Während in Österreich seit Montag eine Reisewarnung für Urlauber aus Kroatien gilt und diese an den Grenzen genau kontrolliert werden, hat Ungarns Premier, Viktor Orban, andere Sorgen: er warnte in einem Radio-Interview vor einer Verbreitung des Corona-Virus durch illegale Grenzübertritte von Migranten. Diese Leute kommen ohne Gesundheits-Checks, sie verstoßen nicht nur gegen ungarisches Gesetz, sondern seien nun auch ein Gesundheitsrisiko, sagte Orban. In Österreich hört man nichts dergleichen.

Von Kornelia Kirchweger

Österreich: das Virus kommt im Auto

Natürlich seien nicht alle Migranten mit Corona infiziert, man müsse das aber in Betracht ziehen, weil „wir nicht wissen, wer sie sind“, sagte Orban. In Österreich ist das kein Thema, auch wenn allein im Juni 1.040 Migranten Asyl forderten. Dass diese beim Grenzübertritt ihren Pass, oder gar einen Corona-Test vorwiesen, ist nicht anzunehmen. Von einreisenden Touristen wird das natürlich schon gefordert. Während also Orban seine Polizei und Soldaten verstärkt gegen illegale Grenzübertritte vorgehen lässt, dürfen Österreichs Grenzbeamte, wohl bald mit Unterstützung des Bundesheers, bei Rückkehrern aus Kroatien Fiebermessen. Denn das Virus kommt im Auto, heißt es.

Unterschiedliche Impfstoff-Qualität

Ungarn hat übrigens schon fast 5 Mio. Impfstoffe bestellt, um sicherzugehen, dass man einen Impfstoff habe, wenn es ihn gebe. In Russland soll etwa schon ab Ende des Jahres der Covid-19 Impfstoff „Sputnik V“ in Masse produziert werden. Orban weist darauf hin, dass die Qualität der Impfstoffe verschieden sein werde. Er habe den Gesundheitsminister angewiesen, diesbezüglich eine Expertise abzugeben, um Verwirrung zu vermeiden.

Großes Echo auf Bürger-Befragung

Aktuell läuft in Ungarn wieder eine Konsultation der Regierung mit den ungarischen Bürgern zum Thema illegale Migration und Wirtschaft. Diesen Mechanismus hat Orban für brennende Fragen eingeführt, um die Meinung möglichst vieler Ungarn zu hören und in die Politik mit einzubeziehen. 1,4 Mio. ausgefüllte Fragebögen seien bereits zurückgekommen. Weil das Interesse so groß sei, habe man die Rücksendefrist von Mitte auf Ende August verlängert, sagte Orban. Bezüglich Arbeitsmarkt und Corona-Krise erklärte Orban, die Regierung habe sich verpflichtet, die durch Corona verlorenen Arbeitsplätze wieder zu schaffen. Das Ziel habe man bisher noch nicht erreicht, aber für Herbst stehen die Chancen gut. Möglicherweise arbeiten dann mehr Ungarn, als vor der Pandemie.