Der Busunternehmer Alexander Ehrlich gründete den Verein #honkforhope und organisiert regelmäßig Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Österreich und in Deutschland. Auch wenn die Politik immer restriktiver gegen Kritiker vorgeht, lässt er sich davon nicht abhalten. Im „Wochenblick“-Interview schildert er seine Erlebnisse in den vergangenen Monaten und seine Ziele für die Zukunft.

Interview geführt von A. D.

Der in Mödling 1979 geborene Unternehmer Alexander Ehrlich lebt heute im Osten von Niederösterreich. Er ist alleinerziehender Vater von zwei seiner vier Kinder und hätte es sich vor ein paar Jahren vermutlich nicht träumen lassen, dass er in Wien Freiluftgottesdienste abhalten würde. Früher war er in seiner Freizeit Tanzlehrer für Standard und Latein, heute reicht die Freizeit nicht mal mehr für das Musizieren mit Horn und Klavier oder das Häkeln – ein bei Männern eher unübliches Hobby. Denn Ehrlich ist seit 2020 zu 100% Friedensaktivist und setzt sich seit August letzten Jahres Vollzeit für eine neue – und deutlich bessere – Welt ein.

Er ist Generalkoordinator des Vereins #honkforhope, eines pan-europäischen Busverbandes zur Rettung des Busreisegewerbes in Europa. Dieser entstand aus einem Zusammenschluss von Buslogistikern, Busunternehmen, Busverbänden, Busfahrern, Reisebüros, Gästeführern, Reiseleitern und anderen Akteuren des Busreisegewerbes. Die erste öffentliche Aktion von #honkforhope war die anlässlich des ersten internationalen Aktionstages in Wien, Dresden, Bratislava und vielen weiteren Städten in Europa erfolgte Übergabe der internationalen Petition „Rettet das Busreisegewerbe“ an die österreichische Bundesregierung am 29.04.20 durch Alexander Ehrlich. Es folgten seither zahlreiche Aktionstage unter anderem in Deutschland, Österreich, der Slowakei, Kroatien, Slowenien, Italien, Albanien, der Ukraine und anderen Ländern Europas.

Im Busverband sind nicht nur Busunternehmer Mitglied, sondern jeder, der in einem Busunternehmen arbeitet – also Arbeitgeber und Arbeitnehmer – ist im Verband gleichberechtigt, das ist eine ungewöhnliche Konzeption. Das Busreiseunternehmen unterscheidet sich insofern von anderen Gewerbesparten, weil es hier keinen Klassenkampf gibt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind wie eine Familie, da gibt es sehr viel Loyalität und Solidarität – und deshalb auch einen Verband, in dem beide Seiten gleichberechtigt sind.

Sie setzen sich als Unternehmer für Ihr Unternehmen ein. Ihr Aktivismus deutet aber darauf hin, dass es Ihnen nicht nur um Ihr eigenes wirtschaftliches Überleben geht. Was wollen Sie erreichen?
Um mein eigenes wirtschaftliches Überleben ging es nie. Auch nicht um meine Unternehmensgruppe. Ich habe mich von Anfang an für das Überleben anderer eingesetzt. Ich selbst habe kein eigenes Busunternehmen, sondern habe laut Gewerbeberechtigung ein Reisebüro. Mein wirtschaftliches Überleben ist dank der sogenannten Hilfsmaßnahmen gesichert. Ich habe privat keinen Cent von den Dingen, die wir für die Busunternehmen erreicht haben, profitiert, und auch nicht der Busverband. Privat kostet mein Engagement mich einiges. Nicht jeder, der für eine Sache kämpft, tut dies des Geldes wegen.

Ihre Kinder sind wohl auch ein wichtiger Motivator sich zu engagieren, oder?
Ganz richtig. Zunächst habe ich mich für den Busverband eingesetzt, am 01. August 2020 aber erkannt, dass es nicht hilft, den Brandstifter um Löschwasser zu bitten. Der einzige Weg, das Busreisegewerbe zu retten, ist die Freiheit zu retten. Und das war der Punkt, an dem der wirtschaftliche Aspekt für mich völlig in den Hintergrund, die gesellschaftliche Verantwortung, die Zukunft der Menschheit und natürlich die Zukunft meiner eigenen Kinder in den Vordergrund traten.

Sie waren mit Ihren Bussen bei vielen großen Demonstrationen in Deutschland dabei. Berlin, Konstanz und Leipzig – um nur einige Veranstaltungen zu nennen. Und am Bodensee sowie am 18.11. in Berlin waren Sie auch Veranstalter.
Am Bodensee am 03.10.20 war ich als Koordinator tätig, da ging es um die logistische Planung und die Abstimmung vieler verschiedener Friedensinitiativen, nicht um die Busse. In Berlin am 18.11.20 war ich Versammlungsleiter, auch da habe ich mich nicht um die Busfahrten gekümmert, sondern alles rund um die Demo koordiniert. Seit dem 29.08.20 habe ich keine Busfahrten mehr abgewickelt.

Wie haben Sie 2020 die Stimmung erlebt? Gab es Veränderungen zwischen dem 1.8. und dem 18.11.?
Oh ja, es hat sich sehr verändert. Die Veranstaltungen am 01.08. und 29.08. waren optimistische, schwungvolle Partys für Frieden und Freiheit, allerdings ohne erkennbare Zielsetzung. Es waren eher Unterhaltungsveranstaltungen, zu denen man hinfährt, um etwas zu erleben – wie auf einem Festival -, aber nicht, um etwas zu fordern. Die Stimmung kippte in Leipzig, wo aus der Demo dann plötzlich eine Aktion des Volkes wurde, bei der jeder für sich selbst entschied: „Was tue ich, was fordere ich, wie drücke ich mich aus?“

Wie meinen Sie das?
In dem Augenblick, als in Leipzig die Demo beendet wurde, beschlossen die Menschen, dass sie in die Eigenverantwortung gehen und einen unangemeldeten Umzug auf dem Ring durchführen. Das war für mich ein entscheidender Wendepunkt der Bewegung. Bis dahin gab es immer einen strukturierten, organisierten Rahmen, mit Programm, das man sich anhört und dem man zustimmen kann, ohne sich selbst auszudrücken. Zur Volksbewegung wurde es in Leipzig, und genau dasselbe geschah auch in Berlin am 18.11.2020. In dem Augenblick, in dem ich die Versammlung beenden musste, begannen die Menschen zu handeln, ohne dass irgendeine Organisation oder Struktur dahinter stand.

Haben Sie Veränderungen auf Seiten der Polizei wahrgenommen?
Leider ja. Die Polizei wurde laufend restriktiver. Vom ersten noch vergleichsweise harmlosen Eingreifen am 01.08. über die massiven Übergriffe am 29.08. bis zu den Wasserwerfern am 18.11.: in Berlin wurde immer stärker an der Eskalationsschraube gedreht. Es wurde immer repressiver, bis hin zum 31.12., der ja komplett ausgefallen ist, weil es dort nicht mal mehr erlaubt war, in Gruppen von drei Personen spazieren zu gehen. Bereits in Bremen wurden am 05.12. erstmals alle regierungskritischen Demos generell untersagt, inklusive der, die ich angemeldet hatte. Ganz pauschal mit dem Hinweis, „regierungskritisch demonstrieren ist verboten“.

Das wurde explizit so gesagt?
Explizit wurde das erstmals in Dresden so vertreten, das haben wir auf Video. Da hieß es: „Corona- und regierungskritische Demonstrationen sind verboten“. Das war eine wortwörtliche Polizeidurchsage in Dresden. In Bremen wurde es im Untersagungsbescheid durch die Blume sinngemäß so formuliert. Die inhaltliche Nähe zur Querdenken-Bewegung wurde gerügt und das Verbot von Demonstrationen aus diesem Umfeld hervorgehoben.

Sie sind auf den großen Demos in Österreich ebenso aktiv. Am 16.1. und 31.1 in Wien gehörten Sie zu den Organisatoren.
Nicht nur im Januar 21, schon am 31.10.2020 und 01.11.2020 war ich Veranstalter der zweitägigen #hellowien Kundgebung. Am 16.01.2021 war ich Mitorganisator der Großkundgebung „Kurz muss weg!“ als Teil einer bundesweiten Allianz der österreichischen Friedensbewegung.

Seit 31.01.21 läuft es bei uns leider auch etwas anders. Da wurden auch in Österreich regierungskritische Demos verboten. Daraufhin habe ich als lutheranischer Christ mein Recht wahrgenommen, entsprechend der Lehre Martin Luthers das Priestertum aller Gläubigen auszuüben, und habe zu einer interreligiösen und interkonfessionellen Wallfahrt für Rechtsstaatlichkeit aufgerufen. Somit war ich am 31.01.21 der Gottesdienstleiter.

Sehen Sie Unterschiede bei Demonstrationen zu Deutschland und Österreich?
Es ist zwar auf Seiten der Politiker dieselbe Eskalationsstrategie zu sehen, sie möchten auch bei uns jetzt viel repressiver vorgehen als bisher. Zu beobachten ist dabei eine Zeitverzögerung. Österreich hinkt um ein paar Monate hinter der Entwicklung in Deutschland her. Der große Unterschied ist aber, dass sich die Polizei in Österreich nicht politisch instrumentalisieren lässt. Das konnte man schon am 02.11. sehen, als die Polizeigewerkschaft AUF der Regierung per Presseaussendung mitgeteilt hat, dass österreichische Polizeibeamtinnen und -beamte keine Marionetten einer türkis-grünen Regierung sind und sich nicht dazu hergeben, verfassungswidrige Verordnungen umzusetzen.

Das führte in weiterer Folge dazu, dass die Großdemonstrationen am 16.01. ausgesprochen professionell und deeskalierend begleitet wurden. Auch alle vorbereitenden Demonstrationen vom 01.01. bis 15.01., die in vielen Städten Österreichs – selbst in kleinen Bezirksstädten – stattfanden, wurden professionell begleitet, sicher geschützt, aber nicht behindert oder gestört. Es gab nur einzelne Ausnahmen wie am 8.1.21 in Linz, aber verglichen mit Deutschland war das noch harmlos. Wenn man erlebt hat, wie in Berlin Menschen mit Krückstöcken niedergeschubst wurden oder Schwangere mit dem Bauch nach unten auf den Boden gedrückt worden sind, waren die Übergriffe Einzelner überhaupt nicht vergleichbar.

Wenn man Artikel in den verschiedenen Medien verfolgt, war der 31.1. in Wien ja eine Ansammlung von Nazis, Hooligans, Identiären und anderen üblen Gestalten. Direkt gefragt: sind Sie ein Nazi? Oder ein Antisemit?
(Lacht) Alleine durch meinen Familiennamen kann ich wohl kaum Antisemit sein. Wie auch immer, ich hatte die #hellowien Demo mit einer Eröffnungsdemonstration am Mahnmal gegen Krieg und Faschismus eingeleitet. Dort haben wir sämtliche Ideologien, die einen Menschen höher bewerten als einen anderen, verurteilt und uns gegen jegliche Form von menschenverachtender Ideologie klar positioniert. Namentlich genannt haben wir Leninismus, Stalinismus, Nationalsozialismus, Maoismus, Salafismus und Absolutismus. Davon abgesehen bin ich einer der Mitzeichner des Salzburger Fundamentes, das wir am 06.09.2020 in Salzburg zwischen 30 Friedensinitiativen aus Deutschland und Österreich verhandelt haben. Darin haben wir ganz klar definiert, für welche Werte wir eintreten.

Welche sind das?
Wir stehen für Eigenverantwortung, transparente direkte Demokratie, Selbstbestimmung sowie für Achtung, Respekt und Verantwortung für alles Leben. Diese vier Punkte schließen ganz von selbst die genannten Extrempositionen aus, insbesondere den Nationalsozialismus, der mir persönlich auch deswegen verhasst ist, weil meine Familie zu den Opfern dieser Zeit gehört. Meine politische Einstellung zeigt sich auch darin, dass mein Busverband ein soziales Experiment zur Überwindung der Klassengräben ist, was man ebenfalls nicht als rechts, sondern als links einordnen muss.

Die Demo am 31.1. wurden verboten, stattdessen haben Sie einen Gottesdienst angemeldet. Wie verlief der Tag aus Ihrer Sicht?
Wir hatten ursprünglich verschiedene Demonstrationen angemeldet, die allesamt verboten wurden, mit dem Vorwand des Infektionsschutzes. Das betraf unter anderem eine Demo, bei der 20 Menschen auf einer abgesperrten Fläche mit ABC Schutzanzügen demonstrieren wollten. Auch ein Autokorso von drei Fahrzeugen wurde untersagt. Daran sieht man deutlich, dass es nicht um Infektionsschutz, sondern um Regierungskritik geht.

Daraufhin haben wir gesagt, wenn wir keine Hilfe mehr vom Staat erhalten und es keine Eilanträge gibt, um Hilfe vom Gericht zu bekommen, können wir uns nur noch an den wenden, der über der Regierung, der Verfassung und dem Staat steht: also Gott. Deswegen habe ich zu einer Wallfahrt eingeladen. Diese wurde von der Polizei zunächst verhindert, indem sie uns am Burgring einkesselten. Um eine Eskalation zu verhindern, haben wir die Wallfahrt in einen stationären Gottesdienst umgewandelt und so lange gemeinsam für Frieden und Freiheit gebetet, bis der Polizeikessel geöffnet wurde. Danach begannen wir mit der Wallfahrt, wurden von der Polizei auf eine weit größere Route geführt als ursprünglich geplant und haben dadurch mehr Menschen erreicht als gedacht. Der Zug wurde dann aufgespalten, zog durch die Wohngebiete, wo Menschen an den Fenstern gejubelt haben und den Daumen hoch zeigten. Der österreichische Innenminister Karl Nehammer hat durch seine repressiven Aktionen das Gegenteil dessen erreicht, was er wollte.

Es war eine wunderbare friedliche Stimmung, und die Polizei hat bis zuletzt ihre Hauptaufgabe, den Frieden zu sichern und die Demonstration vor Gewalt und Störungen zu schützen, wahrgenommen. Es gab sogar eine blitzartige Räumung einer Antifa-Blockade.

Nur ganz zum Schluss kam es noch zu einigen Zwischenfällen. So wurde Martin Rutter unter dem Vorwurf „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ verhaftet und die letzten 60 Teilnehmer bei der Wiener Börse eingekesselt und längere Zeit daran gehindert, nach Hause zu gehen. Für mich persönlich endete der Tag mit einer bösen Überraschung, denn ein unbekannter Radfahrer hat eine Scheibe meines Autos eingeschlagen.

Insgesamt war der Tag aber ein phänomenaler Erfolg. Die Menschen haben ihren besten Willen gezeigt, sich keiner Diktatur zu beugen, und die Polizei hat gezeigt, dass zumindest die Religionsfreiheit in Österreich noch heilig ist.

Wie leben Sie derzeit? Man sieht Sie überall in Österreich auf Veranstaltungen, Sie organisieren Veranstaltungen, machen Videos, betreuen Telegram-Gruppen, machen Parteiarbeit und vernetzen Menschen. Schlafen Sie auch irgendwann?
Üblicherweise drei Stunden in der Nacht und 90 Minuten am Nachmittag.

Also volle Energie in den Widerstand?
Ich bringe 100% meiner Zeit, meiner Energie und meiner wirtschaftlichen Ressourcen ein. Ich würde aber nicht sagen in den Widerstand, sondern in die Friedensbewegung. Ich sehe nämlich keinen Widerstand. Ich sehe eine Bewegung, die das Ziel hat, aus der Krise eine Chance zu machen, um so eine bessere Gesellschaft zu erreichen, als wir sie bisher hatten. Das Ziel, das ich anstrebe, ist die von Doreen Schneider aus Ravensburg konzipierte Anthropokratie, die Herrschaft des Menschen. Demokratie ist für mich ein sehr schwammiger Begriff. Was wir erreichen müssen, ist die Herrschaft des Menschen in seiner individuellen Vielfalt unter Achtung und Berücksichtigung jedes Einzelnen.

Ich persönlich sehe eine faschistische Diktatur auf uns zukommen. Die Zeit des „Wehret den Anfängen“ ist in meinen Augen auch bereits vorbei. Wie schätzen Sie das ein – und was erwarten Sie sich für die Zukunft? Können wir das Ganze noch abwenden?

Wir erleben den Versuch, eine faschistische Diktatur zu errichten, dieser Versuch ist aber von vornherein zu Scheitern verurteilt. Ich sage es mit den Worten von Erzbischof Viganò:
„Wir haben bereits gewonnen, denn Gott hat seine Werkzeuge erwählt.“ Und zwar jeden Einzelnen, der oder die in der Friedensbewegung steht, an ihr teilnimmt, sich einbringt, sich ausdrückt. Wir sind viele, wir werden immer mehr, und alles wird gut.

Nach der Demo ist vor der Demo. Wann sind die nächsten Veranstaltungen – Demonstrationen, Gottesdienste, Wallfahrten oder ähnliche Aktionen – geplant?
Am 06.02. werden wir eine länderübergreifende Kundgebung für grenzenlose Selbstbestimmung auf der Grenzbrücke zwischen Salzburg und Freilassing organisieren. Für die Faschingszeit sind Umzüge, Andachten und Demonstrationen in ganz Österreich in Vorbereitung. Am 14.02. nehme ich voraussichtlich als Gast an einer Kundgebung für die Liebe in Hannover teil. Als grenzüberschreitende Allianz aus Initiativen der Salzburger Gruppe mit dem Team Friedenskette, der österreichischen Friedensbewegung und #honkforhope planen wir für die unmittelbare Zukunft auch größere Wallfahrten, Kundgebungen und Andachten in München, Stuttgart und Berlin. Laufend informiere ich darüber auf meinem Telegram-Kanal.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihr Engagement. Wir sehen uns auf der Straße!