlechte Voraussetzung also.

Grundbedürfnisse als Schalthebel für Ideologen

Dabei ist schon länger bekannt, dass Grüne und ihre Jünger die Wahlerfolge immer aus dem Grundbedürfnis nach Heimat und Umwelt beziehen – und nicht aus Verbotsfantasien, einer Liebe für abstrakte Kunst oder der Aussicht auf das globale Dorf. Und dort lauert die eigentliche Gefahr. Denn sie vermischen das offensichtlich Erstrebenswerte – den Erhalt von Natur- und Kulturräumen – mit ihrer eigenen verqueren Ideologie. 

Plötzlich ist es das Gebot der Stunde, sogenannte „Klimaflüchtlinge“ importieren zu wollen und unser Land zu übervölkern. Das globale Ausmaß des Weltklimas nützen sie für die Forderung nach der Abschaffung aller Grenzen und des Nationalstaats. Und anstatt auch generell globale Lieferketten zu kappen und die Produktion in die Region zu verlegen, um die Bindung der Menschen an ihren Landstrich zu erhöhen, schwebt ihnen oft eine Abart quasi-kommunistischer Gesellschaftsordnungen vor.

Deutungshoheit auch ein Kampf um die Jugend

Gefährlich ist das vor allem auch deshalb, weil sie hier ihre gesamte metapolitische Macht ausspielen können, um die Jugend an sich zu binden. Mit den Keksen der intakten Natur auf die dunkle Seite gelockt, werden sie dort mit Denkmustern überschüttet, an deren Ende sie im Ernstfall als universell für ihre zahlreichen Utopien und Baustellen am Weg dorthin einsetzbarer linksradikaler Zombie wieder heraus kommen.

Wenn wir schon eingestehen, dass die Jugend ein politisches Kapital darstellt, müssen wir beginnen es zu nützen und diesen Leuten somit den Zugang dazu abdrehen. Für Greta, Luisa und ein paar andere – die sicherlich irgendwann mit Idealismus zur Sache kamen – ist es wohl zu spät. Für deine 12-jährige Tochter, die in eben diesen mangels anderer Sinnbilder ein Idol für die Erhaltung von Wald und Wiesen neben Opas Bauernhof sieht, ist der Zug hingegen noch nicht abgefahren.