Informanten, die wir zu ihrem Schutz nicht näher beschreiben möchten, zeichnen ein verstörendes Sittenbild aus dem Szene-Lokal „Dots im Brunnerhof“ des Kanzler-Freundes Martin Ho. Willkürliche Entlassungen, schlechte Behandlung, Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung. Die Liste der Vorwürfe ist lang.

Vor Jahren habe Ho dem Bundeskanzler vor Zeugen gesagt, er könne sich gut vorstellen, in die Politik zu gehen. „Ja, du wärst bestimmt ein toller Politiker“, hätte dieser geantwortet. Sebastian Kurz kann man eventuelle Verfehlungen des Promi-Wirts, für den wie für alle anderen hier erwähnten Personen in jeglicher Hinsicht die Unschuldsvermutung gilt, sicherlich nicht vorwerfen. Ob das Sittenbild insgesamt zum Umgang des Bundeskanzlers der Republik passen will, sei der Beurteilung unserer Leser überlassen. Wochenblick berichtete ausführlich über die merkwürdige Verbindung. Ho und sein Vater waren jedenfalls in erster Reihe mit dabei, als Kanzler Kurz den vietnamesischen Premierminister empfing. Und in einem aktuellen Portrait im Trend lobte Ho die „fruchtbaren und positiven“ Gespräche mit der Regierung, an denen er beteiligt gewesen sei.

„Es wird ständig jemand entlassen“

Dieses zumindest behauptete Naheverhältnis soll unseren Quellen nach innerbetrieblich dazu benutzt werden, um die Mitarbeiter klein und gefügig zu halten. Über die Aussage, dass Herr Ho ungern Mitarbeiter entlassen würde, können unsere Informanten nur schallend lachen. Es werde ständig irgendjemand entlassen. Mitarbeiter wären für Herrn Ho wie Zitronen und das würde er diesen auch wörtlich genau so ins Gesicht sagen: „Ihr werdet so lange ausgepresst, bis nichts mehr geht – und dann werfen wir euch weg.“ Das geht, weil in den Lokalen hauptsächlich Ausländer beschäftigt wären.

„Wie Hunde behandelt“

Viele von ihnen sollen aus ärmlichen Verhältnissen stammen, haben kaum Deutschkenntnisse. Teilweise „würde man sie wie Hunde behandeln“, so die Informanten. Speziell ein ausländischer Angestellter habe an sechs Tagen pro Woche 12 Stunden Dienst zu verrichten – für einen Hungerlohn. Die meisten wären zur Kurzarbeit angemeldet, müssten aber häufig bis zu 60 Wochenstunden leisten.

„Ich f*** deine Mutter“

Die auf offiziellen Fotos von Parties und Eröffnungen präsentierten Mitarbeiter wirken diesen Behauptungen gegenüber recht stolz und zufrieden. Unsere Gesprächspartner bestehen darauf: Überstunden würden zwar bezahlt aber „nicht vollständig“ – außer einer der Betroffenen hätte den Mut zu einer Beschwerde. Es käme aber schon einmal vor, dass jemand entlassen wird, weil er dem Chef optisch nicht zu Gesicht stünde. Speziell Frauen, die ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hätten, würden schnell ausgetauscht. An einem besonders launigen Tag hätte der Chef die Worte „Ich fick deine Mutter“ auf einen Zettel geschrieben, diesen mit einem Firmenstempel versehen und an die Wand gehängt. Damit könne man sich gerne beschweren gehen.

„Strategien zur Einschüchterung“

Sollte doch einmal einer nachfragen, weshalb er zwei Monate auf seinen Lohn warten muss oder Sonderzahlungen gar nicht oder unvollständig ausbezahlt werden, gäbe es eine Reihe von Strategien zur Einschüchterung. Eine davon wäre die Aussage, dass niemand einer Beschwerde Glauben schenken würde, denn der Chef wäre ja ein guter Freund des Bundeskanzlers. Diese Aussage wäre von Frau Ho getätigt worden, der Mutter des Martin Ho, die im Betrieb mitarbeitet. Die Mitarbeiter hätten teilweise jeden Tag mit der Arbeiterkammer telefoniert.

Auch andere Vorgänge wollen unsere Informanten beobachtet haben. Veranstaltungen würden ihrer Wahrnehmung nach nicht immer offiziell abgerechnet. Wiederholt kämen dabei nennenswerte Beträge zustande, die später abgeholt würden, ohne dass irgendjemand einen Beleg dafür schreiben müsse. Man würde auch nicht nur bei den Angestellten sparen. Kunden sollten immer genau prüfen, ob die tatsächliche Leistung dem Umfang der Vereinbarung entspricht, bekamen wir als Ratschlag.

Türsteher sollte Geld eintreiben

Die vielleicht wunderlichste Geschichte soll sich im vergangenen Jahr zugetragen haben, als ein Mitarbeiter des Lokals beschuldigt wurde, eine vierstellige Geldsumme unterschlagen zu haben. Dieser dementierte, doch der Gastronom wäre sehr erbost gewesen. Ein Türsteher soll den Auftrag erhalten haben, das Geld einzutreiben. Zu Handgreiflichkeiten soll es aber nicht gekommen sein, vor Gericht konnte der Mitarbeiter seine Unschuld letztendlich beweisen.

Ho selbst äußert sich nicht

Wir haben Martin Ho am vergangenen Dienstag mit all diesen Vorwürfen konfrontiert und um seine Sicht auf die Dinge gebeten. Eine Antwort erhielten wir bis zum Redaktionsschluss nicht.

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