Die Kriminalstatistik des Innenministeriums für das Jahr 2017 weist für Einbruchsdelikte in Wohnungen, Geschäfte und Wohnhäuser zwar einen Rückgang auf, dies allerdings auf erschreckend hohem Niveau. So gab es im Vorjahr 5.380 angezeigte Fälle von Einbruchsdiebstählen in Wohnhäuser, was einen Rückgang von 16,1 Prozent gegenüber 2016 bedeutet.

Experten führen diese Veränderung vor allem auf merklich gestiegene Anstrengungen der Hausbesitzer zurück, sich besser gegen potentielle Eindringlinge zu schützen. Vorsorge lohnt sich also in diesem Bereich durchaus.

Um sich einen Überblick zu verschaffen, ist eine allgemeine Einführung in das Thema Einbruchsschutz und häusliche Selbstverteidigung in jedem Fall sinnvoll. Einen solchen liefern der Polizeioffizier und Waffenexperte Stefan Straßer und Dr. Georg Zakrajsek, welcher selbst wohl zu den österreichischen Topexperten auf dem Gebiet des Waffenrechtes gezählt werden darf, mit einer Neuerscheinung aus dem Grazer Ares Verlag:

Psychologische Vorbereitung

Das 246-seitige Buch „Einbruchschutz – Selbstverteidigung – Homedefense“ ist nicht nur hervorragend aufgebaut, sondern auch durchgehend bebildert, und sehr viele kleine Kapitel geben zum Thema – speziell auch für Einsteiger – einen umfassenden Überblick. Einbruchschutz baut auf drei Säulen auf, nämlich auf psychologischer Abschreckung (wie zum Beispiel hohe Zäune), technischen Sicherungen und mentaler Einstellung, die auch für die Selbstverteidigung von Bedeutung ist.

Die Autoren geben Auskunft, wie eine derartige Einstellung geschaffen werden kann. Angesichts der mittlerweile ausufernden Gewalt und aufgrund der gesunkenen Hemmschwelle von Einbrecherbanden (wie der „Wochenblick“ z.B. auch in seiner Ausgabe 09/2018 berichtete) kommt der letzten Säule steigende Bedeutung zu.

Extremszenarien

Die vielschichtige rechtliche Seite des Themas Selbstverteidigung, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz und Gebrauch von Waffen, ist ein weiteres Schwerpunktthema. Dabei ist eine Tendenz klar und unmissverständlich: Bei einem Waffeneinsatz (welcher Art von Waffe auch immer) begibt sich der Waffenbesitzer auf ein rechtlich zunehmend unberechenbares Terrain.

Tapfere Mut-Oma vertreibt Asylwerber nach Einbruch

Die Autoren zeigen auf, was hier im Auge behalten werden muss. Was nach dem „Ernstfall“ im Hinblick auf Polizei und Rettungskräfte, Medien oder Versicherungen zu beachten ist, ist ein weiteres Thema, das sonst häufig weniger Beachtung findet.

Das Buch berücksichtigt im Übrigen auch Extremszenarien bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen und gibt Hinweise, wie man sich auf derartige Ausnahmesituationen vorbereitet. Auch wenn es viele nicht hören wollen, aber die auch im Gesetz explizit erlaubte Notwehr (§3-StGB) gehört zu den wesentlichen und elementarsten Rechten eines Menschen

Brisante Kriminalitätsentwicklung

Oftmals auch zu Gunsten des Umfeldes im Sinne der Nothilfe. Ausdrücklich muss erwähnt werden, dass dieses Buch sich zwar speziell auf das österreichische Waffenrecht bezieht, jedoch was die diversen Angaben zu Lang-, wie auch Kurz- und sonstigen Waffen, Handhabung und Waffenauswahl betrifft, auch für an verschiedenen Waffen und Fach-
themen interessierte Menschen in Deutschland einen wertvollen Beitrag liefert.

Gerade diverse Kriminalitätsentwicklungen haben speziell in Deutschland, wie auch in Österreich in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich Menschen immer mehr mit der Möglichkeit einer legalen Bewaffnung beschäftigen und bereits präventiv meist um Waffenbesitzkarten ansuchen.

In Österreich ist es für eine Mehrzahl an Bürgern sogar rechtlich ganz leicht möglich, sich auch ohne Waffendokument verschiedene Langwaffen – sprich Gewehre – sofern sie keine Halbautomaten sind und teils andere Nebenbedingungen erfüllen, erwerben zu dürfen.

WBK äußerst gefragt

Nicht nur in Österreich war gerade in den letzten Jahren ein starker Antragsanstieg für Waffenbesitzkarten zu verzeichnen. In Österreich gibt es sogar einen Rechtsanspruch, sich auch mittels Waffenbesitzkarte (WBK) genehmigungspflichtige Kurz-, wie auch Langwaffen (Kategorie B-Waffen), unter relativ leicht zu erfüllenden Voraussetzungen und Ansprüchen an den WBK-Werber, anschaffen zu dürfen.

Auch in Deutschland werden – um rechtliche Voraussetz- ungen zum Waffenerwerb zu erfüllen – Schießsportvereine regelmäßig aufgesucht. Und die Anzahl der ausgestellten „Kleinen Waffenscheine“ zum Führen einer Gas- und Schreckschusswaffe explodierte speziell nach der Kölner-Silvesternacht sprunghaft.

Anleitung für den Ernstfall

Was Gas- und Schreckschusswaffen angeht, ist Österreich eine Insel der Seligen, zumal (fast) jeder ab 18 Jahre ohne Dokument solch eine Waffe auch öffentlich tragen darf (aber bitte stets „verborgen“!). Hierzu gibt es auch im Buch unter dem Titel „SRS-Waffen“ (Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen) einige wichtige Hinweise.

Das vorliegende Buch gibt zu allen Sicherheitsthemen einen hervorragenden Überblick und beschäftigt sich nicht nur mit Waffen. Dennoch bleibt die alte Binsenweisheit „Lieber eine Waffe in der Hand, als einen Polizist am Telefon“, eine Tatsachenfeststellung, die im Ernstfall Leben retten kann…

Stefan Straßer/Georg Zakrajsek: Einbruchschutz, Selbstverteidigung, Home Defense,
246 Seiten, durchgehend bebildert, 15 x 23 cm, Hartband, Ares Verlag, 29,90 Euro; ISBN: 978-3902732880