Wenn Sie ein Kind der 80er- und 90er-Jahre sind, dann erinnern Sie sich wie ich sicher an die damalige Logik im Musikbereich. Wer nichts zu sagen hatte, hörte austauschbare Pop-Musik – und wer ein bisschen rebellisch war, fand Gefallen an unorthodoxeren Stilen wie Punk, Metal, Neofolk oder Rap. Häufig fand man sich sogar in systemkritischen Aussagen der Künstler wieder. In der Corona-Krise scheinen sich die Winde gedreht zu haben: Denn während die einstigen Pop-Ikonen wie Nena und Parade-Schmusesänger wie Naidoo gegen den Strich bürsten, scheint es plötzlich „Punk“ oder „Gangster-Rap“ geworden zu sein, die der Regierung und ihrer totalitären Versündigung an den Grund- und Freiheitsrechten die Mauer zu machen. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Regierungshörigkeit ist der neue Punk

Deutschlands wohl bekannteste Punk-Formation „Die Ärzte“ hätte einige Gassenhauer auf Lager, die sie nur modernisieren müssten und sie wären zeitgemäß und würden dem kritischen Anspruch genügen. Von „Paule heißt er, ist Impfe-Meister, im Billa um die Ecke […] bringt kleine Mädchen zur Strecke“ bis hin zu „dein Lockdown-Traum ist nur ein stummer Schrei nach Liebe“ wäre alles drin gewesen. Doch die Berliner sind zu den Spießern aus ihrem Hit „Lasse redn“ geworden. Jene, welche die Mächtigen „mit Verachtung strafen“, sind auch für sie die „Schande für die ganze Nachbarschaft“.

„Eine Rückkehr zur Normalität wäre traumhaft. Soweit wir das verstehen, funktioniert das nur über Impfungen“ schreiben Die Ärzte in einem Statement. Sie bitten ihre Fans, ihrem Beispiel zu folgen: „Ihr habt damit auch die Zukunft der Kultur in der Hand (bzw. im Arm). Ein kleiner Schritt für jeden von uns, ein großer Schritt für die Gesellschaft.“ Auch ihre Kollegen von den „Toten Hosen“ schließen sich dem Appell an. Wenn demnächst mal Alex „für ein bisschen Horror-Show“ kommt, dann hat er also seine durchgeimpften „Droogs“ im Schlepptau und macht sich folgerichtig einen Spaß am gesellschaftlichen Quälen der Ungeimpften? Die Band ZSK hatte ja schon vor Monaten ein eigenes Lied für Corona-Panikguru Drosten geschrieben…

Auch Gangster-Rapper wollen den Stich

Auch ihre Punk-Kollegen von den „Beatsteaks“ sind Systemlinge und trommeln über die Kampagne #impfenschützt für das „Jaukerl“, dazu Sänger wie die notorisch systemtreue Sarah Connor, Howard Carpendale und Rapper wie Jan Delay oder Bushido. Ja, Sie haben richtig gehört: Es gehört mittlerweile zum guten Ton eines Gangster-Rappers, sich dem Wunsch der Regierung für den Impf-Turbo anzuschließen. Böse Zungen würden ja behaupten, es reichte Bushido nicht aus, minderjährige Mädchen mit sexuellen Avancen zu nahe zu treten, da müsste schon ein *hüstel* „härterer Stoff“ her, um sein großteils jugendliches Publikum so richtig zu belästigen…

Noch ein Stück offenkundiger bei seiner Systemtreue war der Gangster-Rapper-Kollege GZUZ. Der fliegt zwar normalerweise unter meiner Wahrnehmung hindurch, aber seine Aktion während einer Demo gegen die überschießenden Corona-Maßnahmen in Berlin spricht Bände. Er schrie den Bürgern, die für ihre Freiheitsrechte auf die Straße gingen – und dafür mitunter von der Polizei ein Knie ins Gesicht bekamen – zu, sie sollten ihre Masken aufziehen. Und fügte hinzu: „Angela Merkel – best in the world!“ Grenzwertige Texte wie „Eine Frau bleibt auf ewig ein Gegenstand“ waren gestern. Heute muss er zeigen, wie toll er die kinderlose „Mutti“ aller Systemhörigen findet.

Die ewige Leier: System-Künstler hui, Mut-Künstler pfui

Es wäre lustig, wenn es nicht eigentlich so tragisch wäre: Denn der Mainstream jubelt solchen Trittbrettfahrern heftig zu. Und ein Stück weit wollte man jahrelang ein wenig Verständnis dafür haben, dass Kulturschaffende auf die Gunst von Publikum und Medien angewiesen sind, und gerne mit dem Strom schwimmen. Schnell hatte ja schließlich auch die DDR jede Menge um die Karriere besorgte Leute zusammen, welche die Ausbürgerung des kritischen Autors Wolf Biermann richtig dufte fanden und das Regime sowieso.

Mittlerweile geht einem diese Verständnis aber aus – und das nicht nur, wenn es sich um Dieter Nuhr handelt, der im Vorjahr schneidig die Corona-Maßnahmen kritisierte und jetzt auch auf die Entrechtung von Ungeimpften scharf ist. Es geht einem auch aus, weil es glücklicherweise trotzdem noch zahlreiche Künstler gibt, denen die Freiheit und die Menschlichkeit eben sehr wohl wichtiger sind als der Applaus der Mächtigen. Aktionen wie #allesdichtmachen zeigen, dass jede Wahrheit einen Mutigen – oder in einem Fall fünfzig Mutige – braucht, der sie ausspricht.

Peinliche Impf-Kampagne als Vorzeichen der Wende

Diese mutigen Stimmen freilich, welchen die überwiegende Mehrheit der Menschen zustimmt, sind für den polit-medialen Komplex freilich ganz üble Menschen. Sie freuen sich, wenn kritische Chartstürmer nach wenigen Tagen zensiert werden. Sie beteiligen sich an einem Scherbengericht gegen Schlagersänger, welche die Corona-Diktatur satt haben. Und wenn mutige Frauen ihre Stimme erheben, ist es plötzlich keine Emanzipation mehr, sondern gefährliche „Schwurbelei“. Der mediale Einheitsbrei versucht sie dann aus der Geltung zu treiben – was nach anfänglichem Erfolg inzwischen vielmehr zu Solidarität mit den Betroffenen führt. 

Es ist aber alles ein Zeichen eines bröckelnden Systems: Jene, welche man noch vor wenigen Jahren nach Lust und Laune für „Brot und Spiele“ einsetzen konnten, springen nicht mehr auf Kommando bei Fuß. Kritische Geister bleiben kritisch und trauen sich endgültig aus der Deckung, treiben den Widerstand gegen den Corona-Wahn aktiv voran. Aber auch der Umstand, dass die herrschende Erzählung händeringend um die letzten paar Getreuen ringen muss, die einen Appell für ihre schrottreife Impfkampagne ans Volk richten – und ihre Karriere damit in den Augen vieler kritischer Bürger selber richten. All das sind Zeichen, dass die Wende zurück zur echten, alten Normalität vielleicht nur ein paar Straßen entfernt ist. 

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