Repräsentation. Ein spannendes Thema. Ein wichtiges Thema. Sicher eine Sache mit der man sich befassen könnte. Würden es uns die etablierten Medien und Konzerne nicht wieder so übertrieben stark in den Rachen rammen, dass selbst der interessierteste Mensch daran erstickt.

Gastbeitrag von Hans Gruber

Was verstehe ich unter Repräsentation? Es geht um das Einflechten bestimmter Personengruppen in die Kunst aber auch in die Werbung. Im konkreten Fall dreht sich alles um schwarze Menschen. Sofern man sie überhaupt noch so nennen darf. Als jemand, der sehr gerne Filme und Serien konsumiert, fällt mir auf, dass man sich mit vielen neueren Produktionen quasi gar nicht mehr auf den Bildschirm traut, ohne gewisse politisch korrekte Kriterien zu erfüllen. In die Handlung müssen mindestens eine, meist sogar mehrere Personen eingebaut werden, die eine Minderheit repräsentieren. Oftmals sind diese Charaktere aber relativ flach und unausgegoren, für den Plot nicht selten nachrangig. Selbst wenn sie im Vordergrund stehen, so haben sie nur selten Tiefgang.

Umgangssprachlich spricht man in diesem Kontext im Englischen von einem „Token.“ Ein Token-Charakter ist jemand, der nur dazu dient, eine Ethnie, einen sexuellen Hintergrund oder eine andere Minderheitenfraktion abzudecken. Wo man nun vielleicht vermuten könnte, dass solcherlei Umgang mit dem Thema Empörung generiert, so bekommen Filmemacher oftmals Applaus dafür.

Farblose Nebenrollen als Pflichterfüllung

Ein perfektes Beispiel dafür finden wir in der jüngsten Star Wars Trilogie. Der schwarze Schauspieler John Boyega spielt darin die Rolle des Finn, eines zuerst loyalen Soldaten des bösen Imperiums. Nach einem Massaker an Zivilisten stellte er seine Rolle in diesem Machtgefüge bereits früh in Frage. Für mich war Finn rasch der interessanteste Charakter in der Geschichte. Als sich herausstellte das man nichts, aber auch rein gar aus ihm gemacht hat, war meine Enttäuschung gewaltig. Die wohl interessanteste Figur verkam zu einem „Token“. Ein Mann, der sich gegen sein eigenes System stellt, dem er zuvor loyal ergeben war, wurde zu einer Randerscheinung degradiert, die hin und wieder den Namen einer Frau rufen darf. Das, meine lieben Freunde, ist schlechtes Drehbuchschreiben wie aus dem Lehrbuch. Man kreiert keine Geschichten mehr rund um Charaktere, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen sollen, sondern rund um Hautfarben.

Für den chinesischen Markt sind Farbige nicht so wichtig

Große Konzerne wie Disney versuchen mit Token-Charakteren ihre mittelmäßigen bis schlechten Geschichten aufzupolieren und damit die üblichen Schreihälse auf Twitter zu befriedigen. Wie wenig Ernst es ihnen damit ist, beweist das Kinoplakat vom ersten der neuen Star Wars Filme. In der US- und West-Version war die Figur des erwähnten John Boyega sehr präsent auf dem Plakat zu sehen. Für den chinesischen Markt, wo eine rassistische Haltung gegen schwarze Personen durchaus weniger verpönt, ja teilweise sogar gefördert wird, hat man ihn ganz klein in den Hintergrund verbannt. Weil die Produzenten genau wissen, dass sich in China die wenigsten Menschen für Farbige interessieren. Und mittlerweile ist der chinesische Markt für Hollywood wichtiger als alle anderen zusammen.

Disney und Co. interessieren sich meiner Meinung nach nicht für Schwarz oder Weiß. Nur die Farbe des Geldes zählt. Wenn mir also eine große Firma erzählt, sie würde sich um „soziale Probleme“ scheren, kostet mich das höchstens ein sarkastisches Kichern.
Im aktuellen Zeitgeist sind farbige Personen zu einer ironischen Rolle verdammt. Früher führte man sie als etwas vor, worüber man sich lustig machte. Heute führt man sie nicht weniger vor, um das schlechte Gewissen jener zu beruhigen, die am aktuellen Zeitgeist mit hohlen Lippenbekenntnissen eine goldene Nase verdienen. Sie sollen gesehen (aber nicht unbedingt gehört werden) damit die üblichen Dauerempörten zufrieden klatschen können.

„Farbzwang“ in der Konzernwerbung

Das Gleiche geschieht in der Werbung. Große Konzerne haben es sich aktuell zur Aufgabe gemacht, ihre Produkte mit farbigen Personen zu bewerben. Egal ob Adidas, Star Bucks oder Unterwäschemarken. In den Werbespots lachen uns farbige Personen und Frauen arabischer Herkunft mit Kopftüchern entgegen. Ein Bild der „Inklusion“ wird beschworen. Wir sind alle eins. Wir gehören alle zusammen. Wenn wir nur brav Nike tragen und Coca Cola süffeln.

Als ob man Rassismus, Gewalt, soziale Ungerechtigkeiten und Glaubenskriege einfach damit beilegen könnte, dass wir alle dieselben Unterhosen tragen, die von unterbezahlten Kindersklaven in Asien hergestellt wurden. Lächerlich. Eine vernünftige Mitte wird nicht gefunden. Das Pendel schwingt stetig von einer Seite zur anderen. Wo schwarze Menschen in den USA im frühen 20. Jahrhundert quasi unsichtbar gemacht wurden, oder man sie offen in Film und Kunst verspottet hat, sind sie jetzt völlig überrepräsentiert und werden in den Vordergrund gedrängt. Sämtliche Kritik an diesem Umstand wird als Rassismus verpönt.

Schwarze entfernen, Schwarze hinzufügen: Was denn nun?

Streamingdienste wie HBO verbannen klassische Filme wie „vom Winde verweht“ aufgrund „problematischer Darstellungen von Minderheiten“ aus ihren Archiven, haben aber kein Problem damit neue Filme und Serien zu erschaffen wo farbige Personen quasi den Stellenwert einer Schaufensterpuppe einnehmen. Eine Fassade ohne Hintergrund, die lediglich zur Beruhigung des Gewissens meist weißer Personen dient. Menschen, die teilweise vielleicht sogar glauben, damit tatsächlich etwas für diese Minderheiten zu erreichen. Und auch abseits davon ist selbst bei uns die Empörung groß, wenn wieder mal eine 100+ Jahre alte Apotheke die Bezeichnung „Mohr“ im Namen führt. Als ob eine Namensänderung irgendeinen positiven Effekt haben könnte. Wie das funktionieren soll, können uns wohl auch nur jene Gutmenschen verraten, die sich zwar dazu beglückwünschen den „Mohr im Hemd“ verbannt zu haben, aber weiterhin Schokolade von Konzernen essen die ihre Produkte auf den Rücken schwarzer Kinder in Afrika herstellen lassen.

Selbst namenhafte Universitäten gestehen frei ein, ja nutzen es sogar als Werbung, dass sie eine gewisse Quote an Minderheiten anstreben. Man diskutiert offen darüber, die Anforderungen für gewisse Minderheiten zu senken. Man munkelt, dass das vielerorts seit längerer Zeit ohnehin bereits praktiziert wird. Vor geraumer Zeit ging ein junger Student an die Öffentlichkeit, eigentlich indischer Abstammung, der zuerst von einer Universität in den USA abgelehnt wurde. Als er jedoch einige Modifikationen an seinem Äußeren und seinen Unterlagen vornahm, die ihn daraufhin als afroamerikanisch erscheinen ließen, war die Aufnahme kein Problem mehr.

Auch Bevorzugung ist Rassismus

Jemanden aufgrund seiner Hautfarbe zu bevorzugen, fällt (auch wenn es die üblichen braven Menschen die immer nur richtig und wichtig handeln nicht glauben wollen) genauso unter Rassismus, wie jemanden aufgrund seiner Hautfarbe abzulehnen.
Ich frage mich, was das für ein Gefühl sein muss, einen Studienplatz oder eine Arbeitsstelle nur aufgrund der Hautfarbe zu erhalten. Ist einem das egal, denn man ist ja jetzt drin? Oder hinterlässt das nicht doch einen bitteren Nachgeschmack?

Wenn tatsächliche Rassisten Menschen auf ihre Hautfarbe reduzieren, machen diese Konzerne und Gutmenschen auch nichts anderes. Macht einen Betroffenen das nicht … wütend? Mich würde es tatsächlich etwas verärgern. Andererseits bin ich als weißer, heterosexueller Mann im Jahr 2020 ohnehin der Bösewicht schlechthin und habe alles, was ich besitze, meiner Hautfarbe und dem was ich zwischen den Beinen habe, zu verdanken. Nicht wahr? Nicht meiner Ausbildung, meiner Arbeit und meinem Bedürfnis, mich selbst weiterzuentwickeln. Was weiß ich also schon? Wie einfach muss es sein, die Welt so reduziert wahrzunehmen.