Vollkommen überzogene Aktion: Mehrere Polizisten führen Herbert D. (82) ab, nachdem sie ihn zuvor brutal am Boden fixiert hatten.

Es war die Szene der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen am Samstag in Innsbruck. Ein älterer Herr (82) eilt seiner zu Boden gerissenen Tochter zu Hilfe und wird dafür ohne Vorwarnung von Beamten der Kärntner Spezialeinheit „Luchs“ brutal mit dem Kopf auf dem Asphalt fixiert. Danach führen sie den Mann rabiat in Handschellen ab und verhören ihn stundenlang auf der Polizeiwache – trotz seiner Verletzungen.

Herbert D. Ist ein ebenso lebensfroher wie kritischer Mensch, der sich nichts vormachen lässt. Schon seit Längerem nimmt er daher an maßnahmenkritischen Kundgebungen und Spaziergängen teil. Der gebürtige Steirer lebt seit 57 Jahren in Tirol und längst ein waschechter Tiroler mit Herz und Seele geworden. Es ist auch die Liebe zur Heimat, die ihn dazu bewog, in traditioneller Tracht zu kommen, als es darum ging, ausgerechnet am 211. Todestag von Andreas Hofer friedlich den Unmut mit den Regierenden kundzutun. Im exklusiven Wochenblick-Interview erzählt er, wie er die schikanösen Szenen rund um seine Festnahme erlebte.

Wochenblick: Mehrere Videos zeigen, dass die „Luchs“-Beamten ohne Rücksicht auf Verluste auf Sie losstürmen und Sie ziemlich hart angreifen. Wie haben Sie die Situation am Samstag erlebt?

Herbert D.: Ich habe zuerst die Haare meiner Tochter gesehen, und dass sie in Bedrängnis war. Also wollte ich sie so schnell wie möglich aus der Gefahrenlage wegzerren. Ich konnte mit ihr ein, zwei Schritte flüchten. Dann sind wir plötzlich nach hinten gekippt, wohl weil wir von hinten angegriffen wurden. Ich wurde an der Schulter zurück gezerrt und stürzte zu Boden, bin dann aber zunächst doch wieder aufgestanden.

Da sah ich einen Polizisten, bei dem ich dachte, er ließe mit sich reden. Ich versuchte ihm zu erklären: „Das ist meine Tochter und wir wollen nur weg“. Dann ist aber der Rest der Beamten hinzu geströmt. Da hat mir schon der Erste die Hände zurück gedreht. Ich wusste, dass ich nichts verbrochen habe und habe mich steif gemacht. Dann haben sie eine Stufe hochgeschalten und schon lag ich mit dem Kopf voraus nach unten auf dem Boden. Dann haben sie mir sogar noch Handschellen angelegt.

Man würde ja meinen, dass mehrere Polizisten auch ohne solch einschneidende Maßnahmen mit Ihnen fertig geworden wären?

Es war sicherlich ein traumatisierendes Erlebnis, ich hatte in meinem ganzen Leben davor noch nie Handschellen an. Aber schon als ich nur am Boden lag, haben sie mir den Schädel runtergedrückt. Ein Polizist ist auf mir gekniet, seither habe ich auch Rückenschmerzen. Dabei habe ich noch versucht, ihnen klarzumachen, dass ich keine Handschellen brauche. Denn zur Feststellung meiner Identität würde ich als rechtschaffener Bürger natürlich freiwillig mitgehen. Aber es gab einfach null Reaktion darauf. Die wussten, was sie zu tun haben…

Womit rechtfertigte die Exekutive eigentlich ein so überschießendes Einschreiten? Haben Sie Verständnis dafür – und haben Sie sich jemals gefragt, warum gerade Sie so brutal abgeführt wurden?

Ich gewann den Eindruck, dass diese „Luchs“-Partie gar nicht mitbekam, worum es eigentlich ging. Die wussten auch nicht, wieso ich meine Tochter rauszerren wollte. Die sahen einfach nur, da sind ein paar Leute auf einem Haufen. Ich glaube aber auch, dass die einen regelrechten Auftrag haben, so vorzugehen, ähnliche Szenen habe ich auch andernorts auf Demos gesehen.

Wieso sie zu hart zu Werk gingen, verstehe ich nicht. Denn eigentlich halte ich mich immer an das, was ja auch Martin Rutter immer empfiehlt: Sich nicht widersetzen, immer kooperativ sein – das halte ich für sehr gut. Ich bin ja auch niemand, der von vornherein rabiat ist. Aber dann las man mir das Protokoll vor. Angeblich hätte ich einen Polizisten mit der Faust auf die Brust geschlagen…

Und inwiefern entspricht dieser absurde Vorwurf den Tatsachen?

Absolut nicht. Es kann vielleicht sein, dass ich einen Polizisten im Trubel leicht berührt habe, als ich mich aus der für mich schmerzhaften Lage loswinden wollte. Aber sicherlich habe ich ihn nicht mit der Faust geschlagen. Folgt man der Formulierung des Polizisten, macht es den Eindruck, als wäre ich ein wilder Hund.

Jetzt bin ich zwar für mein Alter gut beisammen, aber sicherlich nicht so blöd, einen Polizisten anzugreifen. Gegen den Vorwurf des „Widerstandes gegen die Staatsgewalt“ verwehre ich mich natürlich, wir werden uns hier mit einem guten Anwalt zur Wehr setzen.

Wie sind die Beamten auf der Polizeistation mit Ihnen umgegangen?

Da war zunächst ein ganz übler Beamter, der auch nich viel redete und knapp angebunden war. Er ging bei der Leibesvisitation ganz brutal heran. Ich musste mich bis auf die Unterhose ausziehen und er hat sogar noch in meinem Schritt nachgeprüft, ob ich dort etwas versteckt halte. Am Ende wird man hier wohl versuchen, das Recht zu dehnen und argumentieren, man hätte es am Landhausplatz mit lauter Schwerverbrechern zu tun gehabt und da müsste man mit allem rechnen…

Aber man muss differenzieren, denn der Großteil der Beamten auf der Wache am Bahnhof waren nette Polizisten. Die hatten sogar eindeutig ein gewisses Verständnis für meine Situation und unterstützten mich im positiven Sinne bei der Anfertigung meines Protokolls. Auch für den Großteil des Tages wussten die meisten Beamten noch mit Augenmaß vorzugehen, hatten die Lage unter Kontrolle. Wir haben daher den Tag auch bis zu diesem Moment der Eskalation entsprechend dem Sinn als harmonisch erlebt und genossen. Es ist mir daher wichtig, zu betonen, dass es zwei Sorten von Polizisten gibt.

Wie geht es ihnen eigentlich körperlich und emotional nach diesen Vorfällen?

Ich habe schon Schmerzen, auch weil der Polizist, der links hinter mir stand, nicht nur meinen Arm auf den Rücken gab, sondern die Hand auch noch rabiat noch oben riss. Deswegen tut meine Schulter enorm weh. Wir waren später noch in der Klinik zur Untersuchung. Es ist kein Bruch, aber mit Sicherheit eine Zerrung oder Luxation.

In Anbetracht der Umstände geht es mir aber schon wieder überraschend gut – vor allem auch psychisch geht es mir nicht so schlecht, wie zu befürchten wäre. Nach so einer traumatisierenden Erfahrung müsste man ja relativ angeknackst sein. Klar, gerade im Hinblick auf den brutalen Beamten: Das werde ich diesem Typen nie vergessen, das war schon äußerst brutal. Aber ich bin eine starke Person, ich lasse mich nicht so leicht unterkriegen.

Das heißt, Sie lassen sich von solchen rabiaten Aktionen gegen Ihre Person auch nicht einschüchtern? Wird man Ihnen demnächst schon wieder bei regierungskritischen Kundgebungen begegnen?

Natürlich muss man dabei wissen, dass die Gegenseite, auch von Nehammer ausgehend, diese Art von scharfen Beamten und Taktiken auch mit Kalkül einsetzt. Ich bin auch überzeugt, dass man gezielt Provokateure einschleust, in der Hoffnung, man bekommt die ‚richtigen‘ Bilder.

Aber solange die Strategie und der Geiste der Proteste so bleibt, wie es ist – nämlich, dass alles friedlich, aber bestimmt abläuft – bin ich dabei und würde jederzeit wieder auf eine solche Kundgebung gehen. Wenn es sich einrichten lässt, komme ich natürlich auch schon zur großen Demo am 6. März in Wien.

Vielen Dank für das Gespräch!

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