Nun wird bald auch Gmunden zum Tatort eines Provinzkrimis, den der langjährige „Wiener Café“-Kellner und Buchautor Alfred Ziermayr schreibt. Dafür sei es allerhöchste Zeit gewesen, sagt der Gschwandter, der sein neuestes Werk bis zum Herbst in der Rohfassung fertiggestellt haben will.

Ein Porträt von Kurt Guggenbichler

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Fünf Bücher hat er bereits geschrieben, doch leben kann er davon nicht. Deshalb arbeitet Alfred seit Anfang dieser Woche wieder als Kellner im Laakirchner Traditionsgasthaus Bader, in dem sich einst auch schon ein anderer Buchautor tummelte, wenn auch nicht als Kellner, sondern als Gast: Thomas Bernhard.

Doch der in Ohlsdorf beheimatet gewesene Schriftsteller hat ein ganz anderes Feld der Literatur beackert als der 55-jährige Ziermayr. Alfred hat sich dem Unterhaltungsgenre verschrieben. Vor allem Satirisches schreibt er gern und auch recht talentiert.

Talentiert

Das zeigt er erneut mit seinem letzten Buch „Aufgetischt & Abserviert“. Darin hat der in Steinbach an der Steyr geborene Ziermayr einige lustige Geschichten aus seinem Berufsleben als Ober verarbeitet und auch schon viel Applaus dafür kassiert – zuletzt erst wieder bei seiner Lesung vorige Woche in der Bücherei seines Heimatortes Gschwandt.

Dabei sei er erst mit 35 Jahren seinem Schreibdrang erlegen. Eine Begabung dafür hätte er allerdings bereits mit zwölf Jahren verspürt, erläutert Fredl: „Doch diese Leidenschaft habe ich zunächst einmal drastisch ermordet.“

Er habe sie einfach „ignoriert“, resümiert er beim Gespräch mit dem Wochenblick, einer Zeitung, „die ich sehr mag“, wie er nebenbei bemerkt.

Doch wirklich konsequent und auf Dauer hat sich der Fredl, der einmal den Beruf eines Elektrikers erlernt hatte, seiner Schreibleidenschaft nicht zu entziehen vermocht. „Zwischendurch habe ich schon immer wieder einmal zu Feder und Papier gegriffen…“

Das sei auch gut so gewesen, findet er, weil „ich nämlich der schlechteste Elektriker auf dem ganzen Erdball gewesen bin – es war eben nicht meins.“

Milieu-Studien

Seins, so viel steht fest, ist auf jeden Fall das Geschichten schreiben. Trotzdem wechselte er nach seinem „Elektrikerabenteuer“ beruflich in die Gastronomie, weil er auch etwas Handfestes brauchte, mit dem er sich seinen Lebensunterhalt verdienen konnte.

1999 begann Ziermayr im Gmundner „Wiener Café“ als Kellner zu arbeiten, wo er auch sehr viel Stoff für sein späteres Buch sammelte. Denn in 17 Jahren komme schon ganz schön was zusammen.

„Kaum ein Gast bestellt heute noch ein Gericht so wie es auf der Karte steht“, plaudert Fredl aus dem Nähkästchen: „Die Leute konstruieren sich heute ihre eigenen Speisen: beispielsweise Wiener Schnitzel mit Käsespätzle oder Gulasch mit Spargel.

Weil dies einen erheblichen Mehraufwand für die Küche bedeutet, habe ich einmal vorgeschlagen, diese Spezialwünsche extra zu verrechnen – vergeblich. Das wäre sicher ein Bombengeschäft geworden.“

Eifersuchtsmord

Aber auch Ober, so eine weitere Beobachtung und Erfahrung, können ziemlich lästig sein. Denn wer nur ein Bier bestelle, der brauche keinen wissenschaftlichen Vortrag über die Sortenvielfalt, betont Ziermayr. „Hochmotivierte und seminargetränkte Kellner können die Gäste oft schon an den Rand der Verzweiflung bringen.“

Einen Krimi, in dem Alfred den Verzweiflungsmord eines Gastes an einem Ober thematisierte, hat er dann doch nicht schreiben wollen. Doch im Wirte-Milieu wird sein neuer Gmunden-Thriller schon spielen, lässt er durchblicken. Aber um welches Verbrechen wird es konkret in seiner Geschichte gehen? Autor Alfred Ziermayr: „Um einen Eifersuchtsmord!“