Der türkise Landesvater als gute Seele, sein böser blauer Vize als Pest-Onkel: Quer durch den Blätterwald reiten der Volkspartei wohlgesonnene Journalisten aus, um den Unsinn der türkisen ‚Message Control‘ ungefiltert noch in hinterste Täler zu tragen.  Der Schmutzkübel, den man nach einem positiven Corona-Test über den in Oberösterreich äußerst beliebten Landeshauptmann-Vize Manfred Haimbuchner ausleerte (FPÖ), passt auf keine Kuhhaut und sollte in einem Land mit kritischer Öffentlichkeit auch auf kein Zeitungspapier passen. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

In der Liebe und im Krieg ist angeblich alles erlaubt. Und tatsächlich leitet sich das Wort Kampagne vom Schlachtfeld ab. Bei der „Kronen Zeitung“ – deren Redakteure geben schon einmal zu, sich mit der kritischen Distanz zu Sebastian Kurz schwer zu tun – hat man das sogar sehr wörtlich genommen. Das gilt auch für die Einhaltung von dessen Abstandsregeln. Denn ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in unserem Bundesland, lässt man jede Nähe zum journalistischen Ethos vermissen und lässt keine Gelegenheit aus, um Haimbuchner und sein Team in ein schlechtes Licht zu rücken. 

„Krone“: Haimbuchner-Volksnähe ist grundböse

Eigentlich ist es ein Zeichen von Volksnähe: Der Familienreferent des Landes besucht seine Heimatgemeinde und gratuliert dort frischgebackenen Eltern zur Geburt ihres Kindes. Dafür wird von den Verwandten und Freunden der Jungfamilie die jahrhundertealte Tradition der Storchenfeier hochgehalten und der Landeshauptmann-Vize, dessen Vater schon ein knappes Vierteljahrhundert im Dorf Bürgermeister war, findet in seinem dichten Terminplan noch zwanzig Minuten Zeit um geschwind vorbei zu schauen. Auf so einen, auf den kann man gerade in schweren Zeiten bauen.

Nicht aber, wenn es nach der versammelten Meute der Mainstream-Journalisten geht. Bereits auf dem Titelblatt schreibt die „Krone“ die Sache zu einer „illegalen Babyparty“ hoch. Ganz wichtig dabei: Es hätten sich dreißig Leute dazu verabredet. Und ebenso wichtig: Der damals noch nicht bekannte positive Test des symptomlosen Politikes. Denn eh wissen: Es ist eine tödliche Seuche, und wer hier zum „Superspreader“ wird, der kann froh sein, dass es nicht mehr das Mittelalter ist. Solche Unmenschen hätte man früher nämlich nackt auf dem Dorfplatz angebunden und öffentlich ausgepeitscht.

Blaue Seuchentreiber? Alles nur eine perfide Kampagne!

Zumindest ist dies der Eindruck den man gewinnt. Denn schon seit Tagen führt die „Krone“ eine unfassbar widerliche Kampagne gegen die FPÖ. Am Mittwoch unterstellte man sogar zwischen den Zeilen, dass Blauwählen irgendwie krankmachen würde. Nur so ist der ebenso untaugliche wie bodenlose Versuch zu verstehen, mit verdrehter und verkürzter Faktenlage, eine Verbindung zwischen der Stärke der Freiheitlichen in einem Bezirk und der 7-Tages-Inzidenz herstellen zu wollen – Wochenblick berichtete. Kleines Detail am Rande: In der fraglichen – seit 1979 blauen – Gemeinde Steinhaus kann man alle Testpositiven an seinen Fingern abzählen. 

Ob solche unfassbaren Skandalisierungsversuche wohl damit zu tun haben könnten, dass die FPÖ in Oberösterreich die bundesweit stärksten Werte in Umfragen hat? Denn nichts kann Haimbuchner und sein Team erschüttern: Konstant werden sie über 20 Prozent ausgewiesen, bis zu 25 Prozent scheinen greifbar. Aber was nicht sein kann, darf nicht sein. Die ausgegebene Losung lautet, die letzte blaue Hochburg zu zerschlagen – egal mit welchen Mitteln, das traditionelle Kernbundesland muss fallen. 

Gekaufte Medien machen Wahlkampf für Stelzer

Und das ist eine schwierige Aufgabe, denn Haimbuchner und sein Team agieren zu seriös, um – wie in der Steiermark – glaubwürdig irgendein Liederbuch zu finden, bei dem man irgendwelche Gedichte aus dem 19. Jahrhundert bewusst aus dem Kontext reißen könnte. Und beim Auftreten kann man auch nicht ansetzen, denn der Spagat zwischen der volksnahen Parole im Bierzelt und der konsensfähigen Regierungspartei gelingt seit sechs Jahren außerordentlich gut. Die oberösterreichische Mischung wurde zur Marke, auf die auch so mancher andere FPÖ-Landesverband neidvoll schielte.

Also muss man tiefer in der Mottenkiste kramen um einen passenden Schmutzkübel zu finden. Und das ist in diesem Fall die „Vorbildwirkung“, für deren Einhaltung die mit üppigen türkis-grünen Alimenten gefütterten „Krone“ natürlich ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer mahnen lässt. Suggeriert soll werden: Der gute Landesvater rügt seinen verantwortungslosen Vize. Zwar gibt es bislang keine seriöse Studie, die belegt, dass asymptomatische Testpositive ein für gesunde Leute im erwerbsfähigen Alter zu 0,01 Prozent tödliches Virus verbreiten. Aber wenn es für das Narrativ passt, dann kann man’s schon einmal andeuten.

Oberösterreicher werden sich nicht lumpen lassen

Angesichts der Offensichtlichkeit, dass es sich um eine Schmutzkübel-Kampagne handelt, ist allerdings gut möglich, dass dieser Plan des Blattes, bei dem Kurz-Unterstützer Rene Benko maßgebliche Anteile hält, in die bereits vollen Hosen geht. Denn gerade die traditionsbewussten und geselligen Oberösterreicher dürfte es großteils ziemlich anwidern, dass Storchenfeiern nach dem Willen der ÖVP „illegal“ sein sollen. Dass Anzeigen wegen Höflichkeitsbesuchen erstattet werden, dafür dürften nur die allerwenigsten Verständnis haben.

Und das gilt umso mehr für jene Mehrheit, welche die türkis-blaue Zusammenarbeit in der Landesregierung an sich weitgehend positiv beurteilt. Sie lebt oftmals in noch kleineren, ländlichen Orten, wo sich die Kunde über solch übertriebene Ausritte ziemlich schnell verbreiten. Auch ich lebe in einem dieser unzähligen kleinen Weiler und dort redet man längst nicht mehr nur positiv über Stelzer und die Seinen, im Gegenteil…

Stelzer wird noch um Stimmen beten müssen…

Ich für meinen Teil gebe lieber einem Menschen meine Stimme, der die kleinen Dinge des Lebens schätzt, sich die Freiheit und den Zusammenhalt auf die Fahnen schreibt, die Traditionen dieses schönen Landes achtet und den Leuten im Land zum Nachwuchs gratuliert. Ein vermeintlicher „Landesvater“ hingegen, der mit (seiner Ansicht nach verpflichtend zu verabreichenden) Impfnadel und polizeilichem Organmandat in meiner Hauseinfahrt steht, kann eher nicht darauf hoffen.

Und das werden viele Oberösterreicher ähnlich sehen und Stelzer bestenfalls dann am Wahlsonntag mit einem Kreuz bedenken, wenn sie zufällig gerade dann gemeinsam mit ihm in der Gemeindekirche zu Wolfern Andacht halten. Vorausgesetzt natürlich, er lässt die Menschen bis dahin wenigstens wieder zu einem ordentlichen Gottesdienst in die Kirche. Er selbst wird ebenfalls beten müssen, dass ihm die Bürger an der Urne die mittlerweile ein ganzes Jahr andauernde Frotzelei samt Wirtschaftseinbruch nicht allzu übel nehmen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

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