Einen Prozesstermin hat Monika Stockenhuber, die vom Gericht angeklagte Betreiberin der Engelhartszeller Hanfplantage, noch nicht. Doch das Ergebnis dieser Verhandlung, so vermutet sie, könnte wegweisend sein. Wird es ein Urteil für die Bürger und die alten Heilmethoden oder gewinnt die Pharmaindustrie?

Wie eine Rauschgifthändlerin sieht die 50-jährige Monika Stockenhuber eigentlich nicht aus. Sie sei auch keine, versichert sie, auch wenn sie von der für sie zuständigen Staatsanwältin in Schärding schon „als Dealerin“ bezeichnet und – zusammen mit ihrem Mann Walter Stockenhuber  – wegen des Verbrechens und Vergehens nach dem Suchtmittelgesetz angeklagt wurde. Konkret wirft man den beiden den Anbau und Weiterverkauf von Cannabisprodukten vor, die den erlaubten THC-Wert von drei Prozent überschritten, was Monika auch nicht leugnet.

Ein Forschungsverein

Doch niemals sei es ihr beim Verkauf ihrer Hanfprodukte um Gewinnstreben gegangen, wie sie gegenüber dem „Wochenblick“ bekräftigte, sondern lediglich um die heilmedizinische Wirkung, die ihre Abnehmer mit der Anwendung ihrer Erzeugnisse erzielten.
Ums Geld scheint es sich bei Monika Stockenhuber tatsächlich nicht gedreht zu haben, weil die Anklagebehörde die durch den Cannabisprodukteverkauf lukrierten Beträge mit 1.656. Euro beziffert.

Das in ihrer zwischen dem Stift und der Polizei von Engelhartszell gelegenen Gärtnerei angebaute Cannabiskraut – darunter auch legale Sorten – habe sie immer nur an die Mitglieder ihres Vereins „xund iss“ abgegeben, behauptet Monika. Den Verein gründeten sie und ihr Mann 2018, um den Anbau von alten, fast schon vergessenen Obst-, Gemüse- und Pflanzensorten zu fördern, darunter eben auch Hanf.
„Alte Pflanzen-, Obst- und Gemüsesorten sind nämlich gehaltvoller als das Zeug, das man heute so zu kaufen bekommt“, ist sie überzeugt. Zu wissenschaftlichen Zwecken sei in ihrem Verein auch experimentiert und geforscht worden, sagt Monika, was aber die Anklagebehörde für eine „reine Schutzbehauptung“ hält.

Hexenjagd gegen Verein

Um dies zu klären sowie um die Vergehen der Nutzer von Stockenhubers Cannabisprodukten strafrecht­lich zu verfolgen, wurden schon rund 80 der insgesamt 200 Mitglieder des Vereins – mit unterschiedlichen Ergebnissen – vor Gericht gezerrt, ärgert sich Monika.
„Manche wurden verurteilt, manche nicht“, resümiert Stockenhuber und zeigt erregt einen dicken Ordner mit den Namen der angeklagten Vereinsmitglieder, von denen jetzt natürlich viele stinksauer auf sie seien. Dabei hätte sie ihnen doch mit ihren Hanfextrakten ihre diversen Wehwehchen erleichtert. „Das ist eine Hexenjagd des Staates“, stellt Monika verärgert fest, die nur dazu diene, „die Pharmaindustrie zu schützen.“ Sie sei nämlich der Meinung, dass die natürliche Heilkraft der Hanfpflanze für alle Menschen, die diese benötigten, auch verfügbar sein sollte. „Das Ziel unseres Vereins ist es, den Menschen hochqualitative Bio-Hanf-Lebens- und -gesundheitsmittel zu einem fairen Preis zugänglich zu machen“, erklärt sie. Im Moment ist die Cannabis-Produktion allerdings eingestellt. Dabei wäre es so wichtig, sich dieses Heilmittels frei bedienen zu können. „Denn die sogenannten CBD-Präparate tragen dazu bei, dass wir uns wohl und vital fühlen“, ist Monika überzeugt. „Sie sind die Basis für mehr Ruhe und Entspannung in unserer hektischen Zeit!“