Anstatt sich für die Gleichberechtigung geimpfter wie ungeimpfter Studenten einzusetzen, hetzt die „Studienrichtungsvertretung Geschichte“ an der Universität Wien gegen eine Ringvorlesung, die sich kritisch mit der Corona-Situation auseinandersetzt. Unter anderem trägt darin der renommierte Leiter des Public Health-Zentrums, Prof. Dr. Andreas Sönnichsen der Med-Uni Wien darin vor. Die angebliche Studentenvertretung hetzt in ihrer Stellungnahme sowohl gegen den erfahrenen Mediziner und Uni-Professor als auch gegen die weitere vortragende Historikerin Prof. Andrea Komlosy. Man unterstellt den integeren Professoren „Verschwörungsideologie“ zu betreiben.

Es ist bereits der zweite Offene Brief, den die Uni-Wien Studentin Cornelia Lehner zur Corona-Situation an der Universität im Wochenblick veröffentlicht. Frau Lehner will die meinungsunterdrückenden Tendenzen an der Uni Wien nicht stillschweigend hinnehmen.

Liebe Studienrichtungsvertretung Geschichte der Universität Wien,

Ein Offener Brief von Cornelia Lehner

Ich möchte auf diesem Weg eine Anmerkung zu Eurem Statement zur Ringvorlesung: „Corona als transdisziplinäre Herausforderung“ vom 15.10.2021 machen.

Zunächst einmal begrüße ich als Geschichtestudentin Euren Apell des kritischen Hinterfragens von (Vorlesungs)Inhalten sehr. Als HistorikerInnen ist das kritische Hinterfragen eines unserer wichtigsten Werkzeuge und sollte in allen Bereichen angewandt werden. Ich möchte an dieser Stelle aber trotzdem noch einen Gedanken äußern, der mich schon länger beschäftigt:

Im momentanen Gesellschaftsklima habe ich den Eindruck, dass sehr schnell Urteile gefällt werden, vielleicht sogar noch, bevor man sich mit einer Thematik (in diesem Fall Corona und die damit verbundenen Maßnahmen) wirklich aus mehreren Perspektiven auseinandergesetzt hat. Das trifft momentan vor allem auf Meinungen zu, die nicht dem „Mainstream“ entsprechen.

Aus diesem Grund ist eine Vorlesung an einer Universität, welche versucht, kritische Perspektiven einzunehmen, sehr zu begrüßen. Auch wenn man nicht mit allen Aussagen der Vortragenden übereinstimmt, sollte man sich doch zunächst einmal deren Inhalte anhören, bevor man ein Urteil fällt. Dem Anspruch der freien Wissenschaft entspricht es doch gerade, mehrere Positionen anzuhören, abzuwägen und darauf basierend eine Meinung zu bilden. Das muss eine Universität aushalten und davon lebt sie im Grunde doch.

Denn: Sollen wir Menschen mit anderen Meinungen nicht mehr zuhören? Dieser Logik folgend dürften wir uns dann doch auch z.B. nicht mit fragwürdigen Aussagen diverser Diktatoren der letzten Jahrhunderte beschäftigen. Als HistorikerInnen tun wir aber genau das auf eine kritische Weise, denn es geht uns dabei meist in erster Linie um den Inhalt und nicht die Person an sich. Und daher wäre es doch nur folgerichtig, auch in diesem aktuellen Fall nicht auf die Personen, sondern deren Inhalt kritisch einzugehen. Und das geht natürlich erst, wenn diese Inhalte geäußert wurden.

Eine Universität hält Diversität schon aus und Unterdrückung anderer Meinungen kann keine Lösung für gesellschaftliche Probleme sein. Meinungsvielfalt ist doch die Definition der freien Lehre und als Teil unserer Bildung unerlässlich. Wenn wir an der Universität nur den Stimmen zuhören, die mit unseren Idealen übereinstimmen, wäre das eine bedenkliche Entwicklung.

Wie bereits erwähnt, finde ich Euren Aufruf zum kritischen Hinterfragen sehr positiv – nur sollte sich dieser auf alle momentan geführten Diskussionen zum Thema Corona beziehen.

Mit besten Grüßen, Cornelia Lehner


Zur Autorin:

Cornelia Lehner ist 24 Jahre alt und studiert seit dem Wintersemester 2018 Geschichte sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien


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