Es war ein bestialischer Mord im Tschetschenen-Milieu, der aufgrund seiner Brutalität sprachlos machte. Ein 16-Jähriger hatte im Mai 2018 einem wehrlosen 7-jährigen Nachbarsmädchen fast vollständig den Kopf abgetrennt. Kein Österreicher konnte nachvollziehen, was in einem Menschen vorgehen mag, der zu so einer Tat fähig ist. In seinem ersten Verfahren im Dezember 2018 wurde der Jugendliche zu 13 Monaten Haft verurteilt. Dem Antrag auf Revision wurde stattgegeben, aufgrund von Verfahrensfehlern bei der Feststellung der Zurechnungsfähigkeit des Täters war der Prozess zu wiederholen. Dabei wurde die Freiheitsstrafe jetzt um ein Jahr reduziert.

Die Höchststrafe für das Verbrechen liegt in Österreich bei 15 Jahren. Diesen Strafrahmen hat weder das erste noch das zweite Gericht ausgeschöpft. Die Wiederholung des Verfahrens wurde notwendig, weil sich zwei Gutachten zum Geisteszustand des Täters widersprachen. Ein abschließendes Gutachten hielt nun fest, dass der junge Mann bei seiner Tat voll zurechnungsfähig war.

Seltsame familiäre Begleitumstände

Der Täter trägt, obwohl in Tschetschenien geboren, den Namen Robert K. So merkwürdig wie der Name sind die Begleitumstände, denn er und seine Familie lebten im noblen Döbling in einer ebenso nobel ausgestatteten Gemeindebauwohnung. Er besuchte ein gehobenes Gymnasium. Wie es dazu kam, dass eine tschetschenische Familie unter neuem Namen in Wien lebt, wurde nie geklärt. Für die Beurteilung der schrecklichen Tat ist das wohl auch nicht wichtig.

Täter und Opfer aus Tschetschenien

Auch sein Opfer, das 7-jährige Nachbarsmädchen war tschetschenischer Abstammung. Als Motiv gab der Mörder an, dass er eine aufgestaute Wut in sich trug. Außerdem machte seine Verteidigung geltend, dass er Stimmen gehört habe. Allerdings konnte man ihm nachweisen, dass er den Mord über Monate hinweg geplant hatte. In Chats sprach er im Vorfeld über sein Vorhaben, einen Menschen zu töten.

Urteil immer noch nicht rechtskräftig

Morgen, also einem Tag nach dem Urteil, soll Robert K. das 18. Lebensjahr erreichen. Ihm steht eine lange Zeit im Gefängnis bevor. Nach der Haft, so das Gericht, soll er in eine Anstalt eingewiesen werden. Mehrere Gutachten bescheinigten, dass er nach wie vor brandgefährlich sei. „Er würde jederzeit wieder töten“, lautet die Einschätzung der Mediziner. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die häufig bei spektakulären Prozessen in Erscheinung tretende Verteidigerin Liane Hirschbrich hat umgehend Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung angemeldet.

Welche Umstände dazu führten, dass dem heimtückischen Kindermörder bei der Wiederholung des Verfahrens ein Jahr Haft gestrichen wurde, sind nicht bekannt. Jetzt darf man gespannt auf die Entscheidung der nächsten Instanz warten.