Mit der geplanten Errichtung eines dritten Firmenstandortes im Mühlviertel haben die beiden erfolgreichen Unternehmer-Brüder Herbert und Peter Handlos aus Tragwein zur Zeit alle Hände voll zu tun. Damit geht der 2005 gestartete Expansionskurs des Familienbetriebes weiter.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

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„Dieser Duft!“ Ein intensiver Geruch von Kiefernholz liegt in der Luft. Peter Handlos (44) steht in der Leimbinderproduktionshalle seines Betriebes in Tragwein und holt tief Luft.

Kann es etwas Schöneres geben? Nun ja, vielleicht einen Tauchurlaub in Ägypten, den er sich hin und wieder gönnt. Aber für die Holzverarbeitung lebt er, genauso wie sein jüngerer Bruder Herbert Handlos (36), der das vom Vater übergebene Unternehmen ausbaute und weiterentwickelte.

Flucht nach Vorne

Vor etwa 15 Jahren haben wir die Flucht nach vorn angetreten, sagen beide unisono, deren Firma heute mit etwa 90 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von 45 Millionen Euro erwirtschaftet. In der Hauptsache wird dieser Umsatz mit Brettschicht- und Konstruktionsvollholz sowie mit Hobelware erzielt.

„Wir liefern nur an Wiederverkäufer“, sagt Peter, der sich um den Absatz der Produkte kümmert. Diese werden vielfach von der Fertighausindustrie verarbeitet, erläutert er, werden aber auch für die Errichtung von Dachstühlen verwendet.

In der Sparte Blockhausbohlen soll die Firma Handlos sogar österreichischer Marktführer sein. Doch das Gros der Erzeugnisse aus den beiden Werken Tragwein und Pregarten gehe in den Export, betont Geschäftsführer Herbert Handlos und verweist auf 23 belieferte Länder, darunter auch einige in Südamerika, ferner auch die USA und Japan.

Lange Tradition

„Demnächst fliege ich wieder dorthin, um Kunden zu besuchen “, sagt Peter Handlos, während wir durch den Betrieb spazieren. Wie sein Bruder empfindet auch er es als eine schöne und große Verantwortung, das Familienunternehmen weiterzuführen, das im Vorjahr sein 200-jähriges Jubiläum feierte.

Vor sieben Generationen hat bei den Handlos‘ durch den Kauf eines Anwesens alles angefangen. Das Anwesen wurde bereits 1632 als Stegmühle am Kettenbach erstmals urkundlich erwähnt. Die Vorfahren der heutigen Handlos-Brüder haben dort mit einem Sägewerk begonnen.

153 Jahre später gab es dann erstmals eine große Erneuerung. „Wir erkannten die Probleme, die sich unserem Sägewerk in Zukunft stellen würden und setzten auf Expansion“, heißt es in der Firmengeschichte über das Jahr 1971.

Der zwölf Jahre später geborene Herbert dürfte sein künftiges Schicksal schon mit der Muttermilch eingesaugt bekommen haben. Bei Peter, seinem älteren Bruder, war die Laufbahn – obwohl er Tischler gelernt hatte – zunächst nicht so klar.

Zeit war günstig

Er arbeitete erst einmal außerhalb des Familienunternehmens. Erst als ihn sein jüngerer Bruder nach Übernahme des Betriebs als Verkaufsleiter in die Firma holte, richtete man das Unternehmen noch einmal neu aus und brachte es gehörig nach vorn.

Der Neustart passierte zum Glück in einer Zeit, in der Holz als gutes und nachhaltiges Baumaterial eine Renaissance erlebte. Heute wird Holz als Baustoff von vielen Menschen wieder hoch geschätzt.

Jährlich bringen tausende LKW an die 100.000 Kubikmeter Tannen-, Fichten-, Lärchen- und Kieferhölzer in die Handlos-Industriewerke, wo die Rohlamellen dann verarbeitet werden. „In Tragwein machen wir vor allem die Leimholz- und Konstruktions-Vollholz-Produktion“, erläutert Herbert.

Die Mitarbeiter des Unternehmens sind zur Hälfte schon sehr lang dort beschäftigt und mit den Chefs und den Arbeitsbedingungen zufrieden, wie man bei einem Rundgang sehr schnell feststellen kann.

„Ich gehöre schon zum Inventar“, sagt Markus Huber (36), der nach dem Bundesheer in die Firma kam und der dort die „Leimbinder-Endhobelung“ überwacht. Mit seiner Arbeit ist er zufrieden.

Zufrieden mit seiner Tätigkeit ist auch Ernst Danmair, der Betriebsrat des Unternehmens, der schon seit 20 Jahren in der Keilzinkerei beschäftig ist. „Mir gefällt das Schichteln“, betont er. Probleme gebe es nicht.

Es sei ein Geben und Nehmen, meint Peter Hochstöger (55) aus der Konstruktions-Vollholz-Produktion. Auf ein gutes Betriebsklima legen Herbert und Peter Handlos auch großen Wert.

Vor allem Peter, der auch noch FPÖ-Landtagsabgeordneter ist, achtet sehr darauf, dass sich die Angestellten im Betrieb wohl fühlen können. Dafür verspürt er eine innere Verpflichtung.Anfänglich wurde sein politisches Engagement in der Gemeinde Tragwein misstrauisch beäugt, doch das legte sich schnell.

Kraftplatz im Unternehmen

Begrüßte man ihn bei Veranstaltungen im Ort zunächst nur als „den Abgeordneten Peter Handlos“, wurde er schon neun Monate später bereits als „unser Abgeordneter“ willkommen geheißen.

„Ich habe den großen Vorteil, dass ich von der Politik nicht leben muss“, sagt er, weshalb er es sich auch erlauben könne, immer alles offen heraus zu sagen. Das werde seiner Meinung nach auch geschätzt.

So mancher Ärger bleibt natürlich nicht aus. Dann geht Peter Handlos einfach hinüber zum Holzlager um tief Luft zu holen. „Einmal kurz über den Platz geschnüffelt“, sagt er grinsend, „und alles passt wieder.“