Knapp eine Million legale Lang- und Faustfeuerwaffen sind in Österreich derzeit registriert. Für viele Menschen käme eine derartige Bewaffnung nie und nimmer in Frage. Immer mehr Bürger greifen aber zu „leichter“ Bewaffnung wie Gas- oder Pfeffersprays, um ihr subjektives Sicherheitsgefühl zu erhöhen.

Gleich hinter der tschechischen Grenze sind diese Sprays günstig zu haben – ebenso wie andere mehr oder weniger legale Waffen. Ein Lokalaugenschein des „Wochenblicks“.

Brutaler Waffenflohmarkt im Ausland! 1

Fahrtrichtung Norden, eine knappe halbe Autostunde nach Linz ist die tschechische Grenze erreicht. Ein paar hundert Meter hinter dem ehemaligen Grenzbalken, im Dörfchen Studanky, tauchen die ersten Läden und Standln auf, die vornehmlich in der Hand von Vietnamesen sind. Neben jeder Menge Billig-Ramsch aus Fernost, gefälschter Markenkleidung und „original“ Parfums gibt es hier auch ein umfassendes Sortiment an mehr oder weniger „leichter“ Bewaffnung.

Der ganz große Renner sind Reizgas- und Pfeffersprays, die in ganzen Paletten an der Kassa platziert sind und smarte fünf Euro kosten. „Jeder kaufen Spray“, sagt uns ein Händler in gebrochenem Deutsch. Stefanie (24), Kellnerin aus Wels, betätigt sich als Großeinkäuferin – sie nimmt gleich zehn Sprays mit: „Für Freundinnen. Die Dinger sind super, ich hab sie schon öfters benutzt. Funktionieren ganz leicht, sind eigentlich harmlos, geben mir aber Sicherheit, wenn ich alleine bin.“

Aber es gibt hier – in diesem ganz besonderen Supermarkt – noch viel mehr: Zwischen gefälschten Jeans und Billig­uhren warten auch ziemlich gefährliche und bei uns verbotene Waffen auf Käufer. Da wären zum Beispiel Profi-Schleudern mit
8-mm-Stahlkugeln: Saugefährlich und mit einer Reichweite von bis zu 300 Metern. Bis 100 Meter lässt sich damit sogar punktgenau zielen – und was oder wen auch immer treffen. Nicht auszudenken, was man damit alles anstellen kann…

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Schlagringe und Stahlruten

Gleich daneben: Springmesser in großer Auswahl, die günstigeren Modelle gibt‘s bereits um sechs Euro. Ebenfalls hier überall zu haben: Schlagringe und martialisch anmutende Totschläger (6 Euro).

Auch ausziehbare Stahlruten und die aus Jacky-Chan-Filmen bekannten „Nunchakos“ – beides bei uns verboten, gibt‘s hier in formidabler Auswahl – sind neben Glasnudeln und Handyhüllen ein Verkaufsschlager. Elektroschocker sind ab zehn Euro auch im Sortiment vertreten. „Sind aber nicht empfehlenswert“, verrät uns der 19-jährige Stefan aus Linz. Die Dinger würden nicht ordentlich funktionieren. „Die meisten sind Schrott und kitzeln nur ein bisschen.“

Wer so einen Mist kauft? Anscheinend gar nicht so wenige: „Viele junge, aber auch Frau und alte Mann“, beruhigt uns der vietnamesische Händler gleichermaßen holprig wie grinsend. Na hoffen wir mal, dass dieses Zeugs nicht in falsche Hände gerät. Denn es liegt auf der Hand, dass nicht nur verängstigte junge Frauen hierher kommen um Pfefferspray zu kaufen…

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