Seit Hainburg durch den Kampf um die Rettung der Donau-Auen Schlagzeilen machte, kennt man den Namen dieses kleinen Ortes. Aber wer hat dieses idyllisch gelegene Städtchen im östlichen Zipfel Niederösterreichs jemals besucht?

Ein Reisetipp von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

In dem nur zweieinhalb Autostunden von Oberösterreich entfernten Ausflugsziel und seiner Umgebung gibt es nämlich jede Menge zu sehen. Die Rose blüht, der Dorn der sticht, wer gleich bezahlt, vergisst es nicht! Mit diesen Worten pflegte Herr Gunther, der legendäre Oberkellner des Gasthauses „Goldene Krone“ in Hainburg, einst seine Gäste zur Begleichung der Rechnung zu ermuntern.

Hainburg und Umgebung hat mehr zu bieten als nur schöne Donau-Auen

Herr Gunther ist längst im Ruhestand und seine ehemalige Arbeitsstätte hat ihren Ruf als erstes Haus am Platz längst eingebüßt. Mit meinen Freunden und Bekannten habe ich dort während meiner Militärdienstzeit viele schöne Stunden verbracht – wie auch im Rest des hübsch gelegenen Donaustädtchens mit seiner sehenswerten Umgebung.

Fast drei Jahre lang war ich in Hainburg zu Hause gewesen und als ich ging, ließ ich einen Koffer voller Erinnerungen zurück. Seitdem komme ich immer wieder einmal, um diesen Koffer zu öffnen und die Veränderungen in Hainburg und Umgebung in Augenschein zu nehmen.

Bei meinen Hainburg-Besuchen wohne ich gern im Hotel „Altes Kloster“ im Zentrum der Stadt, welches ein idealer Ausgangspunkt für meine Ausflüge ins Umland ist. Denn nicht einmal zwanzig Autominuten brauche ich zu den schönen Marchfeld-Schlössern und auch die Reste des ehemals römischen Militärlagers Carnuntum, das man zum Teil wieder aufgebaut hat, liegen praktisch vor der Tür. Dort bin ich dann auch schon mittendrin im gleichnamigen Weinanbaugebiet mit seinen guten Tropfen. Ums Eck herum lockt das hübsch gelegene „Kellerstrassl“ in Prellenkirchen.

Viel Natur

Hübsch ist auch Hainburgs Lage zwischen Schlossberg, Donau und Braunsberg, von wo aus man nicht nur die schöne Au-Landschaft und das Marchfeld überblickt, sondern auch Pressburg, dessen Vorstädte zum Greifen nahe sind. Doch Hainburg bietet nicht nur landschaftliche Idylle, es ist auch ein geschichtsträchtiger Ort.

In der ehemaligen Burg auf dem Schlossberg, von der heute noch einige Reste übrig sind, wurden einst Ottokar von Böhmen und Margarethe von Österreich getraut. Lange davor sollen dort der Sage nach die Nibelungen auf ihrem Zug in den Osten genächtigt haben.

Eine Menge Geschichte

Das wuchtige Stadttor, das Wiener Tor, ist das Wahrzeichen von Hainburg und wurde mit einem Teil des Lösegeldes errichtet, das Herzog Leopold und der Stauferkaiser Heinrich VI. für die Freilassung des englischen Königs Richard Löwenherz‘ erpressten. Dass der Großvater des Komponisten Joseph Haydn als einer der wenigen den blutigen Überfall der Türken auf Hainburg im Jahr 1683 überlebte, ist kaum bekannt, aber ein Glück, weil es sonst seinen musikalisch begabten Enkel nicht gegeben hätte.

Joseph Haydns Geburtshaus in Rohrau liegt nur 30 Autominuten südlich von Hainburg entfernt. Unbedingt anschauen sollte man sich auch das nördlich der Donau gelegene und in den letzten Jahren fein herausgeputzte Schloss Hof wie auch das Notquartier des letzten österreichischen Kaisers, das Schloss Eckartsau, in dem Karl mit seiner Familie den Zusammenbruch der Monarchie erlebte.

Alte Gassen

Von dort aus ist es dann nur noch ein Katzensprung nach Schloss Orth, wo sich das Zentrum des Nationalparks Donau-Auen befindet. Schlossinsel und Schloss-Museum lohnen ebenfalls einen Besuch, den man mit dem Verzehr eines Zanders im legendären Orther Fischrestaurant Uferhaus an der Donau beschließen sollte.

Wieder zurück in Hainburg empfehle ich noch eine geführte Stadtbesichtigung, falls man nicht die Zeit hatte, sich vorher selbst über das historisch sehenswerte Angebot der Stadt zu informieren.

Lange Mauer

Bei Spaziergängen durch die Gassen Hainburgs muss man aber schon sehr genau hinschauen, um Teile der noch relativ gut erhaltenen, aber großteils mit Gärten und Häusern zugebauten 2,5 Kilometer langen Stadtmauer mit ihren 14 Türmen und 13 turmartigen Strebepfeilern zu entdecken.

Hätte man sie zur Gänze freigelegt und kleine Lücken ergänzt, würde man sie nach Einschätzung von Historikern durchaus mit den Stadtmauern von Avignon, Carcassonne oder Avila vergleichen können. Ein schönes Detailstück dieser Hainburger Mauer kann man im Gastgarten des Hotel-Restaurants „Goldener Anker“ an der Donaulände bewundern, wo einem auch schon mal Innenminister Wolfgang Sobotka ganz privat über den Weg zu laufen vermag.

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