Schon lange Jahre schwelt die Diskussion um Alexander Von der Bellens „mutmaßliche“ Mitgliedschaft bei den Freimaurern. Doch was daran sind Fake-News und was Fakten?

Von Guido Grandt

Bereits im September 2008 gestand der Bundessprecher und Klubobmann der GRÜNEN ein, Mitte der 1970er Jahre in die „damals einzige Innsbrucker Loge aufgenommen“ worden und dort „etwa ein Jahr lang aktiv“ gewesen zu sein, was heißen würde, an den Sitzungen teilgenommen zu haben. „Danach habe ich als rein passives Mitglied noch etwa 10 Jahre lang den Mitgliedsbeitrag bezahlt und bin schließlich auf meinen expliziten Wunsch hin ausgeschieden.“

Nicht wirklich auskunftsfreudig

Normalerweise jedoch wird der Bund mit den Freimaurern für das ganze Leben geschlossen und keineswegs in „Teilzeit“.
Wie dem auch sei, der Grünen-Politiker bekannte sich mehr oder weniger offen zu einer früheren Mitgliedschaft bei den Freimaurern. Allerdings verteidigte er sich: „’Meine’ Loge in Innsbruck war jedenfalls ein Klub ehrenhafter Bürger, mit interessanten Diskussionsabenden (ohne jeden Beleg für irgendeine Verschwörungsabsicht) auf relativ hohem intellektuellen Niveau. Über andere Logen kann ich keine Auskunft geben.“ Diese Aussagen stammen nicht etwa aus einer kruden Verschwörungsecke, sondern aus dem Forum „Mein Parlament“ des „Kurier“. Und zwar aufgrund einer kritischen Frage einer Forumsteilnehmerin sowie der dementsprechenden Antwort des Grünen-Politikers. Interessanterweise sind diese Einträge längst gelöscht.
Eine Logenzugehörigkeit VdBs ist insoweit von noch größerer Bedeutung, weil dieser im Januar 2017 zum österreichischen Bundespräsidenten angelobt wurde. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass jener Aspekt schon 2016 im Wahlkampf thematisiert wurde. Sein damaliger politischer Kontrahent, Norbert Hofer (FPÖ), ging in einem TV-Duell (Puls4) zur ersten Stichwahl sogar explizit darauf ein.
Er bezeichnete den Grünen nicht nur als vergesslich, sondern auch als Freimaurer. Mehr noch: von einer Berliner Freimaurer-Organisation unterstützt zu werden.

Debatte vor der Präsidentenwahl

Van der Bellen wollte davon nichts wissen, freue sich jedoch über „jede Unterstützung“, wie er meinte. Beweise für den Vorwurf konnte Hofer allerdings nicht vorlegen.
Laut einem Logen-Kenner könnte der damalige FPÖ-Spitzenkandidat die Universelle Freimaurerliga (UFL) gemeint haben. Im Mai 2016 äußerte sich Van der Bellen in einem Wahlinterview in der ZIB 2 noch kryptischer. Auf die Frage des Moderators Armin Wolf hin, ob er noch Freimaurer sei, antwortete der Grüne: „Meines Wissens nicht. Ich bin dann nach Wien gegangen und da hab(e) ich einfach andere Interessen entwickelt.“

Spielt er den Unwissenden?

Aber was heißt „meines Wissens nicht?“ Wusste und weiß Van der Bellen tatsächlich nicht, ob er noch Mitglied in diesem exklusiven Bund ist? Das scheint mehr als unglaubwürdig und sieht nach reiner Schutzbehauptung aus! Jedem, der sich nur halbwegs mit der Freimaurerei auskennt, ist bewusst, dass die „Brüder im Geiste“ per Eid an eine lebenslange Mitgliedschaft gebunden sind. Wer diesen Eid bricht, gilt als Abtrünniger. Ein Ausstieg, wie bei etwa bei einem herkömmlichen Verein, ist nicht einfach so möglich, außer er wird wegen Vergehens ausgeschlossen.
Nach dem Wahlkampf war es nicht verwunderlich, dass die Großloge von Österreich auf den Sieg eines (zumindest damals) „ihrigen« reagierte, vor allem jedoch die Verschwörungskeule auspackte: „A bissel Freimaurerei im Wahlkampf“ heißt es da. „Wir Freimaurer haben das mit Interesse verfolgt: fast ein wenig belustigt, jedenfalls aber verwundert, dass so etwas immer noch als Waffe herhalten soll, auch wenn diese längst stumpf und rostig ist.“

Loge bestätigt Mitgliedschaft

Dennoch wurde Van der Bellens Mitgliedschaft in der Innsbrucker Loge in den 1970igern von der Großloge bestätigt. Doch wer das Prozedere bei den Freimaurern kennt, der muss davon ausgehen, dass der Grüne auch heute noch das blau-weiße Schürzl trägt, ganz egal, was er in der Öffentlichkeit zum Besten gibt. Und ganz egal, was die Mainstreammedien, wie etwa Die Presse im Jahr 2016 verlautbaren ließ: „Nachforschungen ergeben nun: Nein, Alexander Van der Bellen ist kein Mitglied der Freimaurer. Aber: Alexander Van der Bellen war Freimaurer.“

Ist er weiterhin Logenbruder?

In seinem 2018 erschienenen Buch Die Freimaurer – Geheime Rituale und Millionendeals, führt der Autor Manfred Wrussnig einen weiteren Aspekt an: Demnach hätte der Großindustrielle Hans Peter Haselsteiner seinem „einstigen Logenbruder und Präsidentschaftskandidaten“ Alexander Van der Bellen eine Wahlkampfspende von 100.000 Euro zukommen lassen. Wrussnig postete in verschiedenen Zeitungen: „Klar, dass ein Freimaurer wie Haselsteiner seinen Logenbruder Van der Bellen unterstützt.“
Im Januar 2018 brachte Der Standard eine Interview mit Haselsteiner, in dem unter anderem auch dessen Unterstützung Van der Bellens erwähnt wurde. Allerdings ohne die Angabe der geflossenen Geldbeträge.

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