„Noch nie im Leben habe ich mich so entwürdigt gefühlt“. Dies ist das Ergebnis des letzten Besuchs von Sabine Kurz im Möbelhaus IKEA in Ansfelden: Ein geplanter Büromöbelkauf geriet zur seelischen Entblößung für die 46-jährige Mutter, was das Personal aber nur mit Gelächter quittierte.

Von Kurt Guggenbichler

Der Quell der Heiterkeit für die Angestellten war die Schilderung der gesundheitlichen Probleme von Sabine Kurz (Name von der Red. geändert). Sie leide an ärztlich attestierten Panikattacken, wie sie erklärte, weshalb sie keinen Mundschutz tragen würde. Dasselbe Recht machte sie für den sie begleitenden erwachsenen Sohn geltend, der ein attestierter Asthmatiker ist.

Sehr gekränkt

Beide schriftlich verfassten Atteste legte sie vor Betreten des Möbelhauses an der Rezeption vor, worauf man dort zunächst etwas ratlos war. Die beiden Damen an der Rezeption, dem sogenannten Info-Stand, pochten auf das Hausrecht des Konzerns, das eine Maskenpflicht vorschriebe.

Um ganz sicher zu gehen, telefonierte eine der beiden Damen noch mit ihrer Vorgesetzten, die die bereits gemachte Auskunft bestätigte. Als Alternative bot man Frau Kurz abschließend ein Gesichtsvisier an.

„Für meinen Sohn war das kein Problem“, sagte die Mutter, „weil dieser trotz seines Asthmas auch mit Visier frei atmen könne. „Für mich aber kam das Visier nicht in Frage. Denn sobald ich etwas zu nahe an meinem Gesicht habe, bekomme ich Platzangst und Panikattacken.“

Diese Tatsache versuchte Frau Kurz dann den Damen am Info-Stand klarzumachen, indem sie ihr Problem ausführlich darlegte. Daraufhin verdrehten ihre Zuhörerinnen die Augen und meinten schnippisch, dass sie froh wären, bei Menschen wie ihr nicht Ärztin sein zu müssen.

Das hat die potentielle Kundin natürlich sehr gekränkt. Sie beschwerte sich schriftlich bei IKEA, worauf sie vom „Easy Buying Manager“ ein Entschuldigungsmail bekam. Er erklärte darin, die Mitarbeiter „zu diesem Thema umfangreich informieren und sensibilisieren“ zu wollen.

Nicht bestechen

Doch dass man sich in ihrem Fall möglicherweise falsch verhalten hätte, davon war in dem Mail keine Rede. Tags darauf meldete sich eine IKEA-Mitarbeiterin per Mail bei Sabine und bat sie um deren Telefonnummer, damit sie ihr die IKEA-Richtlinien persönlich erklären könne.

Im Telefonat bekam die Angerufene dann zu hören, dass man Atteste bei IKEA momentan nicht berücksichtigen könne und Frau Kurz im Übrigen auch online einkaufen könnte.

Daraufhin platzte der 46-Jährigen der Kragen. „Sie können sich doch nicht über die Entscheidungen der Gesundheitsbehörden hinwegsetzen“, konterte sie und versprach, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen.

Die IKEA-Mitarbeiterin meldete sich nun mit einem neuen Mail bei der verärgerten Frau. Jetzt bot sie ihr an, ihr einen 50-Euro-Gutschein zukommen zu lassen. „Gerne lege ich Ihnen auch noch zwei Menügutscheine für unser Restaurant bei und hoffe wirklich, Sie wieder in unserem Einrichtungshaus begrüßen zu dürfen …“, hieß es weiter in dem Schreiben.

„Vermutlich wieder nur mit Maske“, meint Sabine Kurz. „Was glauben die eigentlich? Ich lasse mich doch nicht bestechen. Meine Panikattacken kann auch ein 50-Euro-Gutschein nicht verhindern.“