Dass gutes Essen Leib und Seele zusammenhält, ist vermutlich nicht nur eine oberösterreichische Erkenntnis, auch wenn das zu den Grundüberzeugungen der Menschen in diesem Land gehört und vor allem auf eine Region ganz besonders zuzutreffen scheint: Das Innviertel.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

Dekorativ züngelt die Flamme im Kamin der „Alten Schmiede“ in Oberndorf am Inn, wo schon lange kein glühendes Eisen mehr zurechtgehämmert wird. Heute werden in dem 200 Jahre alten Hanghaus nur noch Gaumenfreuden produziert, die der Koch Gerhard Vimpolsek in der kleinen Küche des Wirtshauses zubereitet, darunter oft auch ein deftiges Innviertler Bratl in der Rein.

Ich bekomme leider keines, als ich überraschend in der „Alten Schmiede“ reinschneie, weil man den Schweinsbraten vorbestellen müsse und man mindestens fünf Mitesser dafür benötige, wie mir Wirtin Andrea erklärt. Denn Schweinsbraten werde bei ihnen nicht auf Verdacht, sondern nur im Auftrag gemacht.

Auch das Filmteam von ServusTV, das kürzlich auf einer kulinarischen Reise durch das Innviertel war, habe sich ein Bratl in der Rein bestellt, erfahre ich und habe bei der Zubereitung dieses deftigen aber köstlichen Gerichts dem Koch mit der Kamera über die Schulter geschaut. Zu sehen sein wird dies in der ServusTV-Serie „Heimatleuchten“ am Freitag, den 29. November, ab 20.15 und der Zuschauer erfährt nicht nur, wie der Schweinsbraten in der „Alten Schmiede“ schmeckt, sondern auch wie der Innviertler Surspeck mundet. Der ist eines der bekanntesten Produkte des Innviertels ist, wo es viele kulinarische Schmankerl zu entdecken gibt.

In der westlichen Region unseres Bundeslandes mit ihren sanften Hügeln und dem Inn wurde Essen und Trinken schon immer geschätzt. Es halte Leib und Seele zusammen, heißt es und dieser „Kitt“, der den Innviertler Menschen nicht auseinanderfallen, aber mitunter auseinandergehen lässt, ist meistens ziemlich deftig und opulent wie auch der allseits geschätzte Innviertler Surspeck.

Weißes Gold

Die Geheimnisse der Herstellung dieses zarten, blütenweißen Nahrungsmittels werden von Generation zu Generation weitergegeben, lässt Johann Leitner aus Tarsdorf durchblicken, der von seinem Vater einen großen Schlachthof übernahm. Heute lässt er auf einem Hektar Fläche 30 glückliche Mangalitza-Schweine herumlaufen, die einen Speck in Spitzenqualität liefern.

Dieses „weiße Gold“ wird beispielsweise im Gasthaus Hofer in Neukirchen an der Enknach in kleinen Knödeln verarbeitet, die dann aber gleich zu Fünft auf den Tellern der Gäste landen, die sie dann auch mit großem Genuss verzehren. Dazu wird natürlich Bier getrunken, weil das Innviertel, das viele Jahrhunderte zu Bayern gehörte und auch davon geprägt wurde, noch heute eine Region mit der größten Brauereidichte in Oberösterreich ist.

Affen zum Dessert

Die Bayern vererbten den Innviertler auch den Entenbraten, der dort traditionell bei Kirchweihfesten aufgetischt wird. Dieser kulinarischen Thematik hat sich der Entenwirt in Tarsdorf verschrieben, der von den Eheleuten Rosemarie und Bernhard Schachinger betrieben wird und bei denen sich alles um das Federvieh dreht, angefangen von der Aufzucht bis zur Verarbeitung. Zu einem guten Entenbraten könnte man beispielsweise die Erdäpfel des Bauern Martin Paminger servieren, der sie für die besten weit und breit hält und der in der TV-Sendung auch das Geheimnis der guten Qualität seiner Produkte verrät. In einer Gegend, in der gut gekocht wird, sind auch die Hersteller der Werkzeuge, die man zum Zubereiten von Speisen braucht, nicht weit. Daher erklärt der Messermacher Norbert Leitner in der Heimatleuchten-Sendung „So schmeckt das Innviertel“, warum seine Damast-Messer in keiner Küche fehlen sollten.

Eine Spezialistin in der Zubereitung von „Innviertler Affen“ ist die Aspacher Bäuerin Maria Hamminger. Doch dabei handelt es sich nicht um eine ernährungsmäßige Entgleisung in unseren Breiten, wie man fälschlicherweise glauben könnte, sondern um eine fast schon vergessene Süßspeise, die offenbar nicht mehr viele Leute zubereiten können. Mancherorts wird das Mürbteig-Dessert im Innviertel noch als Nachtisch serviert, wenn auch eher selten. Die „Affen“ müssen nämlich schnell und bei richtiger Hitze herausgebacken werden, sonst ersaufen sie im Fett und schmecken nicht mehr.

Brauerei am Schiff

Was im Innviertel immer geht und schmeckt, ist flüssiges Brot, wie Einheimische sagen, nämlich Bier. Die Vielfalt dieses Angebots ist dort groß, weshalb man sich als Biererzeuger offenbar schon etwas Spezielles einfallen lassen muss, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Daher erzeugt der Schärdinger Schiffskapitän Manfred Schaurecker sein Bier auf einem Schiff und dürfte damit auch der einzige Schiffsbierbrauer Österreichs sein.

Mit Hustenbonbons aus dem Innviertel könnte man auch der derzeit grassierenden Erkältungswelle Paroli bieten. Diese werden – wie auch im Film zu sehen – von Rudolf Burgstaller in Bankham im Gemeindegebiet Eitzing im Bezirk Ried aus dem Honig und dem Propolis seiner Zuchtbienen erzeugt.